Archiv für den Monat September 2014

Ohne Keks kein Hopp

Die Frau will abnehmen und sich mehr bewegen. Ich hingegen habe vor, das bei unserem nächsten gemeinsamen Projekt zu vermeiden. Wir machen nämlich wieder Leckerli essen am Führseil Bodenarbeit, aber dieses Mal mit Frau Reitlehrerin. Ich bin gespannt. Von der Frau weiß ich, dass sie so sinistre und diffuse Ziele verfolgt wie: mindestens Piaffe, wenn nicht gar Levade, Arbeit in den Pilaren, Passage und Schulparade. Frau Reitlehrerin hat sie dann runtergehandelt auf Erhöhung der Motivation, Förderung des Gehorsams und gewichtslose Gymnastizierung. Das hört sich immer noch ambitioniert und anstrengend genug an, aber keine Sorge, ich kenne die Frau ja schon länger 😉

Der große Tag bricht an und wir marschieren zum Reitplatz. Ich, bekleidet mit Knotenhalfter und Longe, sie mit diversen Zubehörteilen und außer Atem, als hätte sie mich nicht nur eben warm geführt, sondern wäre von blutrünstigen Bestien 20 km durch dichtes Unterholz gejagt worden. Frau Reitlehrerin ist schon da und lächelt fein. Nachdem ich – wie es die Höflichkeit verlangt – ausgiebig begrüßt und getätschelt wurde, fragt Frau Reitlehrerin, weshalb die Frau denn die Longierpeitsche mitgebracht hätte. Das weiß die Frau auch nicht so recht. Und die Bogenpeitsche? Die Frau druckst rum. Sie hätte das schon mal auf einem Foto gesehen. Für die Piaffe wäre die doch sicherlich vonnöten. Ah ja, die Piaffe. Frau Reitlehrerin behält die Nerven und erklärt erst mal ganz nett, dass wir mit den Basics anfangen würden. Dafür würden ein schlichtes Knotenhalfter und eine normale Reitgerte völlig ausreichen. Die Frau guckt skeptisch und meckert leise, aber so, dass nur ich sie hören kann. Von wegen Basics, Piaffe wolle sie. Schließlich hätte sie ja schon lange Pferdeerfahrung, und wie man ein Pferd führt, wüsste sie mittlerweile.

Es geht los. Erste Übung: Die Frau soll mich führen und ich soll motiviert mitmarschieren. Wir machen das wie immer: Die Frau latscht mit hängenden Schultern los, den Blick fest auf den Boden gerichtet. Kurz, bevor ich am Knotenhalfter einen unangenehm starken Zug verspüre, setze ich mich lustlos in Bewegung. Frau Reitlehrerin guckt komisch und lässt uns anhalten. Die Frau bleibt folgsam stehen, ich als Vierbeiner beschließe, einen längeren Bremsweg als sie zu haben und komme ein Stück vor ihr zum Halten. Sie lobt mich. Na also, klappt doch, denke ich zufrieden.

Frau Reitlehrerin sieht es leider anders. Ich dürfte nämlich die Frau nicht überholen und müsste hinter ihrer Schulter bleiben. Wie lästig. Jetzt soll mich die Frau rückwärts auf „meine Position“ dirigieren, ohne sich selbst von der Stelle zu bewegen. Eigentlich hatten wir uns ja intern darauf geeinigt, dass da, wo ich bin, vorne ist 😉

Die Frau fuchtelt wild mit der Gerte herum und bleibt dabei in dem Knäuel hängen, das sie heimlich aus der einst wohlgeordneten Longe gemacht hat. Ich kenne sie ja und bin deshalb nur mäßig beeindruckt. Frau Reitlehrerin lächelt tapfer und bittet sie, erstmal die Longe zu entknoten und geordnet aufzunehmen. Nein, nicht von der Schlaufe ausgehend, sondern von dem Ende aus, an dem das Pferd hängt. Die Frau hätte es ja vielleicht auch mal mit Pferden zu tun, die nicht ganz so brav wären wie ich. Ich wusste zwar schon immer, dass ich brav bin, aber eine kleine zusätzliche Bestätigung hier und da höre ich ganz gern 😉 Die Frau kämpft mit gefühlten 20 Metern Longe und murmelt unverständlich vor sich hin. Mir fallen die Augen zu.

So, kann weitergehen. Es geht immer noch darum, mich zu bewegen, ohne die eigene Position zu verlassen. Jetzt piaffiert trippelt die Frau auf der Stelle, um mich zum Rückwärtsgehen zu animieren. Ich finde das niedlich und könnte ihr stundenlang dabei zusehen 😉 Frau Reitlehrerin erinnert sie daran, dass sie stehen bleiben sollte und ich mich bewegen. Frau = stehen, Pfridolin = rückwärts. Die Frau behauptet, das wäre ihr von Anfang an klar gewesen und sie hätte sich nicht gerührt. Kein Stück. Frau Reitlehrerin nickt freundlich.

Nächster Versuch: Diesmal nur zwei Schritte auf der Stelle. Fast hätte sie mich auch mit der Gerte getroffen. Ich erwache kurz aus meinem Halbschlaf.

