Archiv für den Monat März 2014

Geschmack ist Glückssache

Stuti hat jetzt ein rosa Halfter. Passt prima zu meinem hellblauen. Wir sehen aus wie zwei grenzdebile Vollpfosten, die man noch dazu zu heiß gewaschen hat. Oder wie mißhandelte Plüschtiere vom Flohmarkt. So kann man sich doch nicht leidenschaftlich küssen, Herrgott nochmal!

Schönheit und Geschmack sind ja oft Glückssache, und ich habe in der Hinsicht leider mehrfach Pech gehabt. Nicht, was mein unfassbar gutes und männliches Aussehen betrifft :), aber wenn es um Frisuren und den Kauf von überflüssigem Zubehör geht, schon.

Ich erinnere mich mit Schrecken an die dottergelbe Abschwitzdecke, die mir die Frau zu Weihnachten geschenkt hat. Verbunden mit der Behauptung, es wäre ein edles vanillegelb, das meinen Typ betonen würde. Aha. Ich fand eher, dass sie aussah wie ein Biene-Maja-Kostüm ohne Streifen, weshalb die Decke auf mysteriöse Art kaputt ging (hehe) und die Überreste entsorgt wurden. Verbunden mit diversen unsachlichen Kommentaren, die sich auf meine Person bezogen. Die Frau ist eine schlechte Verliererin 😉

Oder die lila Schabracke, die ich danach erdulden musste. Gottseidank hat die Frau sie zu heiß gewaschen. Erwähnte ich bereits, dass sie ein wenig ungeschickt ist? 😉

Leider sieht sie selbst das anders. Oder wie sind ihre wiederholten Versuche, mir die Mähne zu verschandeln, sonst zu erklären? Faxe mit seinem Fußpuschel-Pottschnitt ist ja noch vergleichsweise gut davongekommen. Man sieht es erst auf den zweiten Blick und die Mädels haben Mitleid mit ihm. Dagegen sieht mein unfassbar krumm und schief geschnittener Stufenschnitt (früher war es einfach nur eine Mähne) so daneben aus, dass alle erst mal lachen müssen.

Alle außer Stuti ❤ Sie hat ein Herz aus Gold. Leider auch für ihren aufdringlichen kleinen Boxennachbarn. Der zugegebenermaßen gut aussieht, ja. Und eine prächtige lange Mähne hat 😦 Aber er hat doch schon eine Freundin. Da kann er mir doch DIE eine nette kurzsichtige Stute auf der Welt lassen, oder?

Bestimmt flüstert er ihr nachts Dinge ins Ohr, über die ich hier nicht schreiben kann, weil ich dann rot werde. Außerdem hat‘s die Frau verboten. Die Frau hat auch verboten, dass ich meine Boxentür aufmache und zu Stuti gehe. Sie hat extra noch einen Strick um den Riegel gebunden. Dabei wollte ich ihr nur sparen helfen. Wenn Stuti und ich ein Doppelzimmer hätten, müsste sie keine Boxenmiete mehr für mich zahlen. Das ist doch gut, oder? 😀

Ein Händchen für Füße

Frau Schmied war letztens für Faxe da. Bald kommt sie auch zu mir. Ich finde sie sehr nett, weil ich meinen Kopf auf ihren Rücken legen darf und dabei – quasi in einem Arbeitsgang – unauffällig ihre Taschen kontrollieren kann 🙂 Die Frau ist ja immer so geizig mit Möhren und Leckerli. Das ist doch sicher ein Fall für den Tierschutz, oder?

Außerdem liegt sie nie auf den Knien vor mir, so wie Faxes Besitzerin. Die robbt jetzt immer mit einer kleinen Schere in der Hand um seine Füße herum, um seine Tinker – Hufpuschel zu frisieren, so dass man nachgucken kann, ob er überhaupt Hufe hat und wie die aussehen.

Infolgedessen hat er jetzt einen Pottschnitt an allen vier Füßen, wofür man seine Besitzerin eigentlich verklagen sollte. Er und ich finden jedenfalls, dass es ganz furchtbar aussieht. Anscheinend wirkt es aber auf die Mädels.

Ich glaube ja, dass sie eigentlich nur Mitleid mit ihm haben. Egal, sagt Faxe. Hauptsache, es klappt und sie wollen zu ihm 🙂 Auf jeden Fall drängeln sich jetzt Menschen (im Stall) und Stuten (draußen) um ihn, um ihn wegen seiner misslungenen Fuß – Frisur zu trösten.

