Erst der Kamm und dann das Herz

Else und ich haben ja mittlerweile Gefallen an diesem Quadrilledingsda gefunden. Zum einen hat das totalen Event-Charakter – Musik! Viele Pferde! Viele Menschen! Große Verwirrung! – und zum anderen sind die ungewohnten Figuren eine nette Abwechslung zu dem langweiligen Kringelreiten, das üblicherweise im Winter stattfindet.

Else entwickelt sich zu einem regelrechten kleinen Sonnenschein. Das erkennt man daran, dass sie mich nur noch ganz selten zwicken will und ihre Hinterbeine meistens bei sich behält. Frauen sind ja oft rätselhaft und schwer zu durchschauen, aber bei Else ist es relativ einfach 🙂 Dass es mir gefällt, erkennt man am Gesichtsausdruck und dem weihnachtlichen Glanz in meinen Augen. Und natürlich an den Freudensprüngen zwischendurch.

Die Frau findet Quadrillereiten auch toll. Jedenfalls meistens. Nämlich immer dann, wenn ich gerade nicht herumhüpfe und wenn ihr Elses Reiterin vorgesagt hat, was sie als nächstes tun muss. Dann freut sie sich. Frau Reitlehrerin freut sich auch. Ich glaube, am glücklichsten ist sie darüber, dass Elses Reiterin – als Einzige, glaube ich – den Durchblick hat und allen anderen vorsagt, was sie tun müssen, so dass Frau Reitlehrerin nicht in einem wilden Durcheinander unter die Hufe kommt und mit einem weißen Taschentuch wedeln muss. Das ist im letzten Jahr aber nicht so oft fast gar nicht vorgekommen.

Wir sind jetzt auch zu einer weiteren Figur vorgedrungen. Nach dem Kamm haben wir das Herz ins Programm aufgenommen. Faxe meint, es wäre total romantisch. Ich übersetze das damit, dass diese Figur die einzige ist, bei der er auch mal die Chance hat, seiner Quadrillenpartnerin in die Augen zu gucken 🙂 Lotta ist nämlich ansonsten einfach zu schnell für ihn nicht vom Geist der Weihnacht beseelt und wartet gewöhnlich nicht auf ihn. Faxe meint, er wäre auch vertikal benachteiligt, weil Lotta die längeren Beine hat.

Aber zurück zum Herz. Dabei reitet man auf der Mittellinie paarweise nebeneinander her (Romantisch! Wenn man nicht Faxe heißt und seiner Partnerin hinterherschnaufen muss.) und macht auf ein Kommando eine Kehrtvolte, und zwar das rechte Pferd nach rechts und das linke Pferd nach links. Gleichzeitig. Die Kehrtvolte führt zurück zur Mittellinie, wo man sich mit seinem Quadrillenpartner wiedertrifft. Das heißt, das letzte Quadrillenpaar führt jetzt die Quadrille an. Dann reitet man geradeaus weiter, meistens zurück zur kurzen Seite, und teilt sich dann wieder auf.

Was dabei alles schiefgehen kann:
1. Beide Reiter machen eine Kehrtvolte nach rechts.
2. Beide Reiter machen eine Kehrtvolte nach links.
3. Beide trennen sich vorschriftsmäßig und machen die Kehrtvolten in die richtige Richtung, reiten die Wendung aber nicht gleich groß.
4. Sie kriegen es so wie oben hin, treffen sich aber nicht auf der Mittellinie, weil die Frau wieder auf meinen Hals runtergeguckt hat anstatt zu schauen, wo Else gerade ist.
5. Es gibt einen Stau, weil Faxe auf der Mittellinie stehen bleibt, um zu äppeln.

Es wird natürlich nicht einfacher, wenn- so wie bei der Frau – eine Rechts-Links-Schwäche dazukommt. Manchmal klappt es aber doch, und dann freuen sich alle. Das Schöne bei so einer Quadrille ist ja auch, dass die Zuschauer gar nicht so genau wissen, welche Figuren wann an der Reihe sind, da kann man prima pfuschen. Also soweit alles im grünen Bereich.