Frau Reitlehrerin möchte mal demonstrieren, wie sie sich das vorstellt. Hui, strahlt die eine Energie aus! Sie muss eigentlich nur etwas denken und ich weiß schon, was sie meint. Jede Bewegung ist koordiniert. Dezent schwingt sie die Longe und ich marschiere folgsam auf meine Position hinter ihrer Schulter. Die Frau ist neidisch.

Als nächstes soll ich im Genick nachgeben. Mit Frau Reitlehrerins Hilfe kriegen wir das hin. So, und jetzt dynamisch im Schritt angehen! Die Frau schlurft los, ich schließe mich irgendwann an. Frau Reitlehrerin erläutert, dass die Frau energisch und aufrecht gehen sollte. Wieder diese lästige aufrechte Haltung! Die Frau strafft die Schultern und bemüht sich, Führungscharisma auszudünsten. Ich bin tatsächlich ein bisschen beeindruckt 😉

Jetzt wird wieder angehalten. Mir fällt ein, dass ich schon lange kein Leckerli mehr hatte, deshalb bleibe ich hinter ihrer Schulter und gucke erwartungsvoll. Es gibt ein Lob von Frau Reitlehrerin, was ziemlich cool ist, aber halt kein Keks.

Die nächste Übung ist Rückwärtsrichten. Ich stelle mich auf ein längeres Nickerchen ein. Erwartungsgemäß tanzt die Frau auf der Stelle herum und verbindet damit den irrigen Glauben, ich würde das als Signal zum Rückwärtsgehen auffassen. Frau Reitlehrerin möchte aber, dass sie selbst entschlossen rückwärts geht und mich durch ihre Energie mitbewegt. Und durch zartes Longen- und im Bedarfsfall Gertenwedeln.

Die Frau nickt und fängt wieder an, auf der Stelle herumzulaufen. Glücklicherweise merkt sie das selbst und macht jetzt zögerliche, etwa hamstergroße Rückwärtsschritte. Ich döse sicherheitshalber weiter. Frau Reitlehrerin merkt an, dass sie gern größere Schritte hätte. Und von mir eine Reaktion.

Ok. Die Frau guckt entschlossen und gibt alles. Sie macht große Schritte rückwärts und schwingt bedrohlich Longe und Gerte. Ich gehe rückwärts und habe alles richtig gemacht. Die Frau nicht, die muss nämlich das Gertenwedeln dezenter einsetzen und meine Reaktion besser beobachten. Nach mehrmaligem Üben gelingt es ihr, in großen, gleichmäßigen Schritten rückwärtszugehen und dabei zart und zielgerichtet so auf mich einzuwirken, dass wir uns weder in der Longe verheddern noch Frau Reitlehrerin sich das Lachen verbeißen muss.

Und jetzt ein Keks! Ich finde, den hab ich mir redlich verdient. Hilfesuchend sehe ich Frau Reitlehrerin an. Die ist aber überzeugte Nicht-mit-Futter-Belohnerin und kann das ab. Ich seufze. Meine innere Uhr zeigt längst Feierabend und kurz vor Abendessen an.

Aber nein, Frau Reitlehrerin hat Großes mit uns vor: Jetzt soll das Vorwärts- und Rückwärtsgehen auch auf Entfernung geübt werden, aus der seitlichen Longierposition heraus. Ich marschiere brav nebenher und halte auf Stimmkommando an. Rumstehen – meine Lieblingsübung! 🙂 Gibt’s jetzt ein Lecker…? Nein, immer noch nicht. Schade. Vielleicht kann ich durch geschmeidiges Rückwärtsgehen punkten? Und siehe da – ich werde mit Lob und Möhrenstückchen überschüttet und Frau Reitlehrerin entlässt mich in den Feierabend. Den wohlverdienten Feierabend, sollte ich vielleicht ergänzen. Ich hab ja mal wieder die ganze Arbeit allein gemacht.

Die Frau hat sich nämlich nur ungeschickt angestellt, was sie eigentlich dauernd tut und deshalb gut kann. Das ist also nicht anstrengend für sie. Ich dagegen habe mitgedacht, den Unterricht mitgestaltet und bin deswegen toll. Dafür braucht mein Körper halt auch spezielles Aufbaufutter in Form von Leckerchen und Möhren. Ohne Keks kein Hopp 😉

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And the winner is … Pfridolin Pferd!

Ich glaube, ich hab jetzt gewonnen. Tash, Petra und Daniela haben mich ein weiteres Mal für den Liebster Award nominiert. Das heißt, ich kann den jetzt behalten, oder? 😉

Die Regeln und das ganze Drumherum habe ich ja schon hier beschrieben.

Wer hat mich nominiert?