Ob mir Frau Schmied wohl auch ein paar zusätzliche Haare zum Frisieren an die Füße kleben kann? Ich brauche dringend mehr Aufmerksamkeit 😉

 

Alles relativ

Heute war Weltuntergang. Schwarzer Himmel und Regen und Hagel. Es gibt ja nur eins, wovor die Frau noch mehr Angst hat als vor dem Ausreiten, und das ist Ausreiten bei schlechtem Wetter 🙂

Sonst reißt sie sich immer zusammen und stellt sich ihrer Angst, das heißt, sie schnauft wie ein asthmatischer Mops, sobald wir gesittet im Schritt den Hof verlassen. Unter Stress –also zum Beispiel, sobald wir um die nächste Ecke gebogen sind – erhöht sich ihre Atemfrequenz und sie schüttet eimerweise Stresshormone aus. Eigentlich albern, weil ich doch da bin und auf sie aufpasse. Sie weiß doch, dass ich schnell laufen kann und unsichtbare Aliens schon von weitem wittere. Und dass ich sie vor tückischen Lkws beschütze, die einem am Straßenrand auflauern. Vertraut sie mir etwa nicht?

Na ja. In Anbetracht des Wetters hat die Frau heute dankenswerterweise auf unseren Ausritt verzichtet. Stattdessen ging es in die Halle, Kringel laufen. Das ist super, weil sie es immer erst hinterher merkt, wenn ich sie wieder mal ausgetrickst habe. Zum Beispiel hat sie jahrelang gedacht, es wäre normal, dass sie meinen Kopf tragen müsste, weil ich mich unauffällig auf den Zügel gelegt habe 🙂

Heute hatte ich viel Spaß beim falsch angaloppieren. Das merkt sie – wie eigentlich alles – immer viel zu spät 🙂 und macht dann erst mal eine Schrittpause, „um sich zu sortieren“. Muss ich noch erwähnen, dass ich kein feuchtes Haar am Körper hatte, sie aber eine Abschwitzdecke brauchte? 😉

Bin ich jetzt eigentlich Diätassistent, wo ich ihr so lieb beim Abnehmen helfe?

Was trotzdem schön ist

Obwohl ich es ja momentan echt schwer habe mit der Frau und vor allem mit der bösen kleinen Frau, gibt es auch schöne Dinge in meinem Leben. Wenn sich die Frau bei der Bodenarbeit selber mit dem Seil haut, zum Beispiel 🙂

Oder wenn es was zu Essen gibt.

Oder wenn Stuti mich anlächelt und wir uns küssen.

Oder wenn die Frau ihren Autoschlüssel verschlampt, den ADAC ruft und den Schlüssel eine halbe Stunde später in meiner Putzkiste findet. Genau in dem Moment, in dem der freundliche Helfer auf den Hof fährt, dem sie nun erklären muss, sie wäre nicht nur einmal, sondern zweimal dumm gewesen. Das hat er ihr übrigens sofort geglaubt 🙂

Oder wenn sie denkt, sie wäre schlank und sportlich und unter dem Zaun durchkrabbelt und dann einen gewischt kriegt.

Oder wenn ich meine Box nach Feng Shui-Aspekten umgestalte, sobald die Frau mit Ausmisten fertig ist. Also quasi in derselben Sekunde 🙂

Apropos Feng Shui: Ich brauche dringend eine neue Box. Die neben Stuti zum Beispiel 🙂 Wenn ich die hätte, würden der hölzerne Hase der Traurigkeit und der wütende Drache der Morgenröte einander ausgleichen und umfassende Harmonie würde sich einstellen. Oh, und die Frau würde von ganz allein 5 Kilo abnehmen.

Meint ihr, es klappt und die Frau glaubt mir das? 😉

Bodenarbeit

Ich gebe zu, ich habe mich schlecht benommen. Aber ist das ein Grund, jeden Tag Bodenarbeit zu machen, bis ich mich gesittet benehme und die Frau nicht mehr über den Haufen renne, wenn ich es eilig habe? Ich kann doch nichts dafür, wenn sie so langsam ist.

Seit die böse kleine Frau in unser Leben getreten ist und ihr den Floh mit der Bodenarbeit ins Ohr gesetzt hat, ist die Frau unausstehlich und nicht wiederzuerkennen. Ich meine, sie war vorher schon verwirrt und wusste nicht, wohin sie wollte, aber jetzt geht es pausenlos vorwärts, rückwärts und rechts und links gleichzeitig. Jedenfalls sagt ihre Körpersprache das. Ich habe die böse kleine Frau beobachtet, sie muss manchmal auch lachen. Ist das gut oder schlecht?

