Die Frau kauft sich ein langes Bein

Das mit dem langen, ruhigen Bein macht der Frau schon länger zu schaffen. Also dass sie keines hat, meine ich natürlich 😉

Zum einen sieht es auf den Videos und Fotos, zu deren Anfertigung sie den Mann nötigt, nicht schön aus, zum anderen klappt’s halt auch mit dem Reiten nicht so gut, wenn man ständig treibt und mit dem Bein herumwackelt. Auch Frau Reitlehrerin meint, es wäre ungünstig, wenn man dauernd den Absatz hochzieht und sich damit den Sitz versaut. Außerdem würden Pferde es ja bekanntlich auch mitbekommen, wenn eine Fliege auf ihnen herumkrabbelt, da müsste man also logischerweise davon ausgehen, dass ihnen ein ständig treibender Schenkel kolossal unangenehm ist (Thema Losgelassenheit und so). Von daher wäre jedes Pferd sensibel am Schenkel. Wenn man es nur lässt.

Habe ich euch schon erzählt, dass Frau Reitlehrerin toll ist? Ja, habe ich schon? Ich dachte, ich hätte es vielleicht vergessen.

Die Frau findet natürlich, dass ihr unruhiger Sitz meine Schuld ist. Ich wäre so unbequem und würde auch nicht vorwärtsgehen. Dabei verschweigt sie aber, dass wir intern mal die Abmachung getroffen hatten, dass ich möglichst langsam auf dem Reitplatz herumeiere, damit sie sich nicht so doll am Zügel festhalten muss und ich bloß keine schwungvollen Gänge entwickele, weil dieser schreckliche Schwung ja so anstrengend zu sitzen ist. (Übrigens habe ich gehört, dass man dafür Bauchmuskeln braucht. )

Mal ganz ehrlich: Warum soll ich mir das Leben schwermachen und freudigen Vorwärtsdrang zeigen, wenn ich doch nur mit dem Zügel im Maul gestört werde? Eben, das macht man ein paarmal und findet dann Alternativen 😉

Frau Reitlehrerin ist glücklicherweise ganz meiner Meinung. Zum einen wäre das Festhalten am Zügel verdammungswürdig, zum anderen würde sich die Frau durch ihre Herumwackelei jegliche Möglichkeit der zielgerichteten, feinen Einwirkung nehmen. Was eigentlich schade ist, denn sie würde so gern Piaffe Passage halbwegs nett reiten können.

Was also tun? Frau Reitlehrerin vertritt die Ansicht, a) die Frau sollte weiter Bauchmuskeltraining machen und b) das Bein sollte locker herunterhängen. Dann sähe es optisch schon mal länger aus. Und jetzt locker nach unten durchfedern. Locker, locker, locker. Das Bein wäre nämlich nicht zum Treiben da, sondern zum Beispiel für die Biegung. Echt jetzt? Die Frau will das nicht glauben. Man müsste doch mit dem Schenkel treiben? Ja schon, aber nicht mit dem hochgezogenen Absatz. Die Frau fühlt sich ertappt, traut sich aber nicht zu widersprechen und setzt stattdessen einen fragenden Blick auf.

Frau Reitlehrerin versteht und erklärt das mit den treibenden Hilfen nochmal ganz genau. Man würde nämlich einmal leicht mit der flachen Wade drücken, bis Pferd und Reiter in der gewünschten Gangart sind. Danach wäre es die Aufgabe des Pferdes, das Tempo beizubehalten. Das hört sich nach Arbeit an. Ich bin kurzfristig entsetzt.

Zur Not hätte die Frau ja eine Gerte dabei, mit der man das Pferd (mich!) mit zunehmender Intensität touchieren könnte. An diesem Punkt ihrer Ausführungen habe ich Frau Reitlehrerin nicht mehr ganz so lieb.

Der Pfridolin wäre ja so ein kluges, sensibles Tier, sagt sie, während sie mich in die Bahnmitte bittet und krault. So ein wunderbares Pferd wäre ich, dass ich dieses System sofort verstehen würde, so dass die Frau schon mit einem leichten Touchieren den gewünschten Effekt hätte. Ich nicke geschmeichelt. Jaja, klug und sensibel, das stimmt schon. Und wenn dafür die ständige Absatzbohrerei in meinem Bauch aufhört, ist es ja eigentlich doch keine so schlechte Idee.