Tash von der Tash Horse Experience hat angefangen. Ich konnte nichts dafür, ehrlich. Ich hab ganz lieb und unauffällig in ihrem großartigen Ponyblog herumgelesen und zack! hatte ich eine Nominierung. Tash schreibt locker und unterhaltsam über so wichtige Themen wie
Horsemanship, Tierschutz, Clickern, Lernverhalten und -psychologie und was sie so mit ihren Ponies Shadow und Spencer Hill und dem kleinen Kaiser Franz Josef erlebt. Dazu gibt’s noch großartige Ponyfotos. Wie es sich gehört, ist die Frau, die diese ganzen tollen Geschichten schreibt, zusätzlich auch noch sehr nett, weshalb ich zu ihr ziehen werde, wenn die Frau nicht aufhört, mich mit Mähneschneiden zu piesacken 🙂

Dann kam Petra von der Pferdeflüsterei Sie ist auch sehr wichtig für mich, denn ihr gehört meine Fernverlobte in Andalusien. Petra hat einen Reiturlaub auf der Hacienda Buena Suerte der Dyslis gemacht und sich unsterblich in ein hübsches, junges Stütchen verliebt. Petra geht es in erster Linie um Kommunikation mit dem Pferd und darum, dass es sich glücklich und geborgen bei ihr fühlt. Deshalb besucht sie Kurse bei so bekannten Pferdeausbildern wie Mark Rashid und Sandra Schneider. Schließlich möchte sie optimal vorbereitet sein, wenn ihr Stütchen alt genug ist, um sein Zuhause bei Kenzie und Magda Dysli zu verlassen und zu ihr zu ziehen. Petra beschreibt ihre Erfahrungen und Gedanken sehr einfühlsam und lesbar, so dass hier wirklich für jeden etwas dabei ist – seien es Ängste beim Ausreiten oder Pferde, die Flaschen, und Reiter, die Bojen sind. Wobei ich trotzdem finde, dass die Frau manchmal auch eine Flasche ist. 😉 Tja, und die Fotos in ihrem Blog – ein Traum!

Last but not least – eine weitere Nominierung gab es von Daniela von Fair Riding Corp. Bei Fair Riding Corp geht es – wie der Name schon sagt – um Fairness dem Pferd gegenüber. Daniela reitet so ungefähr, seit sie laufen kann, und ihre Eltern hatten eine eigene Reitanlage. Ihre Mutter hat Pferde auf schonende Art bis zur schweren Klasse ausgebildet und vorgestellt, so dass Daniela da quasi genetisch vorbelastet ist 😉 Sie möchte, dass es den  Pferden gut geht und versorgt uns daher mit ganz vielen Informationen über gutes Reiten, pferdegerechte Haltung und Pferdegesundheit. Über sie habe ich meine andere Fernverlobte Prada kennengelernt. Prada und ich haben viel gemeinsam, vor allem eine zackelige Mähne 😉 Gut, sie ist nicht ganz so extrovertiert wie ich, aber ich mag es auch ganz gern, wenn man mir zuhört und nicht selber immer die ganze Zeit redet. Wie die Frau zum Beispiel 😉

Daniela ist auf jeden Fall ganz anders als die Frau. Sie schreibt sehr nett und selbstkritisch und kann glaubich schon ziemlich gut reiten 🙂 Von ihr bekommt man Tipps für alle Lebenslagen und zusätzlich gibt es wunderschöne Fotos. Am besten hat mir ihre Seite über ältere Pferde gefallen. Ich will ja auch steinalt werden und dabei glücklich sein 😉

Da waren aber noch Fragen, die ich beantworten muss. Ich fang mal mit Tashs Fragen an:

1. Welche Blogthemen interessieren dich besonders? Als Herdentier muss ich sagen: Ganz klar Pferde und Ponies. Ich interessiere mich dafür, was sie mit ihren Besitzern erleben (oder umgekehrt), damit ich der Frau Vorwürfe machen kann. Wir würden nie was Schönes gemeinsam unternehmen, sie wäre humorlos, immer sollte alles nach ihrer Nase gehen undsoweiter – du kennst sie ja 😉
2. Was / wer in deinem Leben inspiriert dich und inwiefern? Minishettys. Die sind einfach nur da, dürfen alles und jeder findet sie toll. Minishettys leben anscheinend in einer Monarchie, deren Oberhaupt Kaiser Franz Josef ist. Ich will auch Kaiser sein.
3. Hast du eine besondere Begabung, wenn ja, welche? Hmmmm, lass mich überlegen … ich blogge?
4. Wie bist du auf den Hund/das Pferd/die Katz gekommen? In meinem Fall wohl eher auf den Menschen. Ich stand nichtsahnend in meiner Box, als SIE erschien. Mit Herzchen in den Pupillen. Sie machte einen freundlichen, charakterschwachen Eindruck und hatte Leckerlis in der Tasche. Damals dachte ich mir nichts dabei. Heute weiß ich: Sie hat mich bestochen.
5. Welches Tier in deinem Leben hat dir einen ganz besonderen Moment geschenkt und welchen? Das war Stuti. Meine erste Freundin ❤ Sie hat mich trotz meiner Frisur geliebt. Leider sind wir nicht mehr zusammen, vielleicht, weil meine Mähne nachgewachsen ist und ich kurzfristig nicht mehr wie ein minderjähriges Plüschtier ausgesehen habe. Das war ein sehr emotionaler Moment für mich.
7. Zu den Superkräften, welche wären deine? Auf jeden Fall SMP, die SuperMähnenPower. Sie sorgt dafür, dass meine Mähne jede Schere abwehrt. Dann wäre ich gern noch superstark, damit ich die Frau besser tragen kann. Die fühlt sich neuerdings so an, als würde sie doppelt Heu bekommen. Und superschnell, damit ich Else besser ärgern kann – die wehrt sich nämlich. 😉
8. Wichtige Frage: Was macht dich glücklich? Ganz normal: Essen und Mädchen.
9. Was musst du im Leben noch an Erfahrungen sammeln, um zufrieden damit abzuschließen? Ich weiß schon alles, und vor allem weiß ich alles besser 🙂
10. Dein Lieblingsort auf dieser Welt? Die Weide.
11. Wenn du eine einzige Frage an dein Tier stellen könntest, welche wäre das? Ich würde die Frau gern fragen, ob sie mir den Schlüssel für die Futterkammer gibt.

