Archiv für den Monat März 2015

Lucero alias Lutschi

Die Frau hat ja schon länger davon erzählt und nun ist es passiert: Mein kleines Brüderchen ist da. Es heißt Lucero und ist ein Spanier. Das ist mal wieder typisch für die Frau. Sie hätte ja auch eine Stute kaufen können, die dann mit uns zusammenwohnen muss. Aber nein, es muss ein Wallach sein. Im Moment sieht er noch nicht sonderlich spektakulär aus, aber er wird sicher genau so ein Angeber wie mein alter Kumpel Companero. Mit Wallemähne.

Ich selber habe ja ein Mähnentrauma. Ich spreche nicht gern darüber, aber seit mir die Frau mit ihrer planlosen Schnibbelei die Frisur so versaut hat, hab ich gar kein Liebesleben mehr. Vorher war schon nicht viel, aber jetzt ist es ganz vorbei. Die Mädels lachen, wenn sie mich sehen 😦

Was noch über den Neuen zu sagen ist: er isst gern und ist nicht der Allerschlaueste. Zum Beispiel hat er keine Angst vor Stromlitzen. Hatte, sollte ich besser sagen, denn mittlerweile hat er schon herausgefunden, dass der Zaun rund ums Paddock beißt. Damit hat er anscheinend nicht gerechnet.

Was cool an ihm ist: er mag Halfterziehspiele. Sowas ist Faxe ja immer zu anstrengend. Außerdem schwierig zu machen, wenn der Kopp die ganze Zeit unten im Essen steckt 😉

Und dann kann der Lutschi noch lustige Geschichten über die Frau erzählen. Neulich zum Beispiel hat sie versucht, ihn zu longieren. Das ist jedenfalls das, was Faxe, Bonito und ich vermuten. Lutschi (wir nennen ihn Lutschi, weil er seine orale Phase anscheinend noch nicht überwunden hat und alles ins Maul nimmt) ist jedenfalls nicht schlau aus dem Rumgefuchtel der Frau geworden. Er kann nämlich Körpersprache und sie nicht.

Da standen sie nun auf dem Reitplatz, halbwegs mittig. Lutschi und die Frau. An seinem Kopf war eine Longe befestigt. Am anderen Ende die Frau, die unkoordiniert damit herumwedelte. Während sie ihn mit der Schulter aufforderte, in den Zirkel hereinzukommen, scheuchte sie ihn gleichzeitig mit der Longe wieder weg. Lutschi fand das befremdlich. Bisher hatte er wohl nur mit Leuten zu tun, die wussten, was ihre Körperteile so tun. Aber da konnte ich ihn beruhigen – die Frau hat null Körperbewusstsein und daran wird sich wahrscheinlich auch so bald nichts ändern.

Na ja, und dann die treibende Hilfe. Mal war die Frau zu weit vorne und hat seine Schulter rausgeschickt und dabei gemeckert, mal sein Hinterteil. Und dabei gemeckert. Die Stimmkommandos, die er kennt, bringt sie dabei grundsätzlich durcheinander. Ist ja auch schwierig: Schhhhh für Schritt, 2 x schnalzen für Trab, Küsschen für Galopp ^^

Total simpel, oder? Für jeden außer der Frau. Die ist so gefordert mit sich und der Welt im Allgemeinen, dass sie unkoordiniert schnalzt und ziellos küsst. Und sich dann wundert, wenn pferd genau das tut, was sie sagt 😉

Übrigens ist das Kommando für Schritt – zumindest in Lutschis kleiner Welt – Schhh und nicht Woah oder Brrr oder Easy oder „Scheeeritt, kleines Pony!“ So hat er das gelernt und so ist das also auch. Das meinte zumindest Frau Reitlehrerin, die just in dieser Sekunde aufgetaucht ist.

Jetzt hat die Frau Hausaufgaben und muss Vokabeln lernen: Schhhh, zweimal schnalzen und Küsschen 😉

Travers

Seitengangsalat (Teil 2)

Nachdem wir uns letztens an Schulterherein und Renvers versucht haben, stellt die Frau nun – unbedacht, wie nun mal ihre Art ist – die Frage, ob es denn noch mehr Seitengänge gäbe? Und wann endlich die Traversale dran wäre. Oder die Piaffe, ergänzt sie begehrlich.

Ich finde das verwegen. Wir können ja noch nicht mal vernünftig geradeaus und sie will beinekreuzend über die Diagonale! Und wer muss sie dabei schleppen? Richtig, euer Lieblings-Pfridolin. Falls er noch dazu kommt, vor lauter Knoten in den Beinen.

Aber Frau Reitlehrerin ist auf meiner Seite -sie lacht lächelt. Die Traversale wäre ganz zum Schluss dran. Die wäre nämlich der Prüfstein, ob die Frau beim seitwärts alles richtig machen würde. Also heute nicht? Nein, heute nicht.

Die Frau hatte das insgeheim vermutet, vor allem jetzt, wo Frau Reitlehrerin die letzte Reitstunde noch einmal Revue passieren lässt und die Frau fragt, was ihr denn davon besonders im Gedächtnis geblieben ist. (Meiner Meinung nach gar nix.) Die Frau räuspert sich besorgt und pariert erstmal durch. Das mag ich ja so an ihr – wenn sie nachdenken muss, kann sie nicht weiterreiten. Dann wird durchpariert und ich kann ein Nickerchen machen, bis ihre Gehirnwindungen wieder funktionieren.

Wir stehen im Reitunterricht ziemlich viel rum, die Frau und ich 🙂

Während die Frau fieberhaft nachdenkt, meckert sie sicherheitshalber erstmal ein bisschen. Das wäre ja wie in der Schule – aus dem Alter wäre sie ja wohl mittlerweile raus. Schon rein optisch, denke ich, aber unsereiner ist ja nett und behält das für sich.

