Archiv für den Monat Mai 2014

Die Frau und ich in der Reithalle. Sie sitzt auf mir drauf. An der Wand ein schöner Lichteffekt.

Die Frau, der Schlangenmensch

Die Frau kann sich vielleicht verrenken. Unsere Reitlehrerin wundert sich auch immer wieder. Ich muss das kurz erklären: Eigentlich kriegt nur die Frau Unterricht, ich kann das ja schon alles 😉

Es gibt genau eine Möglichkeit, es richtig zu machen, und ungefähr eine Million viele Möglichkeiten, es nicht hinzukriegen, und die Frau kennt sie ALLE. Ich kann auch schon alle Korrekturen auswendig. Meist fängt es an mit „innerer Schenkel, äußerer Zügel“. Danach kommt „langes Bein“. Da kann Frau Reitlehrerin aber sagen, was sie will, die Stummelbeine der Frau wachsen einfach nicht mehr. Die bleiben so kurz.

Dann hätte ich noch „nicht ziehen“ und „weiche Zügelverbindung. Weich! Noch weicher!!“ Spätestens jetzt kriegt die Frau einen komischen Gesichtsausdruck und vergisst zu atmen. 🙂 Wenn sie wieder Luft kriegt, fängt sie an zu schimpfen, dass sie nur deshalb so unkoordiniert wäre, weil sie sich beim Ausmisten so angestrengt hätte und ich ein solches Ferkel wäre. Frau Reitlehrerin geht nicht darauf ein.

Inzwischen sind die Absätze wieder hochgewandert. Jetzt kommt “Absatz tief“. Ok. Absätze sind tief, dafür ist sie jetzt in der Hüfte eingeknickt und hat zusätzlich die Schultern verdreht. Wir sind übrigens immer noch im Schritt 😉

Also: Pause und einmal den Körper durchsortieren. Ich schlafe währenddessen. Ach so, es geht weiter. Nee, doch nicht. Frau Reitlehrerin demonstriert, wie sich die Anlehnung anfühlen soll. Zügelgewicht, mehr nicht. Ich traue mich nicht, weiterzuschlafen, weil Frau Reitlehrerin direkt neben mir steht.

Achtung, jetzt geht’s wirklich weiter. Wir kommen zu Rechts- und Linksstellung. Meine Augenlider werden schwerer und schwerer. Und die Hinterbeine erst! Frau Reitlehrerin hat es leider gemerkt (die Frau nicht ;)) Frau Reitlehrerin weist die Frau darauf hin, dass sie mehr Körperspannung braucht. Finde ich auch. Sie fühlt sich an wie ein nasser Mehlsack. Jetzt wird es etwas besser. Ach nee, sie hat nur wieder vergessen zu atmen 😉

Oh. Die nächste Korrektur: „Leicht die flache Wade ans Pferd legen!“ Weil die Frau sich heimlich schon wieder verdreht hat, wird wieder angehalten und der Körper durchsortiert. Ich döse kurz weg. Frau Reitlehrerin zeigt der Frau, wie das Bein liegen und wieviel Druck ausgeübt werden soll. Ok, Anreiten. Jetzt ist sie nicht mehr locker, Frau Reitlehrerin und ich beschließen aber, das zu ignorieren. Wenn ich nämlich tagsüber so viel rumstehe und schlafe, krieg ich nachts kein Auge zu 😉

Und so geht’s weiter. Wir kommen auch in jeder Stunde zu Trab und Galopp, aber verbunden mit soviel Erklär- und Sortierpausen, dass ich nicht ernstlich ins Schwitzen komme. Dressurunterricht bei Frau Reitlehrerin ist toll 🙂

Jetzt überlege ich, ob man die besonderen Talente der Frau nicht noch anders nutzen könnte. Vielleicht kann ich sie an eine Pferdeshow verkaufen? Als Clown? 😉

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Ihr seid klasse!

Der 1000. Aufruf meines Blogs. Vielen Dank, ich hab euch alle lieb! 

 

Ganz liebe Grüsse

euer Pfridolin

 

 

Mädchenkram

Else hat doofe Füße. Deshalb muss sie Hufschuhe tragen. In rosa wirken die anscheinend am besten. Und machen einen schlanken Fuß, denn der Rest von ihr sieht noch dicker aus 😉 Sie trägt jetzt allerdings keine Fressbremse mehr, deshalb muss ich aufpassen, was ich sage.