Ich weiß auch gar nicht, wieso die Frau mit mir spazieren gehen will. Zuhause im Stall ist es doch schön. Sonst wäre ich doch gar nicht dahin gezogen, oder? Ich meine, es hat der Frau doch mal so gut gefallen, dass sie gesagt hat, das wäre mein neues Zuhause. Und jetzt will sie wieder weg? Ich glaube, sie ist ganz schön vergesslich. Und wenn wir dann vom Stall weggehen und sie mit mir irgendwelche komischen Schlangenlinien läuft, weil sie sich verirrt hat und ich ihr – nett und hilfsbereit wie ich nunmal bin – den schnellsten Weg 😉 nach Hause zeige, ist es auch nicht richtig.

Und wisst ihr, was das schlimmste ist? Die Frau gibt der bösen kleinen Frau sogar Geld dafür, dass sie ihr beibringt, wie sie mich mit dem Seil verhaut. Leidenschaftslos und dosiert. Tut aber trotzdem weh. Und wenn wir dann endlich wieder am Stall sind, muss ich noch weiter arbeiten! Statt dass wir uns alle freuen, dass wir dieses Abenteuer unbeschadet überstanden haben, obwohl die Frau daran beteiligt war.

Möchte mich vielleicht jemand adoptieren? Ich bin hübsch, klug und sehr häuslich 🙂

Krimiautor Pfridolin

Ich bin ja jetzt schon länger auf Facebook und seit neuestem habe ich dieses Blog.  Ich habe nämlich im Lauf der Zeit gemerkt, dass  in mir gewaltige schöpferische Kräfte wohnen, die entfesselt werden wollen. Mein Freund Faxe riet mir, doch einfach mal zu bloggen. Oder ein Buch zu schreiben. Hmm. Im Ernst jetzt?, fragte ich.  Doch, sagte Faxe, das wäre sein Ernst. Dann würde ich reich oder berühmt. Er fände reich praktischer,  dann könnte ich jeden Tag Möhren spendieren. Und außerdem wäre ich dann sinnvoll beschäftigt. Und er könnte sich um die Stuten kümmern, hehe.

Darüber musste ich erst mal nachdenken. Natürlich erst, nachdem er hoch und heilig versprochen hatte, die sehr neue, sehr nette Stute nicht anzugraben, weil ich die nämlich toll finde und sie nicht so garstig zu mir ist wie die anderen. 

Die Idee an sich war ja nicht schlecht, da käme mein Genie endlich mal zum Tragen. Und mal ganz  unter uns: Reich und berühmt wäre auch eine hübsche Kombination. Bestimmt würde das den Mädels auch gefallen, hehe.

Aber die Nachteile! Zuerst musste ich herausfinden, ob Faxe jetzt meine Muse wäre und was für Dinge wir miteinander tun müssten. Man hört ja so einiges. Und ehrlich: So gut wollte ich meinen haarigen Tinkerkumpel denn doch nicht kennenlernen.

Nach einigem Hin und Her haben wir uns auf Folgendes geeinigt:

-Wir mögen beide lieber Mädchen.

-Und Essen.

-Mädchen sind zickig.

-Essen nicht.

-Es geht nix über einen guten Kumpel, der nicht futterneidisch ist.

 

Ich glaube, das ist eine gute Arbeitshypothese. Sagt man so? Wo ich ja jetzt Autor bin, muss ich meinen Wortschatz um diese ganzen coolen Ausdrücke erweitern.  

Meine Teilzeitmuse Faxe sagt, Menschen finden Krimis toll. Also bin ich jetzt Krimi-Autor. Mit Blut und so. Aber nur ein bißchen, weil ich das eigentlich eklig finde.

Was ich noch herausfinden muss: Wie Krimis schreiben eigentlich geht. Und: Muss ich die Krimis aus meiner Box heraus verkaufen oder gibt es Zwischenhändler? Ich mag zwar gern Besuch haben, aber doch nicht dauernd. Dann hab ich ja gar keine Zeit mehr zum Essen.

 

 

Wie wir fast nicht nach Hause gekommen wären

Hilfe, meine Besitzerin ist verwirrt. Ich mache mir Sorgen um meine Zukunft 😦

Heute zum Beispiel. Ich war mit ihr draußen und größtenteils nett. Auf dem Heimweg wurde ich natürlich zügiger- klar, die Kumpels warten, das Abendessen und ganz allgemein der Feierabend. Was tut die Frau? Dreht wieder um und läßt mich den Weg gefühlte 5000 Mal vor und rückwärts entlanggehen. Warum? Weiss sie nicht mehr, wo der Stall ist und wo ich wohne?

Liegt das auch an zuviel Kraftfutter? Oder braucht sie einfach nur ein Navi?