Petra wollte auch viel von mir wissen. Hier ihre Fragen:

1. Wie kamst Du zum Bloggen? Ich hatte das Gefühl, die Welt hat nur darauf gewartet.
2. Warum hast Du Dir Dein Blogthema herausgesucht, um darüber zu schreiben? Ich fand es ehrlich gesagt ziemlich naheliegend, über mein Leben zu bloggen und darüber, wie mich meine Besitzerin manchmal ärgert. Ich muss so oft über die Frau lachen, dass ich euch das nicht vorenthalten will 😉 Außerdem sollt ihr ruhig alle wissen, was für ein toller Kerl ich bin.
3. Was waren Deine schönsten Momente beim Bloggen? Wenn ich merke, dass euch meine Geschichten gefallen. Das ist das toll ❤
4. Was war der schönste Moment, den Dir ein Mensch oder Tier (Pferd, vielleicht *zwinker) geschenkt hat? Das war, als die Frau endlich herausgefunden hat, wie sie mich auf die richtige Art und Weise mit den Fingernägeln an Widerrist und Mähnenkamm kratzen kann. Sie verweigert mir ja hartnäckig das Widerristknabbern, aber so ist es auch ganz schön.
5. Was würdest Du Dein Haustier (Pferd, vielleicht *nochmal zwinker*) fragen, wenn Du könntest? Da die Frau mir hartnäckig ein eigenes Haustier verweigert, aber doch ganz putzig ist, betrachte ich sie als mein Haustier. Rauhhaardackel sind ja auch ziemlich erziehungsresistent, da sehe ich durchaus Parallelen zur Frau. Zurück zur Frage: Ich würde die Frau gern fragen, wo der Schlüssel für die Futterkammer ist. Oder warum die überhaupt abgeschlossen ist. Faxe hat nämlich schon öfter versucht, die Tür zu öffnen, leider erfolglos. Ich meine, das sieht doch nach mangelndem Vertrauen aus, oder?
6. Welche drei Bücher würdest Du niemals aus dem Bücherregal werfen? An erster Stelle natürlich meinen Krimi. Den ich allerdings erst noch schreiben muss 😉 Und dann das Kochbuch, das ich der Frau geliehen habe. Es ist „Das große Schlemmerbuch für Pferde“ von Melanie Strauß. Und dann wäre da noch das Massagebuch, von dem die Frau enorm profitiert hat. Manchmal kann ich ja doch mit ihr angeben 😉 Es heißt „Biomechanik und Physiotherapie für Pferde“ und ist von Helle Katrine Kleven.
7. Wenn Du ein Superheld sein könntest, welche Superheldenkraft hättest Du dann gerne? Wie, nur eine? Bei Tash durfte ich mir mehrere aussuchen. Dann halt nur SMP, die SuperMähnenPower.
8. Was das Verrückteste, das Du jemals gemacht hast? Sei es eine Lebensentscheidung, oder auch nur etwas Kleines im rasenden Alltag.. Ich habe es zugelassen, dass mir die Frau ein rosa Fliegenhäubchen anzieht. Leider ist es jetzt von ganz allein kaputtgegangen 😉
9. Welcher Mensch hat Dich am Meisten beeindruckt in Deinem Leben und warum? Frau Reitlehrerin. Die kann es einfach. Sie hat ein Superhändchen für Pferde und Menschen.
10. Was macht Dich glücklich? Grasessen. Auch wenn die Frau sagt, dicke Pferde kriegen Hufrehe. Dick? Iiiiich? Und wenn ich eine Freundin habe.
11. Wenn eine gute Fee Dir drei Wünsche erfüllen würde, welche wären das? Ich hätte gern Möhren. Und ich würde mir wünschen, dass die Menschen ihre Pferde nicht mehr als Sportgeräte sehen und es allen Menschen und Tieren gut geht. Das waren erst zwei Wünsche, oder? Dann wünsch ich mir sicherheitshalber noch mal Möhren.

