Kommissar Pfridolin macht Ernst – der Krimi

Kapitel 1

„Guck mal, was ist das denn? Sieht ja voll eklig aus“, sagte ich zu meinem Kumpel Faxe, als uns Oleg, der russische Stallhelfer, von der Weide führte. Für meinen Geschmack viel zu früh, aber „Immer schön auf die Figur achten!“, sagt Dana, meine Besitzerin. Ich nenne sie „die Frau“, weil sie mir meistens eh nicht zuhört, und da ist es dann auch egal. Ich bin übrigens Pfridolin, ein Hannoveraner Wallach im besten Alter. Faxe ist ein Tinker und mein bester Kumpel, auch wenn er mir intellektuell natürlich nicht das Wasser reichen kann. Aber er ist toll flauschig. Das ist auch irgendwie schön und besonders.

Das Eklige war nicht nur der Misthaufen, an dem wir gerade vorbeikamen, sondern vielmehr der Mensch, der kopfüber darin steckte. Mitten im mistigsten Pferdemist. Ralph Reißmann oder RR oder auch Ralph Reißhand ob seiner brutalen Reitweise – man konnte ihn nennen wie man wollte, dadurch wurde es nicht besser. Ein Unsympath durch und durch. Von Beruf Springreiter, der seine Pferde brutal behandelte und auch schon mal vergaß, sie zu füttern. Ich erkannte ihn an seiner Kleidung und natürlich am Geruch, obwohl ich mich aus Prinzip immer bemühe, neben dem Misthaufen möglichst flach zu atmen. Faxe wunderte sich auch.

„Menschen. Was für kranke Ideen die immer haben. Warum macht er das wohl?“ „Warte, ich guck mal, ob ich mehr erkennen kann“, sagte ich und reckte meinen Hals. „Ooooh Gras!“ sagte Faxe, der sich leicht ablenken ließ, und machte sich daran, die drei Hälmchen am Wegesrand zu rupfen.

Alexej, der mit Companero und Konrad hinter uns herkam, musste stehen bleiben. Alexej war Olegs Kollege. Er lachte viel, konnte aber auch toll ausländisch fluchen, und genau das tat er in diesem Moment. Companero, der spanische Schimmel, hatte nämlich die Gelegenheit genutzt, um Konrad zu zwicken, weshalb der jetzt aufgeregt herumhampelte. Ich konnte Companero verstehen – Konrad war eine ganz furchtbare Nervensäge mit einem derart aufgeblähten Ego, dass Totilas neben ihm wie ein Kinderpony wirkte. Konrad war von Beruf Dressurpferd, konnte alles und hatte auch schon alles gewonnen- jedenfalls, wenn man seinen Erzählungen Glauben schenkte. Was wir aus gutem Grund nicht mehr taten.

Jetzt mal unter uns: wie wahrscheinlich war es denn, dass unser doofer, eingebildeter Konrad tatsächlich Dressurweltmeister war? Eben. Sowas glaubten nur die unerfahrenen Jungpferde, unter denen er einige Fans hatte. Gut, er war echt groß und hatte einen super trainierten Body, aber er war definitiv keine Intelligenzbestie.

Ich spähte weiter Richtung Misthaufen, während Faxe sich darum kümmerte, den Wegrand von Gras zu befreien. Olegs Arme wurden lang und länger. Er schimpfte. Das war ja mal wieder typisch für die Menschen – die kriegen nie was mit. Da kann unsereiner noch so sehr kommunizieren, sie sind halt begriffsstutzig. Ich hatte inzwischen festgestellt, dass Ralph Reißmann halb unter dem Pferdemist verborgen war und eher tot als lebendig aussah. Tja. Sollte er mal
gucken, wie er damit klarkam. Faxe und ich setzten uns wieder in Bewegung – es gab ja anscheinend nichts weiter zu sehen. Alexej rief Companero zur Ordnung, und unsere kleine Herde trottete in Richtung Stall.

In der Box angekommen, machte ich es mir erst einmal gemütlich. Gleich würde bestimmt die Frau aufkreuzen, um mich zu reiten oder gar zu longieren. Bis dahin wollte ich eins sein mit dem Universum und ein wenig meditieren.

„Boah, hast du geschnarcht“, sagte eine Stimme direkt neben meinem Ohr. Die Frau. Wenn ich‘s nicht besser gewusst hätte, wäre ich panisch hochgesprungen, aber mittlerweile kenne ich sie und weiß, dass sie meistens ziemlich harmlos ist. Lieb und eigentlich ganz nett, aber oft ein bisschen schwer von Kapee. Wie die Menschen halt so sind. Im Zeugnis würde stehen: „Sie hat sich stets bemüht“, aber mich fragt ja keiner. Also duldete ich es, dass sie mich aus meiner Meditation riss und sich sogar auf meinen Rücken setzte, während ich lag. Das war ein ganz großer Vertrauensbeweis meinerseits und zeigt, was für ein gutmütiger Kerl ich doch bin. Faxe lästerte von nebenan irgendwas über „zu faul zum Aufstehen“, was ich aber souverän ignorierte.

Fortsetzung folgt – wenn ihr mögt 🙂

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19 Gedanken zu „Kommissar Pfridolin macht Ernst – der Krimi

    1. pfridolinpferd Autor

      Ich mag aber so Sachen mit viel Blut und abben Körperteilen nicht. Es wird ein typisch pfridolinesker, nervenzerfetzender Schocker – also ein Buch, nach dessen Lektüre sich auch sensible Gemüter problemlos schlafen legen können 🙂 Ich hoffe, du magst sowas auch?

      Gefällt 1 Person

      Antwort
  1. Christiane

    Dein Krimi verspricht ein Knaller zu werden. Ich würde sofort weiterlesen, wenn es denn möglich wäre. Wilde Spekulationen zirkulieren in meinem Kopf. Aber ich habe noch zu wenig Fakten um eine Lösung anzubieten. Im Moment tippe ich auf ein Rachemotiv. Vielleicht war das Springpferd von RR nicht so doof wie Konrad?
    gespannte Grüße
    Christiane

    Gefällt 2 Personen

    Antwort
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