Die Frau hat ganz neidisch geguckt, als sie die gesehen hat. Stuti natürlich auch. Ich habe auch gehört, wie sie Frau Schmied gefragt hat, ob es rosa Hufeisen gäbe… Ich warte ja nur noch auf ein Stirnband mit rosa Glitzerdingern. Dann kann ich mein Liebesleben komplett vergessen 😦

Faxe sagt, es gäbe Leute, die wären von Beruf Pferdeversteher. Frauenversteher gäbe es auch, die wären aber wesentlich seltener. Vielleicht gibt es ja auch jemand, der mit der Frau so spricht, dass sie es verstehen kann, und der den Fluch der rosa Dinge von mir nimmt? Und bitte schnell, es ist ein Notfall 😉

Ich (attraktiver brauner Wallach) werde von der Frau geführt. Ich trage meine Fliegendecke.

Plötzlich Prinzessin?

Ich weiß ja nicht. Die Frau hatte wieder mal einen Kaufrausch und ich seitdem eine
Fliegendecke. Gottseidank nicht in rosa. Aber trotzdem. Ich sehe nicht so schlimm aus wie Konrad mit seiner Ekzemerdecke – wie auch, der war vorher schon hässlich nicht so hübsch wie ich ;), aber doch anders als sonst.

Wobei – wenn ich es mir recht überlege, hat die Decke eine extrem männliche Ausstrahlung. Genau das richtige für einen Kerl wie mich. Vor allem das coole Halsteil betont den männlich-markanten Schwung meiner muskulösen Oberlinie. Und drückt die Mähne platt, aber irgendwas ist ja immer.

Schon das erste Anziehen war ein Erlebnis. Die Frau vereint in sich eine seltene Kombination von großer Begeisterungsfähigkeit und noch größerem Ungeschick, will sagen, was man falsch machen kann, macht sie falsch, aber das hingebungsvoll. Entsprechend verliefen auch ihre Versuche, mir die Decke in allen Variationen verkehrtrum anzuziehen. Kleiner Tipp: das Halsteil gehört nach vorn 😉

Tja, und was soll ich sagen – jetzt, wo ich das Ding endlich anhabe, hab ich keine Probleme mehr mit doofen Insekten. Allerdings hat Konrad die unfassbar dämliche Behauptung aufgestellt, meine Decke sähe aus wie ein Prinzessinnenkostüm und seine Decke wäre die einzig wahre. Lächerlich. Als ob der Ahnung von Modetrends hätte, der mit seiner Monster- Ballon – Fliegenmaske. Natürlich ist meine Decke der Rest von meinem Batman-Outfit. Prinzessinnenkostüm. Ts. Der hat doch keine Ahnung. Als ob ich mich verkleiden würde.

Ich werde Stutis SuperHeld sein 🙂 Die anderen dürfen mich aber auch toll finden 😉

Ich finde, das wetzt die Schmach des verpassten Stallausritts ein wenig aus. Man muss aber auch bedenken, dass zuhause auf alles aufpassen, während die verantwortungslose Bande das Gelände unsicher macht, der wichtigste Job überhaupt ist. Wahrscheinlich konnten sie einfach keinen finden, der dafür so qualifiziert ist wie ich 🙂

Faxe beim Ausritt

Hasenherz on tour

Letztens war Stallausritt. Offensichtlich ist die Frau nicht an Stutis Beruhigungskräuter rangekommen, denn ich durfte nicht mitmachen. Stuti schon. Else auch, Faxe, Konrad – irgendwie jeder außer mir. Dabei brauch gar nicht ich die Beruhigungskräuter, sondern die Frau.

Die hatte aber leider tausend Gründe, warum sie nicht mitmachen konnte. Sie hat es eigentlich ganz geschickt angefangen, als sie sich als Trossfahrer und allgemeines Bodenpersonal eingetragen hat. Es sollte nämlich unterwegs eine Pause mit Essen geben – darauf hatte sich Faxe besonders gefreut. Für die Menschen sollte es auch etwas geben, und dafür war die Frau zuständig. Ich weiß nicht, was an Gras falsch ist, aber Menschen wollen ja immer ihre Extrawürste. Da die anderen Menschen genauso gern essen und trinken wie die Frau, dabei aber schlanker geblieben sind, fanden anscheinend alle, dass das eine tolle Idee wäre.