Jetzt wird es aber langsam doch ernst und die Frau muss sich in die weiße Reithose zwängen, die letztes Jahr noch gepasst hat. Wenn sie ehrlich ist, war die Hose eigentlich schon letztes Jahr ein bisschen eng, aber wenigstens ging der Reißverschluss noch zu. Die Stoffe sind ja ziemlich elastisch 😉

Ich sag ja schon länger, dass sie Diät machen muss und ein Heunetz braucht, aber mir glaubt ja keiner. Wahrscheinlich wird das wieder so ein Last-Minute-Abstecher ins Reitsportgeschäft. Ist ja ein Notfall. Komischerweise ist die Frau nie die Einzige, die dort „ganz schnell“ und „mal eben“ auf den letzten Drücker was einkaufen will. Und blöderweise hat man auch bei den Reithosen die Schnitte oder die Größen oder was weiß ich geändert, so dass sie mehrfach hektisch und leicht bekleidet zwischen den Regalen und der Umkleidekabine hin- und herlaufen muss. Sowas würde sie aber nie erzählen. Sowas erzählt immer nur der Mann, der sie bei solchen Aktionen dadurch unterstützt, dass er gemütlich in einer Ecke sitzt und Kaffee trinkt. Und er erzählt es auch nicht auf der Stallgasse rum, sondern nur mir. Weil wir nämlich Kumpels sind.

So, und jetzt sag ich Else, dass ich mir zu Weihnachten Liebe wünsche. Ich bin gespannt, obs klappt 🙂

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8 Gedanken zu „Erst der Kamm und dann das Herz

  1. denisfeuerstein

    Ja, vielleicht bist du jetzt berühmt.
    Ich bin ja auch hier.
    Aber mal was anderes: Wie lange dauert es eigentlich, bis man gut reiten kann? Sollte man auch auf anderen Pferden während des Unterrichts reiten oder ist es wegen der Bindung des Pferdes besser nur auf ein und denselben Pferd zu reiten?

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  2. pfridolinpferd Autor

    Wieso nur vielleicht? Wenn wir beide hier sind, ist das ja wohl der coolste Blog ever 🙂

    Aber du stellst ja vielleicht schwierige Fragen. Definiere „gut reiten“ 🙂 Das ist zu Anfang der Gedanke, nicht runterzufallen, auch wenn das Pferd beim Ausreiten mal bockt. Später will man dann vielleicht Lektionen reiten oder Springen oder Westernmanöver oder Wasauchimmer und irgendwann noch später das Pferd aus dem Sitz heraus reiten, also mit möglichst wenig Handeinwirkung. Also ein paar Jährchen musst du dafür wohl schon einplanen 😉

    Ich würde an deiner Stelle in dieser Zeit möglichst viele Pferde reiten, denn du lernst bei jedem fremden Pferd etwas dazu. Am liebsten alle anderen außer mir, weil ich ja nicht nur Rosa-, sondern auch Arbeitsallergie habe 🙂

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  3. Land Ei

    Hach, ist das dein Hintern da mit dem Herz?? Sehr hübsch! Falls es dein Hintern ist… ähem… also…. (können Pfuchsdamen rot werden???) na ja…. falls das mit der Else nicht klappen sollte…. ich könnte dir mal meine Stalladresse…. selbst der verpeilte Tierarzt findet das.

    Quadrillengrüße von
    Flora

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    1. pfridolinpferd Autor

      O ja, und wie wir Weihnachtsbäume haben! Leider nur im Dezember, obwohl wir doch das ganze Jahr über Hunger haben. Wir gehen damit ganz normal um: wir essen sie und laufen deshalb in Außenstellung. Nach ungefähr drei Wochen kann man sich dann mal darüber erschrecken, wenn einem langweilig ist 🙂 Schade, dass dein früheres Pferd so humorlos war 😦

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