Danielas Meine entzückende Prada, die mit mir auf eine einsame Insel ziehen würde, möchte auch noch das ein oder andere wissen. Hier ihre Fragen und meine Antworten:

1) Magst du lieber Sand, Schlamm, Erde,… zum ausgiebig darin wälzen? Ja, in dieser Reihenfolge 🙂
2) Bist du kinderlieb? Wenn die mitgebrachten Möhren alle sind, nicht mehr. Die zappeln mir zu doll rum.
3) Was findest du besonders toll an deinem Frauchen/Herrchen? Dass sie sich bemüht. Noch toller wäre es allerdings, wenn sie es richtig machen würde 😉
4) Was muss dein Besitzer noch lernen? Viel 🙂 Vor allem müsste sie lockerer und entspannter werden und sich diese komischen ehrgeizigen Ideen mit Wiener Hofreitschule und Dressurqueen aus dem Kopf schlagen 😉 Es wäre auch praktisch, wenn sie endlich lernen würde, sich aufzurichten, ohne sich zu verspannen. Ich soll ja auch locker laufen und keine krampfigen Spanntritte zeigen, oder?
5) Was möchtest du mit dem Blog erreichen? Ich möchte reich und berühmt werden und ungestraft über meine Besitzerin lästern.
6) Wenn du dir was wünschen könntest, was wäre dein größter Wunsch? Möhren. Und eine Freundin.
7) Was für Menschen magst du gar nicht? Dumme, böse Menschen, die uns Tiere schlecht behandeln.
8) Wie würdest du gerne die Welt verändern? Wenn es nach mir ginge, müssten alle nett zueinander sein und zu mir natürlich besonders. Rosa Reitzubehör würde verboten und Mähneschneiden erst recht.
9) Welches Promipferd gefällt dir? Mistral von Alizee Froment. Die beiden können Einerwechsel und überhaupt alles, nur mit Halsring. Und es sieht gar nicht nach Arbeit aus!
10) Was ist dir wichtig? Dass alles seinen geordneten Gang geht und ich im Mittelpunkt stehe. Wie es sich gehört 🙂
11) Träumst du nachts? Ich träume sogar tagsüber 😉 Ich habe ein seltenes Talent für Sekundenschlaf entwickelt. Das ist vor allem im Reitunterricht nützlich, wenn die Frau wieder Knoten in allen Körperteilen hat.

Ich nominiere:

Die Schatzen
Claudia von Ein Leben ohne Hund und Pferd geht – ist aber sinnlos
Bettina vom Dressurpferdblog
Christiane von DosiNews
Das Landei

Meine nicht mehr ganz so neuen Fragen:

Ich fand meine Fragen vom letzten Mal ziemlich toll, also nehm ich die einfach nochmal. Schließlich bin ich Freizeitpferd und darf mich nicht überarbeiten.

Was hältst du von der Farbe Rosa?
Und wie ist es mit Beere?
Magst du Wallache mit zackelig geschnittener Mähne?
Was möchtest du mit deinem Blog erreichen?
Wenn du ein Pferd wärst: Was für eins wärst du?
Wohin würdest du gern reisen?
Was ist dein größter Wunsch?
Welche berühmte Persönlichkeit würdest du gern kennenlernen?
Was ist das wichtigste, das du bisher gelernt hast?
Was müsstest du dir selber viel öfter sagen?
Was würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?

Und hier noch mal die Regeln:

Bedanke dich bei der Person, die dich nominiert hat und verlinke ihren Blog.
Beantworte die 11 Fragen.
Nominiere fünf bis elf Blogger für den Award, die bisher weniger als 1000 Facebook-Fans haben.
Stelle 11 neue Fragen für die Nominierten.
Schreibe die Regeln in deinen Artikel.
Informiere denjenigen, der dich nominiert hat, über deinen Blog-Artikel.

Viel Spaß wünscht Euch

Euer Pfridolin

Kommissar Pfridolin macht Ernst – der Krimi

Kapitel 1

„Guck mal, was ist das denn? Sieht ja voll eklig aus“, sagte ich zu meinem Kumpel Faxe, als uns Oleg, der russische Stallhelfer, von der Weide führte. Für meinen Geschmack viel zu früh, aber „Immer schön auf die Figur achten!“, sagt Dana, meine Besitzerin. Ich nenne sie „die Frau“, weil sie mir meistens eh nicht zuhört, und da ist es dann auch egal. Ich bin übrigens Pfridolin, ein Hannoveraner Wallach im besten Alter. Faxe ist ein Tinker und mein bester Kumpel, auch wenn er mir intellektuell natürlich nicht das Wasser reichen kann. Aber er ist toll flauschig. Das ist auch irgendwie schön und besonders.

Das Eklige war nicht nur der Misthaufen, an dem wir gerade vorbeikamen, sondern vielmehr der Mensch, der kopfüber darin steckte. Mitten im mistigsten Pferdemist. Ralph Reißmann oder RR oder auch Ralph Reißhand ob seiner brutalen Reitweise – man konnte ihn nennen wie man wollte, dadurch wurde es nicht besser. Ein Unsympath durch und durch. Von Beruf Springreiter, der seine Pferde brutal behandelte und auch schon mal vergaß, sie zu füttern. Ich erkannte ihn an seiner Kleidung und natürlich am Geruch, obwohl ich mich aus Prinzip immer bemühe, neben dem Misthaufen möglichst flach zu atmen. Faxe wunderte sich auch.