Sie wurde sogar dafür bedauert, dass sie sich „aufgeopfert und für die Stallgemeinschaft auf die aktive Teilnahme am Ritt verzichtet hat“ – so jedenfalls die offizielle Version. Und das hatte rein gar nichts damit zu tun, dass sie schon Schnappatmung bekommt, wenn sie nur ans Ausreiten in einer größeren Gruppe denkt. Nein, nein, überhaupt nicht 😉

Stattdessen wurden weitere Gründe gesucht, warum sie leider nicht mitkonnte. Zum Beispiel, dass ich nicht trittsicher wäre – klar, die höchsten Berge am Stall sind um die 50 Meter hoch, da kann man schnell mal einen Höhenkoller kriegen. Auch meine zarte Gesundheit wurde erwähnt und ihre Sorge, dass ich einen so langen Ritt konditionell nicht überstehen würde. Hallo – die Rede war von 2 Stunden, nicht von 2 Jahren! Außerdem wäre ich zu wild (aha) und schlecht erzogen (wessen Schuld ist das bitte?) und die anderen Pferde wären viel zu langsam für mich (gerade eben war ich doch noch so schwach und hinfällig?)

Sie hat ja ein solches Hasenherzchen. Nur schade, dass sie das nicht zugibt und mich stattdessen bei den Kumpels in Verruf bringt und so meine Autorität in der Herde untergräbt. Also nicht, dass ich der Chuck Norris unter den Pferden bin, aber schon so mittleres Mittelfeld, und das würde ich auch ganz gern bleiben. Um die Gerüchte über meine schwächliche Konstitution und allgemeine Ängstlichkeit wieder aus der Welt zu kriegen, musste ich dieses Mal auf der Wiese richtig die Sau rauslassen, damit mich wenigstens Stuti und die Jungpferde ernst nehmen. Und mein von der Frau angeschafftes neues rosa Fliegenhäubchen ist auch nicht unbedingt imagefördernd.

Nur gut, dass Faxe sich bei uns in der Gegend auskennt und der Mann zur Not eine Landkarte lesen kann – wenn wir auf furchtlose Entdeckernaturen wie die Frau angewiesen wären, würden wir heute noch auf dem Parkplatz stehen und auf meine Reiterin warten, die vor lauter Aufregung noch 20 x aufs Klo muss… Vielleicht denkt die Frau auch, dass auf dem Platz rumreiten fast schon ein Ausritt ist, weil es unter freiem Himmel stattfindet. Also quasi in der Wildnis. Es würde mich nicht wundern 😉

P.S.: Das auf dem Foto ist übrigens Faxe. Das wundert euch jetzt nicht mehr, stimmts? 😉

Alte Schubkarren aus Holz lehnen dekorativ an einer weiss verputzten Stallgasse.

Schöner wohnen oder Feng Shui für die Pferdebox

Faxe hat mich schon oft gefragt, wie ich es schaffe, dass meine Box so saumäßig spektakulär aussieht. Ich habe mich jetzt entschlossen, mein Geheimnis zu lüften, weil es außer uns sicher noch viele Pferde und Ponies gibt, die ihre Besitzer lange gesund und glücklich erhalten wollen, und das mit Hilfe einer simplen Pferdebox.

Für euch gibt es hier wertvolle Tipps zur Umgestaltung eures Zuhauses. In sechs einfachen Schritten erkläre ich, wie ihr eure Schlafstelle nachhaltig so zurichtet, dass eure Besitzer beim Ausmisten zu koordinativen Höchstleistungen gefordert werden. Gleichzeitig ist das ein schönes Ausdauertraining und somit wichtig für Herz und Kreislauf. Schließlich wollt ihr ja noch lange was von eurem Bodenpersonal haben 😉 In der letzten Phase des Ausmistens ist eine meditative Komponente vorgesehen, die keinesfalls mit einer Schockstarre oder einem resignierten Erschöpfungszustand des armen Schweins, dass eure Box ausmisten muss Besitzers verwechselt werden sollte, da dieser in diesem Augenblick wirklich ganz im Hier und Jetzt ist und somit ganz, ganz kurz vor der Erleuchtung steht.

Die nachfolgenden Ratschläge beziehen sich auf Strohboxen. Solltet ihr stattdessen auf Leinstroh, Spänen oder ähnlichem untergebracht sein, so empfehle ich, diese Einstreu im Beisein eurer Service-Fachkräfte mit Genuss zu verspeisen (wenn es zu schrecklich schmeckt: trotzdem Begeisterung heucheln, so lange jemand zuguckt). Oft klappt es dann mit dem Wechsel zur Stroheinstreu. Aber sagt nicht, von wem ihr den Tipp habt 😉

Also. Wegen mir kanns losgehen.

1. Einige Male dynamisch im Kreis drehen. Damit sollte die Einstreu grob von unten nach oben umgerührt sein, so dass das Chi besser fließen kann. Das ist wichtig für die energetische Optimierung.

2. Heu essen. Falls es nicht lecker genug ist: durchs Stroh ziehen und damit vermischen.

3. Stroh essen 🙂 Aber nicht zuviel, sonst bekommt ihr eine Kolik und der Tierarzt muss kommen und unaussprechliche Sachen mit euch tun. Außerdem braucht ihr noch etwas davon für 5.

