Faxe und der Mann

Der Mann lernt reiten – aber wie!

Bei mir zuhause gibt’s ja nicht nur die Frau, sondern glücklicherweise auch den Mann. Die Frau – ihr kennt sie – ist ein wenig speziell und hat oft ganz kuriose Ansichten, was meine Erziehung unser Zusammensein betrifft. Das macht aber letztlich ihren Charme aus. Und man hat immer was zu lästern 😉

Natürlich hat sie auch ihre Schwächen, und es sind viele. Aber darauf will ich heute gar nicht herumreiten hinaus. Viel wichtiger ist, dass die Frau total mutig ist, wenn sie will. Und hilfsbereit. Und sie hat einen großen Wortschatz. Das sind alles wichtige Eigenschaften, wenn sie mich mal wieder vor Else beschützen muss, weil ich frech zu ihr war 🙂 Wenn der Mann mit im Stall ist, macht es nochmal soviel Spaß. Er ist nämlich furchtlos und unerschrocken und traut sich sogar, die Frau zu ärgern und ihr zu widersprechen! Und er kann mich super am Hals kratzen.

Außerdem reitet er. Meistens auf Faxe, aber manchmal auch auf mir. Das sieht die Frau mit gemischten Gefühlen. Es ist nämlich so, dass die Frau irgendwie schon immer reitet, aber das mehr schlecht als recht. Sie ist ja nicht ganz so jung, wie sie immer tut – gab es in ihrer Kindheit eigentlich schon Ponies oder hatte sie einen kleinen Dinosaurier? Aber ich schweife ab.

Der Mann reitet noch nicht ganz so lange wie die Frau, aber er stellt sich dabei sehr geschickt an. Das wurmt die Frau unendlich. Sie selbst ist ja sitztechnisch nicht so die Granate und bisher war das immer meine Schuld. Weil ich so unbequem wäre und sie immer meinen Kopf mittragen müsste und überhaupt.

Na ja, und wenn der Mann auf mir rumsitzt und so tut, als würde er reiten, sieht das ganz locker-flockig aus. Der Mann existiert einfach nur und wir verstehen uns dabei ganz prima. Ich muss zwar schon so halbwegs das tun, was er will, aber dann ist es auch gut. Er kennt sich nämlich aus mit Gleichgewicht und locker der Bewegung folgen.

Die Frau ist sehr, sehr neidisch, versucht aber, sich das nicht anmerken zu lassen. Wo sie es immer so schwer hat und beim Reiten aber auch gar nix klappen will. Sie findet auch viele gute Gründe dafür, warum der Mann so ein Naturtalent ist. Das läge nämlich an den langen Beinen. Und dem schmalen Becken. Er hätte da unfaire anatomische Vorteile. Und sie will doch so doll gern schön reiten können. Traversalen oder Pirouetten oder mindestens Wiener Hofreitschule. Und graziös dahinschweben.

Es gibt eine nahezu unfehlbare Methode, um sich unglücklich zu machen: Man muss nur ganz doll irgendwas wollen. Das macht ganz schnell schlechte Laune, zusammengebissene Zähne, zornig mahlende Kiefer (erst bei der Reiterin, dann beim Pferd) und ganz allgemein Stress, Krampf und übelstes Rumgewurkse. Der Mann will sowas nicht. Der weiß gar nicht, was die an der Wiener Hofreitschule so alles treiben und wenn, wäre es ihm auch egal. Der Mann will einfach nur atmen. Und reiten.

Insgeheim vertritt er die These, dass das mit dem Reiten ganz einfach ist – man müsste halt nur tun, was Frau Reitlehrerin sagt und dürfte das Pferd nicht stören. Ich glaube, er hat die Frau sehr, sehr lieb, weil er ihr das bisher noch nicht so deutlich gesagt hat 😉

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13 Gedanken zu „Der Mann lernt reiten – aber wie!

  1. Sophie Chevalie

    Pfridolin, Du bist ein wirklich kluges Pferd! Die Frau muss da bestimmt ganz schön dran knabbern, wenn der Mann das einfach so lockerflockig hinbekommt. Aber ich glaube Du hast mit Deinem Scharfsinn (da kommt wieder der Detektiv durch) ganz richtig erkannt, dass wir Menschen und nur allzu oft selbst im Weg stehen. Wahrscheinlich ist genau das das Geheimnis des Mannes: Er will nix als das was er da gerade tut. Er ist nicht beschäftigt mit dem wie es aussehen sollte (und damit, dass es eben nicht so aussieht), sondern genießt den Augenblick.Klasse! Ich hoffe die Frau kann sich das ein bisschen abgucken (und ich auch)! ;D