„Menschen. Was für kranke Ideen die immer haben. Warum macht er das wohl?“ „Warte, ich guck mal, ob ich mehr erkennen kann“, sagte ich und reckte meinen Hals. „Ooooh Gras!“ sagte Faxe, der sich leicht ablenken ließ, und machte sich daran, die drei Hälmchen am Wegesrand zu rupfen.

Alexej, der mit Companero und Konrad hinter uns herkam, musste stehen bleiben. Alexej war Olegs Kollege. Er lachte viel, konnte aber auch toll ausländisch fluchen, und genau das tat er in diesem Moment. Companero, der spanische Schimmel, hatte nämlich die Gelegenheit genutzt, um Konrad zu zwicken, weshalb der jetzt aufgeregt herumhampelte. Ich konnte Companero verstehen – Konrad war eine ganz furchtbare Nervensäge mit einem derart aufgeblähten Ego, dass Totilas neben ihm wie ein Kinderpony wirkte. Konrad war von Beruf Dressurpferd, konnte alles und hatte auch schon alles gewonnen- jedenfalls, wenn man seinen Erzählungen Glauben schenkte. Was wir aus gutem Grund nicht mehr taten.

Jetzt mal unter uns: wie wahrscheinlich war es denn, dass unser doofer, eingebildeter Konrad tatsächlich Dressurweltmeister war? Eben. Sowas glaubten nur die unerfahrenen Jungpferde, unter denen er einige Fans hatte. Gut, er war echt groß und hatte einen super trainierten Body, aber er war definitiv keine Intelligenzbestie.

Ich spähte weiter Richtung Misthaufen, während Faxe sich darum kümmerte, den Wegrand von Gras zu befreien. Olegs Arme wurden lang und länger. Er schimpfte. Das war ja mal wieder typisch für die Menschen – die kriegen nie was mit. Da kann unsereiner noch so sehr kommunizieren, sie sind halt begriffsstutzig. Ich hatte inzwischen festgestellt, dass Ralph Reißmann halb unter dem Pferdemist verborgen war und eher tot als lebendig aussah. Tja. Sollte er mal
gucken, wie er damit klarkam. Faxe und ich setzten uns wieder in Bewegung – es gab ja anscheinend nichts weiter zu sehen. Alexej rief Companero zur Ordnung, und unsere kleine Herde trottete in Richtung Stall.

In der Box angekommen, machte ich es mir erst einmal gemütlich. Gleich würde bestimmt die Frau aufkreuzen, um mich zu reiten oder gar zu longieren. Bis dahin wollte ich eins sein mit dem Universum und ein wenig meditieren.

„Boah, hast du geschnarcht“, sagte eine Stimme direkt neben meinem Ohr. Die Frau. Wenn ich‘s nicht besser gewusst hätte, wäre ich panisch hochgesprungen, aber mittlerweile kenne ich sie und weiß, dass sie meistens ziemlich harmlos ist. Lieb und eigentlich ganz nett, aber oft ein bisschen schwer von Kapee. Wie die Menschen halt so sind. Im Zeugnis würde stehen: „Sie hat sich stets bemüht“, aber mich fragt ja keiner. Also duldete ich es, dass sie mich aus meiner Meditation riss und sich sogar auf meinen Rücken setzte, während ich lag. Das war ein ganz großer Vertrauensbeweis meinerseits und zeigt, was für ein gutmütiger Kerl ich doch bin. Faxe lästerte von nebenan irgendwas über „zu faul zum Aufstehen“, was ich aber souverän ignorierte.

Fortsetzung folgt – wenn ihr mögt 🙂

Mein Liebster Award

Hey cool, ich wurde für meinen ersten Award nominiert! Den Liebster Award. Der wurde extra in rosa für mich hergestellt und erfunden. Das wär aber doch nicht nötig gewesen – ich hätte mich auch über grün oder orange gefreut 😉

Das ist ja jetzt ein bißchen wie Oscar-Preisträger sein. Ganz viel feiern und roter Teppich, aber man trägt auch Verantwortung. Ich finde das nur angemessen sehr großartig und bin auch ein wenig stolz darauf, dass ich nominiert wurde. Ich meine, ich bin doch nur ein wunderschönes, hochintelligentes Pferd. Liebe Mieke – vielen Dank dafür!

Mit dem Liebster Award ist das nämlich so: Weiterlesen

Faxe und der Mann

Der Mann lernt reiten – aber wie!

Bei mir zuhause gibt’s ja nicht nur die Frau, sondern glücklicherweise auch den Mann. Die Frau – ihr kennt sie – ist ein wenig speziell und hat oft ganz kuriose Ansichten, was meine Erziehung unser Zusammensein betrifft. Das macht aber letztlich ihren Charme aus. Und man hat immer was zu lästern 😉

Natürlich hat sie auch ihre Schwächen, und es sind viele. Aber darauf will ich heute gar nicht herumreiten hinaus. Viel wichtiger ist, dass die Frau total mutig ist, wenn sie will. Und hilfsbereit. Und sie hat einen großen Wortschatz. Das sind alles wichtige Eigenschaften, wenn sie mich mal wieder vor Else beschützen muss, weil ich frech zu ihr war 🙂 Wenn der Mann mit im Stall ist, macht es nochmal soviel Spaß. Er ist nämlich furchtlos und unerschrocken und traut sich sogar, die Frau zu ärgern und ihr zu widersprechen! Und er kann mich super am Hals kratzen.