4. Äppeln. Hier sind kreative Techniken gefragt. Warum nicht mal im Kreis oder im Quadrat äppeln – mal rechtsrum, mal linksrum? Oder an ungewöhnlichen Orten, zum Beispiel in Ecken, die man bisher vernachlässigt hat. Das schult eure Zielgenauigkeit und trainiert die Auge-Hand-Koordination eurer Besitzer. Und immer schön ans Chi denken!

5. Für Fortgeschrittene: Dreidimensionale Strukturen erschaffen. Durch intuitive Vor- und Zurück-Bewegungen könnt ihr Strohrollen bilden, in denen sich sauberes und schmutziges Stroh abwechseln. Ich finde es immer schön, wenn die äußerste Schicht sauber ist. Erstens macht das Feng Shui-mäßig mehr her und zweitens kann man besser den Kopf darauf ablegen.

6. Immer mal 1. wiederholen.

Viel Erfolg! Und achtet darauf, dass ihr zufällig gerade auf der Weide oder dem Paddock seid, wenn euer Bodenpersonal nichtsahnend mit der Schubkarre zur Box fährt. Die Frau kann zum Beispiel ziemlich laut meckern, das will man gar nicht aus der Nähe hören. Sie meint das aber gar nicht so. Sie freut sich mehr so innerlich und kann das nur nicht so zeigen 😉

Eine Pferdeherde, grasend auf der Wiese. In goldenes Dämmerlicht getaucht.

Berufswunsch: Frührentner

Es war schon schlimm genug, als nur die Frau mich zum Abnehmen und Arbeiten kriegen wollte. Seit Else neben mir wohnt, kann ich mir das Tag und Nacht anhören und habe gar keine Ruhe mehr 😦 Muskelaufbau hier, Training da, weniger Essen, mehr Sport – das kann doch echt nicht alles sein.

Ich habe in diesem Zusammenhang die interessante Beobachtung gemacht, dass meine Pferdekolleginnen und –kollegen immer dann frei haben und nicht arbeiten müssen, wenn sie weiße Paste an den Beinen haben. Diese Paste bewirkt anscheinend auch, dass man viel mehr Zeit draußen verbringen und Gras essen kann. Außerdem wird man sehr bedauert und steht extrem im Mittelpunkt. Genial – das will ich auch! 🙂

Ich kann das aber nur für unseren Stall sagen. Bei uns ist es nämlich so, dass die Pferde jeden Tag auf die Weide oder aufs Paddock kommen und die Besitzer sagen, dass die Pferde nur im absoluten Notfall in der Box bleiben müssen. Ich weiß aber auch, dass es woanders Pferde gibt, die im Offenstall wohnen, die also immer draußen sind, und dass es aber auch welche gibt, die gar nicht rauskommen. Die waren anscheinend so teuer, dass die Besitzer jetzt nicht mehr genug Geld haben, um den Tierarzt zu bezahlen 😉

Wisst ihr eigentlich, warum unsereiner IMMER zu den Kumpels will? Ist doch klar: wenn man allein im Stall bleibt, kann einen der Tierarzt problemlos finden und einem dicke Spritzen in den Hintern geben. Oder Nadeln sonstwohin pieksen. Das ist in der Herde nicht ganz so einfach, vor allem, weil wir Tierarztautos schon von weitem erkennen können 😉

Man glaubt auch gar nicht, wie sportlich Tierärzte sein können, wenn sie einen dann doch mal erwischt haben. Wie zum Beispiel das eine Mal, als mich die Frau durch geschicktes Futtereimer-Schwenken übertölpelt und eingefangen hat. Zack, war ich in der Box. Der Tierarzt leider auch, und mit ihm seine Spritze. Zu diesem Zeitpunkt wusste er noch nicht, dass das hübsche kleine Pferdchen (ich) partout keine Spritze wollte. Sonst hätte er die Boxentür sicher nicht zugemacht. Ich habe ihm das kurz erklärt und er war danach sehr froh, als er aus der Box rauswutschen konnte. Er war dabei fast so schnell wie Faxe, wenn es Essen gibt. Respekt 😉 Die nächsten Male hat mich die Frau immer am Strick festgehalten 😦

Aber zurück zu der weißen Wunderpaste, die einem soviel Entspannung und Freizeit beschert: Faxe sagt, die Paste macht kranke Körperteile heil. Vielleicht sollten die Frau und Else sich die mal auf den Kopf schmieren, dann hätten sie sicher nicht so viele dumme Ideen 🙂