Weil die Frau sich weigert, ihre Beine entspannt runterhängen zu lassen, zieht Frau Reitlehrerin ein bisschen daran herum und dreht ihr die Oberschenkel so ein, dass die Beine mit der flachen Wade an mir anliegen. So, und jetzt damit einmal leichten Druck ausüben – fertig. Wie – mehr nicht?, fragt die Frau. Nee, mehr Kraft bräuchte man da nicht. Und wenn der kluge, sensible Pfridolin darauf nicht reagieren würde, könnte die Frau ihn leicht mit der Gerte touchieren und dann – siehe oben. Ich habe genug gehört und setze mich in Bewegung. Die Frau jubelt, Frau Reitlehrerin grinst.

Das hat die Frau sehr beeindruckt. Um aber auf Nummer Sicher zu gehen und weil sie gern shoppen geht, mussten jetzt neue Reitstiefel her, und zwar möglichst hohe und möglichst enge, wegen der schicken Dressuroptik. Die alten Stiefel wären schon oll und ausgeleiert, da wäre es ja kein Wunder, wenn nix klappt und das Bein so furchtbar wackelt.

Jetzt hat die Frau sehr elegante Dressurstiefel, in denen sie ihre Beine nicht bewegen kann – also insofern Ziel erreicht. Leider kann sie damit außer Rumsitzen auch nicht viel tun, geschweige denn Herumlaufen, weil die Stiefel so wunderbar neu und unbequem sind. Aber das würde sie niemals zugeben. Sie sagt dann immer, sie würde die neuen Stiefel schonen 😉

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16 Gedanken zu „Die Frau kauft sich ein langes Bein

  1. Tanja

    Jaja… ich hab ja vor kurzem gehört, dass ich mit dem Knie klemme :O dabei war ich immer der Meinung, mein Knie is voll locker und so… insofern, armes Ding, die Frau.. ich halt mich auch ran jetzt wieder, wenn man nämlich nicht mim Beinchen klemmt, kann man sogar den Pony ordentlich reiten 😀 Gut, dass ich das mit den Zügeln wenigstens gecheckt hab… *Möhre ableg*

    Liebe Grüße von der Ponybande soll ich ausrichten 🙂

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    1. pfridolinpferd Autor

      Die Frau meint, das wäre eine weltweite Verschwörung der Reitlehrerinnen. Ich sag dazu ausnahmsweise mal nix, weil ich nämlich gerade deine Möhre esse 🙂

      Liebe Grüsse zurück. Vielleicht können der Pony und ich demnächst mal übers Menschenlongieren sprechen?

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  2. Diva

    Du wirst mir immer symphatischer lieber Pfridolin , owohl ich Gäule eigentlich nicht mag , lieb ich dich immer mehr! Ich merke , du hast ach den ein oder anderem Kampf mit deiner Frau! Menschen….die kapieren eh nix!
    Liebe Grüsse Diva

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    1. pfridolinpferd Autor

      Ich bin aber doch auch ein charmantes Kerlchen, oder? Obwohl ich immer so ein Pech habe. Stell dir vor, die rosa Schabracke ist in der Wäsche eingelaufen. Jetzt muss die Frau andersfarbiges Zubehör für mich nehmen 😀 Vielleicht denkst du ja mal an mich, wenn du auf deiner andersfarbigen Couch sitzt 🙂

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  3. Pferdeflüsterei

    Neulich bekam ich den Hinweis, dass ich die Oberschenkel lockerer lassen soll und ich dachte immer, die wären locker. Grmpf! Also habe ich geschlackert und gelockert, was das Zeug hielt und dann kam immer noch der Ruf von der Mitte: „Lockerer, Lockerer, Lockerer!“ Ich geschlackert, ha! Ruf von der Bande: „Loooockerer!“ Ich wieder locker geshaked (also aus meiner Sicht). Das Ergebnis: Ruf von der Bande: „Looooocker!“ Du ahnst, wie die Stunde weiterging 😉 Also an dieser Stelle bitte liebe Grüße an die Frau – wenn die ,magischen (schicken) Reitsiefel tatsächlich funktionieren sollte, muss sie mir unbedingt die Marke verraten. 🙂 P.S.: Herzchengrüße von Deiner Fernverlobten!