Außerdem reitet er. Meistens auf Faxe, aber manchmal auch auf mir. Das sieht die Frau mit gemischten Gefühlen. Es ist nämlich so, dass die Frau irgendwie schon immer reitet, aber das mehr schlecht als recht. Sie ist ja nicht ganz so jung, wie sie immer tut – gab es in ihrer Kindheit eigentlich schon Ponies oder hatte sie einen kleinen Dinosaurier? Aber ich schweife ab.

Der Mann reitet noch nicht ganz so lange wie die Frau, aber er stellt sich dabei sehr geschickt an. Das wurmt die Frau unendlich. Sie selbst ist ja sitztechnisch nicht so die Granate und bisher war das immer meine Schuld. Weil ich so unbequem wäre und sie immer meinen Kopf mittragen müsste und überhaupt.

Na ja, und wenn der Mann auf mir rumsitzt und so tut, als würde er reiten, sieht das ganz locker-flockig aus. Der Mann existiert einfach nur und wir verstehen uns dabei ganz prima. Ich muss zwar schon so halbwegs das tun, was er will, aber dann ist es auch gut. Er kennt sich nämlich aus mit Gleichgewicht und locker der Bewegung folgen.

Die Frau ist sehr, sehr neidisch, versucht aber, sich das nicht anmerken zu lassen. Wo sie es immer so schwer hat und beim Reiten aber auch gar nix klappen will. Sie findet auch viele gute Gründe dafür, warum der Mann so ein Naturtalent ist. Das läge nämlich an den langen Beinen. Und dem schmalen Becken. Er hätte da unfaire anatomische Vorteile. Und sie will doch so doll gern schön reiten können. Traversalen oder Pirouetten oder mindestens Wiener Hofreitschule. Und graziös dahinschweben.

Es gibt eine nahezu unfehlbare Methode, um sich unglücklich zu machen: Man muss nur ganz doll irgendwas wollen. Das macht ganz schnell schlechte Laune, zusammengebissene Zähne, zornig mahlende Kiefer (erst bei der Reiterin, dann beim Pferd) und ganz allgemein Stress, Krampf und übelstes Rumgewurkse. Der Mann will sowas nicht. Der weiß gar nicht, was die an der Wiener Hofreitschule so alles treiben und wenn, wäre es ihm auch egal. Der Mann will einfach nur atmen. Und reiten.

Insgeheim vertritt er die These, dass das mit dem Reiten ganz einfach ist – man müsste halt nur tun, was Frau Reitlehrerin sagt und dürfte das Pferd nicht stören. Ich glaube, er hat die Frau sehr, sehr lieb, weil er ihr das bisher noch nicht so deutlich gesagt hat 😉

Faxe mit rosa Halfter

Ziemlich beste Pferdefreunde

Ich glaube, ich bin wieder Single. So ganz sicher kann man sich bei den Mädels ja nie sein, aber es gibt gewisse subtile Anzeichen. Und das, obwohl ich immer noch lange Haare habe und die außerdem auch noch offen trage. Obwohl – was heißt schon lang. 15 Zentimeter und man sieht immer noch die Zacken, die mir die Frau beim letzten Mal Frisieren reingeschnitten hat.

Es ist also ganz klar ihre Schuld, dass Rosa mir Stuti entfremdet. Entfremdet, das hört sich so hart an, so grausam, so endgültig. Aber genauso fühlt es sich an, wenn Rosa und Stuti stundenlang hingebungsvoll Fellpflege betreiben und mich keines Blickes würdigen. Ich fühle mich ausgestoßen und diskriminiert.

Was mich ein wenig aufheitert, ist, dass Faxe jetzt auch ein rosa Halfter hat. Ich weiß nicht, ob er damit seine weibliche Seite betonen möchte oder ob es ein Statement ist, um seine Solidarität mit allen rosa eingekleideten Wallachen dieser Welt zu zeigen. Eine Ein- Mann – Pferd-Demo, sozusagen. Bisher habe ich ihn allerdings als eher unpolitisch erlebt. Vielleicht ist seine Besitzerin aber auch einfach nur den Einflüsterungen der Frau erlegen, die auf rosa schwört.

Wie dem auch sei, Faxe möchte nicht darüber sprechen. Das muss er auch nicht. Unter Männern braucht man nämlich nicht viele Worte. Wir beide sind beste Kumpels und haben eine
1 A – Spitzenklasse- Männerfreundschaft. Seit wir uns kennen, sind wir unzertrennlich und meistens meiner einer Meinung.

Es ist ja leider so: Auf die Mädels kann man sich nicht verlassen, auf ihre Launen umso mehr. Wer weiß, ob ich wieder irgendwas Falsches getan oder gesagt habe. Als Else und ich noch zusammen waren, hab ich sogar schon Ärger gekriegt, wenn ich nur was Falsches GEDACHT habe. Das fand ich ein bisschen unromantisch.