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  2. diemanuela

    Lieber Pfridolin, du hast ja wirklich echt Glück mit dem Mann. Was ja auch keine Wunder ist. Das ist wie mit den Männerfreundschaften, oder so…
    Unser Fixi ist ja auch schwer auf seinen Futtermann fixiert und findet grundsätzlich gut was der macht. Ich widerspreche als gute Futterfrau von Fixi und Göttergättin des Futtermannes natürlich nicht, weil: Fixi hat immer Recht.
    Die Frau muss einfach nur locker an alles rangehen, dann klappt das auch mit dem „Schön im Sattel sitzen* usw. – und mal ehrlich: Hofreitschule ist ja schon toll, aber muss man nicht unbedingt als Ziel haben. Weil, da wird die Frau noch gaaaaaaaaaaaanz lang üben müssen, schätze ich. Und ob sie das will und du das aushältst, ist dann die große Frage 😉
    Hauptsache ist doch, die Frau liebt dich und gibt sich weiterhin Mühe und macht schön das, was Frau Reitlehrerin sagt. Das seid icht beide glücklich und es gibt keinen Stress und zornig mahlende Kiefer auf beiden Seiten.
    In diesem Sinne wünsche ich dir, der Frau und dem Mann einen schönen Abend und reiche dir noch nen Apfel und ne Möhre 🙂
    Aloha, Manuela

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    1. pfridolinpferd Autor

      Ja, so ein bisschen männliche Solidarität ist Balsam für meine kleine Ponyseele. Außerdem hat der Mann viele Taschen mit Leckerchen drin. Das macht vielleicht auch einen Teil seiner ungewöhnlichen Anziehungskraft aus 😉 Vielen Dank für das Betthupferl, Else guckt schon ganz neidisch 🙂

      LG auch an Herrn Idefix,
      Dein Pfridolin

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  3. Nina Brinkmann

    Lieber Pfridolin! Wir kennen uns nicht und ich kenne auch „die Frau“ nicht, aber mir scheint, dass die Frau sich selbst ein bisschen zu schlecht dastehen lässt. Ich habe den Eindruck, dass sie eine tolle, einfühlsame, großmütige und sehr selbstkritische Frau ist. Und das sind ganz großartige Voraussetzungen um einen Pfridolin glücklich zu machen. Ich denke Du kannst sehr froh sein, dass Du so eine „Frau“ hast, die so toll über Dich und den „Mann“ denkt. Die Frau hat ein ganz großes Herz! Sei‘ ein bisschen gnädig mit ihr, sie bemüht sich sehr, für Dich alles richtig zu machen oder es zu lernen! Und den größten Schritt, nämlich die Selbsterkenntnis, hat sie schon gemacht! Viele liebe Grüße! Nina

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    1. pfridolinpferd Autor

      Liebe Nina,

      sorry, ich war so beschäftigt mit Grasessen, dass ich mich gar nicht um meine Post gekümmert habe. *öhrchenhängenlass* Verzeihst du mir?
      Du bist ja ein netter Mensch, das erkenne ich daran, wie du über die Frau schreibst 😉 Sicher, sie bemüht sich, aber manchmal übertreibt sie es wirklich – ich denke da nur an ihre Rosa-Exzesse und meine Frisur. Du musst sie also nicht in Schutz nehmen, sie hat das manchmal wirklich verdient 😉

      Liebe Grüße
      dein Pfridolin

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  4. tanja

    Kannst du der Frau was für mich ausrichten, bitte? Sie sollte sich überlegen, vielleicht Ponys anzuschaffen… Zum spazieren gehen und so. Und dann den Mann bitten, auch ein Pony zu führen. Da nämlich ist dann sie im Vorteil: sie und ihr Pony sehen zuckersüß aus (und sie kann auch bestimmt hübscher gehen als der Mann). Der Mann an der Leine des anderen Ponys aber wird dann eher belächelt 😀

    *Möhre aus der Tasche zieh und dir unauffällig hinhalt*

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    1. pfridolinpferd Autor

      Oh ja, sehr gerne 🙂 Dann hab ich endlich auch ein Shetty und kann mit durch die Wälder hüpfen wie ein Verrückter spazierengehen. Wenn der Pony und ich traurig genug gucken, bleiben bestimmt auch die Spaziergänger stehen und bedauern uns. Und suchen das Gespräch mit der Frau, so dass sie sich wichtig fühlen kann 😉
      Guckt jemand? Nein?

      *Möhre wegrupf*

      Dankeee 🙂

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