Der Krimi – Kommissar Pfridolin ermittelt weiter (Teil 2)

Hier gehts zu Teil 1.

Irgendwann erhob ich mich dann majestätisch und nahm anmutig die Möhre entgegen, die die Frau mir anbot. Sie erklärte mir mit glänzenden Augen, dass wir ausreiten wollten.

Ich bin ja generell ein großer Freund von Ausflügen, aber bisher war die Freude immer ziemlich einseitig gewesen, vor allem, wenn die Frau meine Entscheidungen hinsichtlich Streckenführung und Geschwindigkeit kritisiert hatte. Wahrscheinlich war sie wieder an den Beruhigungskräutern in der Futterkammer, davon wird man nämlich verwegen und entspannt.

Soso, wir wollen ausreiten. Und wer soll mich vor den Gespenstern und wilden Tieren da draußen beschützen – du etwa?, dachte ich und vernahm erleichtert, dass Faxe und seine Besitzerin mitkommen würden. Prima, dann würde der Dicke zuerst gefressen 🙂

Man muss das verstehen, in der Natur geht es grausam zu. Faxe würde genauso denken und bei einer panischen Flucht –ok, wir sprechen von Faxe. Faxe würde, falls sich seine Reiterin beim gemächlichen Wegtraben vor einer Gefahr nicht mehr im Sattel halten könnte, erst noch ihre sämtlichen Jacken- und Hosentaschen auf eventuelle Leckerli untersuchen, bevor er die wilde Flucht fortsetzt. Und zwar gemächlich von Grasbüschel zu Grasbüschel. So böse ist es draußen in der Wildnis.

Inzwischen war auch Melanie, Faxes Besitzerin, im Stall angekommen und schleppte Putzzeug und Sattel zu Faxes Box. Glücklicherweise ahnte sie nichts von Faxes und meinen Gedanken und hielt uns für harmlose, flauschige Freunde (Faxe) beziehungsweise sympathische Freizeitpferde (mich). „Hey Dana, bist du schon lange da? Oder wohnst du jetzt in der Box? Ist für ein Doppelzimmer eigentlich groß genug, wenn du ein bisschen abnimmst“, lästerte sie. Damit konnte sie nur Dana gemeint haben. Ich bin nämlich ein Barockpferd, das muss einen tiefen Schwerpunkt haben. Von wegen dick.

Die Frau zog sich den Schuh aber nicht an und machte Melanie freundlicherweise darauf aufmerksam, dass auch Faxe nicht der Schlankste war. „Ich weiß. Er kriegt auch eigentlich kaum Futter. Aber manchmal guckt er so traurig, dass ich ihm gar nicht widerstehen kann. Er ist einfach unglaublich leichtfuttrig. Bei ihm setzt alles sofort an“, versuchte sich Melanie zu rechtfertigen.

Ja, Faxe war ein Meister des traurigen Blicks. Jeder Golden Retriever wäre neidisch auf ihn gewesen. Außerdem konnte er Boxen- und andere Türen öffnen, Knoten lösen und sogar ein bisschen lesen, was ganz praktisch war, wenn man Säcke aufreißen wollte und nicht sicher war, ob da Hafer oder Zement drin war. Glücklicherweise hatte er einen widerstandsfähigen Magen und bisher weder Kolik oder Hufrehe gehabt. Nach seinen ersten erfolgreichen Aus- und Einbruchsversuchen hatte sich unsere Futterkammer allerdings in einen Hochsicherheitstrakt verwandelt. Schade.

Während Dana und Melanie uns vor unseren Boxen anbanden und putzten (Jaaaa, kratz mich da – nein, mehr rechts – jetzt weiter oben!), kam Kiki, die Reitlehrerin, in die Stallgasse. Sie war für einen Menschen erschreckend pfiffig und verstand sogar sehr viel von dem, was Faxe und ich sagten. „Hat einer von euch vielleicht Blacky gesehen? Oder Ralph?“ Hatten Melanie und die Frau natürlich nicht, die waren ja grade erst in den Stall gekommen und hatten sich vorschriftsmäßig nur um ihre Pferde gekümmert.

„Ach, ist unser Ausbrecherkönig wieder unterwegs?“ Blacky, das schneeweiße Minishetty, hatte einen ausgeprägten Freiheitsdrang. Wegen seiner geringen Größe passte es unter den meisten Weidezäunen durch, ohne sich zu bücken. Faxe war zwar auch gelenkig, wenn es um Grashalme auf der anderen Seite des Zauns ging, aber Blacky war einfach unschlagbar und sein heimliches Vorbild. „Ja, dem war es wohl zu langweilig auf der Wiese. Vielleicht hat Ralph ihn ja gefunden.“ „Sein spezieller Freund? Ich glaube nicht, dass sich Blacky von Ralph einfangen lässt. Er scheint ihn nicht zu mögen“, erwiderte Dana. „Das wundert mich gar nicht, und es beruht auf Gegenseitigkeit. Ralph kann es schon nicht verstehen, dass sich jemand so ein Tier anschafft. Noch dazu eins, das zu nix gut ist, wie er immer sagt.“

Ein Sturm der Entrüstung folgte. Dana und Melanie fanden Blacky nämlich großartig. Er gehörte Marie, die auch Companero, meinen spanischen Boxennachbarn, ihr Eigen nannte. Sie hatte ihn von einer Tierschutzorganisation bekommen, die ihn völlig abgemagert und krank aus schlechter Haltung gerettet hatte. Jetzt genoss er das Leben in vollen Zügen. Marie hatte angefangen, ihm Kunststücke beizubringen, und wollte ihn später am langen Zügel ausbilden. Dana und Melanie stellten sich das spektakulär vor – Companero, der spanische Schimmel, und Blacky, das kleine weiße Minishetty, in prunkvoller barocker Zäumung. Wenn der kleine Kerl denn mal da bliebe, wo man ihn hinstellte.

„Schon gut, war doch nur Spaß. Ich finde ihn ja genauso toll wie ihr“, rechtfertigte sich Kiki. „Apropos finden: Wo stecken die beiden denn nur? Ralph und ich waren ja eigentlich verabredet und wollten ein Pferd angucken fahren. Ich such dann mal weiter.“ Sie verschwand um die Ecke.

Fortsetzung folgt 🙂

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5 Gedanken zu „Der Krimi – Kommissar Pfridolin ermittelt weiter (Teil 2)

  1. Christiane

    Oh, spannend. Es geht weiter. Neue Tatverdächtige betreten die Bühne. Aber kann so ein putziges Shetty kriminelle Energien entwickeln? Na gut – Ausbrecherkönig ist es ja wohl schon. Ich bin sicher, Du und Faxe,Ihr werdet schon Licht ins Dunkel bringen.
    LG Christiane

    Gefällt 1 Person

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  2. Pingback: Kommissar Pfridolin immer noch auf Verbrecherjagd (Teil 3) | pfridolinpferd

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