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    1. pfridolinpferd Autor

      Oh wie wunderbar 🙂 Das mit der Fernverlobten, meinte ich. Das mit den Menschenbeinen scheint ja tatsächlich tragisch und eine kniffelige Angelegenheit zu sein. Die Frau meint, sobald sie sich darin ohne Schmerzen bewegen kann, wird sie die Reitstiefelmarke verraten. Aber dann hat sie kein ruhiges Bein mehr, wetten? 😉 Wahrscheinlich erfüllt ein Gips denselben Zweck, sieht aber nicht halb so kleidsam aus.

      Mach es einfach so wie der Mann. Bei dem klappt es von ganz allein.

      Liebe Grüße
      Dein Pfridolin

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      1. Pferdeflüsterei

        Verrückt, das muss so ein Männerding sein. Das mit dem Abstand halten beim Führen zum Beispiel, klappt bei meinem Mann super (obwohl er noch kein einziges Fachbuch gelesen hat) und ich muss immer wieder darauf achten (obwohl sich die Fachbücher bei mir stapeln)… Liebe Grüße, Petra P.S.: Meinst Du an dem Thema Stutenbissigkeit ist etwas dran? …nur weil ich ja eine Stute habe und Du und der Mann so gut klar kommt und der Umkehrschluss wäre ja dann, dass die Kleine und ich uns gegenseitig beissen und das möchte ich eigentlich nicht so gerne

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      2. pfridolinpferd Autor

        Ich mag ja nicht alle Männer – frag mal die diversen Herren Schmiede, die schon mit mir das Vergnügen hatten – , aber der spezielle Mann, der zur Frau gehört, ist schon sehr OK. Der ist halt nett und hat die Ruhe weg. Und immer was Leckeres dabei 🙂 Ich vermute, er hat die Frau mit derselben Technik angelockt.

        Zu deiner Frage: Beisst du denn die anderen Pferde, mit denen du zu tun hast? Nayla, Dazzy und Sassou?

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  4. Christiane

    Die Frau hat es aber auch nicht leicht. So viele verwirrende Angaben von höchster Stelle. Und dazu noch aufpassen, dass man nicht vom Pferd katapultiert wird. Gut, dass ihr euch auf langsame bedächtige Bewegungen geeinigt habt. Mein Traber hat sich seinerzeit nicht drauf eingelassen, meinte, auf der Rennbahn hätte man ihm das anders erzählt.
    Schicke enge Stiefel heben das Selbstbewusstsein. Diese Phase hatte ich schnell hinter mir, als ich mit den Teilen einmal zu Fuß nach Hause gelaufen bin. Aua, sage ich nur 😉
    LG Christiane

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    1. pfridolinpferd Autor

      Stimmt, die Frau hat jetzt superschicke Stiefel zum Rumsitzen, und der Stiefelknecht ist ihr bester Freund 🙂

      Bei den langsamen Bewegungen muss man aber aufpassen, dass man nicht aus Versehen versammelt daherläuft. Das ist mir einmal aus Versehen passiert. Anstrengend, sag ich dir!

      Liebe Grüße
      Dein Pfridolin

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  5. Pferdeflüsterei

    Stimmt! Du hast absolut Recht, das sind alles Stuten *da fällt es mir wie Schuppen von den Augen* ich kann offenbar besonders gut (oder eher „gerne“ – das trifft es besser 😉 ) mit Stuten. Jetzt bin ich enorm erleichtert. Die beisse ich natürlich nicht. Danke, Du Guter!

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  6. Pingback: Neues vom langen Bein | pfridolinpferd

  7. annibirdy

    Aber Pfridolin! Du musst doch wissen, wie gemein Bauchmuskeltraining ist? Ich bin mir ganz sicher, dass du in die Richtung auch schon mal genötigt wurdest und jetzt machst du dich lustig, dass die Frau keine guten Bauchmuskeln hat und mehr trainieren muss?? Ich leide mit ihr 😀

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