An Else habe ich am meisten ihre angenehm weiblichen Formen geschätzt, aber Frauen wollen ja immer nur reden. Wenn ich keine tiefsinnigen Gespräche mit ihr führen wollte, wurde mir das regelmäßig als Manko angekreidet. Als Konrad, das Sportpferd, mir Else ausgespannt hat, war ich insgeheim ein wenig erleichtert. Auch, weil Else absolut humorlos und gleichzeitig sauschnell ist, weshalb es nicht sooo viel Spaß macht, sie zu ärgern. Davon, dass sie mit meinen geistreichen Wortspielen oft überfordert ist, kündet ganz aktuell eine Macke an meinem Hals.

Bei Menschen scheint es anders zu sein. Die Frau hat ein eher robustes Naturell und versteht klare Worte am besten. Mit Andeutungen kann sie nix anfragen. Das hat Frau Reitlehrerin auch schon herausgefunden 😉 Es ist also ein bisschen wie bei Faxe und mir. Bei uns reicht es, wenn man auf der Wiese alle halbe Stunde mal „Jo“ oder „Hm“ sagt. Warum kann es mit den Stuten nicht genauso sein? Immer dieses Reden und diese komplizierten Gefühlsschwankungen.

Die Frau hat mir aber jetzt ein neues Shampoo gekauft, das total lecker riecht, irgendwie süß und nahrhaft. Rosa guckt schon ziemlich interessiert. Liebe geht halt doch durch den Magen und Pferdeshampoo macht romantisch 🙂

Die Frau, die Mähne und ich

Den Sommer über hab ich mir die Haare wachsen lassen und sehe jetzt total männlich aus. Der Stufenschnitt, mit dem mich die Frau – aus Versehen, wie sie behauptet – , bedacht hat, ist kaum noch zu erkennen und alle Mähnenhaare sind länger als 30 20 10 Zentimeter. Ich fühle mich wie ein feuriger Spanier und kann ausdrucksvoll die Mähne schütteln. Stuti und Rosa umschwärmen mich und ich stehe sooooo kurz davor, ein Liebesleben zu bekommen. Sogar Else guckt mich freundlich an. Nicht so Kleiner-Bruder-freundlich, neenee, sondern mit so einem gewissen Glanz in den Augen. Mit einem Wort: Das Leben ist schön 🙂

Ich habe zwar nicht so lange Haare wie Faxe, mein flauschiger Tinkerfreund, oder Companero, der Spanier, aber für meine Verhältnisse sieht es ordentlich verwegen aus. Das betont meine freie und unabhängige Persönlichkeit. Ich spüre richtig, wie sich Testosteron und Temperament entfalten. An solchen Haaren, wie ich sie jetzt habe, wird sich die Schere der Frau die Zähne ausbeißen, wetten?

Ich weiß auch gar nicht, wie sie überhaupt darauf kommt, dass ich frisiert werden muss. Immer dann, wenn ich nicht mehr wie ein muskulöses, minderjähriges Plüschtier aussehe, sondern eine kernig unrasierte Ausstrahlung bekomme, wird sie unruhig und behauptet, bei einem Warmblut sähe eine Zottelmähne schäbig aus. Ich finde das nicht. Ich finde eine putzig krumm und schief abgesäbelte Mähne auch nicht gepflegt oder sportlich, sondern lächerlich. Vor allem macht mich sowas 10 Jahre jünger und Else und die anderen Stuten behandeln mich dann immer wie ein überdimensioniertes Fohlen. Wenn sie nicht gerade alle über mich lachen. Ehrlich, so gruppendynamische Prozesse find ich total überflüssig.

Abgesehen davon, dass das Ergebnis eigentlich auch nur die Frau überzeugt – und manchmal noch nicht einmal sie – ist Mähneschneiden ein zutiefst unwürdiger Vorgang, der nur deshalb stattfinden kann, weil die Frau mit Verziehmesser oder Mähnenkamm nicht umgehen kann. Eigentlich ist das auch gut so, weil Mähne mit dem Kamm verziehen ganz schön doof ist. Da werden einem Mähnenhaare ausgerissen, einfach so. Um den Kamm gewickelt, kräftig gezogen und – weg. Weil die angeblich über sind. Das tut eigentlich nicht weh, dauert aber tagelang ewig. Nachdem ich der Frau dabei zufällig ein paarmal auf die Füße getreten bin, hat sie allerdings schnell damit aufgehört. Die nächste Station war ein Verziehmesser. Das hat nicht so geziept und sah auch nicht so Pottschnitt-mäßig aus, sie hat sich dabei aber regelmäßig selbst verstümmelt. Aus unerfindlichen Gründen Deshalb wanderte das Verziehmesser dann auch schnell in die Mülltonne.

Tja, und seitdem habe ich es mit der Schere, ihrem Knick in der Optik und ihrem unterentwickelten Sinn für Pferdeschönheit zu tun. Man nennt das wohl verhaltenskreativ. Ich hoffe, es dauert noch ein bisschen, bis ich das nächste Mal höre: „Ups! Na, das wächst ja schnell wieder nach.“ 😉