Frau Reitlehrerin grinst und sagt erstmal nichts. Die Frau kriegt Angst. Sie weiß, dass Frau Reitlehrerin im Zweifel am längeren Hebel sitzt und fabuliert beklommen drauflos. Das Schulterherein fällt ihr wieder ein und mit ein bisschen mehr Bedenkzeit sogar auch das Renvers. Und die äußeren Hilfen. Die wären ganz wichtig. Und das Zusammenspiel der inneren und äußeren Hilfen. Zu guter Letzt kommt sie sogar noch darauf, dass weniger Abstellung mehr ist – will sagen, dass richtiges Schulterherein beziehungsweise Renvers mit wenig Abstellung geritten werden sollte, damit es mehr korrekte Biegung im Pferdekörper gibt. Als ob ich eine Banane wäre. Faxe sagt übrigens, Pferde könnten sich gar nicht in der Rippe biegen, da wär nur ein bisschen Rotation möglich, was sich wie Biegung anfühlt.

Frau Reitlehrerin ist überrascht zufrieden, dass sich die Frau an soviel erinnert. Ich bin stolz auf meine Besitzerin 🙂 Die giert nach mehr Input. Was denn jetzt endlich mit diesem Travers wäre, will sie wissen.

Frau Reitlehrerin lässt die Frau erstmal Schulterherein reiten. Das klappt erstaunlich gut. Ich glaube, sie hat heimlich mit diesen inneren Bildern geübt. Frau Reitlehrerin muss nur ein wenig eingreifen. Beim Renvers hilft sie wieder von unten mit, weil die Frau, das kleine Steifftier, ihre Hüften nicht richtig sortiert kriegt. Dabei ist es so einfach: Innere Hüfte vor, äußere leicht zurück. So, wie ich halt auch im Renvers laufen soll. Aber die Frau hat anscheinend nicht nur eine Rechts-Links-Schwäche, sondern auch eine Vorne-Hinten-Schwäche. Jedes Mal, wenn Frau Reitlehrerin etwas sagt, muss sie anhalten und nachdenken, wohin meine Vorder- und Hinterbeine gehen sollen. Erwähnte ich bereits, dass ich im Unterricht viel rumstehe? 🙂

Jetzt erklärt Frau Reitlehrerin, dass es ja auch Seitengänge gibt, bei denen der Pferdekopf tendenziell zur Bande zeigt und die Hinterhand in Richtung Bahnmitte. Travers zum Beispiel, auch Kruppeherein genannt. Ist ja irgendwie logisch: wenn beim Schulterherein die innere Schulter Richtung Bahnmitte verschoben wird, wird beim Kruppeherein die Kruppe Richtung Bahnmitte hereingenommen. Das versteht sogar die Frau.

Und die Hilfengebung?, will sie wissen. Moment, sagt Frau Reitlehrerin. Wie sieht es denn mit Stellung und Biegung aus? Ja, wie eigentlich, fragt die Frau. Frau Reitlehrerin erklärt, dass das Pferd im Travers in Bewegungsrichtung gestellt und gebogen wäre. Wie beim Renvers, erinnert sich die Frau und freut sich, dass sie sich was gemerkt hat. Frau Reitlehrerin freut sich auch. Das kommt nämlich nicht so vor 😉

Nachdem das nun geklärt ist, geht es zurück zur Hilfengebung. Wir stehen übrigens wieder mal rum, damit die Frau besser denken kann. Meine Augen werden schwerer und schwerer.

Welche Hüfte der Pfridolin denn beim Travers hereinnehmen sollte, fragt Frau Reitlehrerin. Ich bin gerade in der ersten Tiefschlafphase und werde unsanft geweckt, als die Frau trompetet: „Die äußere!“ Bingo – Frau Reitlehrerin strahlt. Was denn das innere Bein in dieser Zeit täte, fragt sie. Die Frau denkt und denkt. Irgendwann kommt sie drauf. Das bleibe am Gurt und sei für die Biegung zuständig – siehe die Banane weiter oben. Überhaupt wäre Travers wie Renvers, nur andersrum. Frau Reitlehrerin ist beeindruckt. Ich auch 😉

Also jetzt Travers. Wie bereits erwähnt, ist dabei meine Vorhand auf dem ersten Hufschlag. Ich bin zwar theoretisch in Bewegungsrichtung gestellt, aber da ich um die Rechts-Links-Schwäche der Frau und ihre allgemeine Ungeschicklichkeit weiss, habe ich schon ein bisschen Angst, mir dabei mein hübsches Köpfchen anzuhauen. Aber mit ein wenig Hilfe von Frau Reitlehrerin können wir das sogar in die Praxis umsetzen, auch wenn die Frau zuerst nach dem Grundsatz „Viel hilft viel“ vorgeht und mich ganz grauslige Verrenkungen ausführen lässt. Frau Reitlehrerin schlägt vor, sie sollte doch mal über das Konzept des „Weniger ist mehr“ nachdenken. Die Frau grummelt leise, ist aber insgesamt erstaunlich friedfertig. Sonst will sie immer mehr diskutieren. Ich glaube, sie war wieder heimlich an Stutis Beruhigungskräutern.

Konter-Schulterherein

Konter-Schulterherein

Einen letzten Seitengang gäbe es noch, erklärt Frau Reitlehrerin, und zwar Konter-Schulterherein. Und das wäre die Gegenlektion zu …? Schulterherein, ruft die Frau, die zufällig richtig geraten hat. Genau, nickt Frau Reitlehrerin. Auch hier würde mein Popo ins Bahninnere zeigen, ich wäre aber – genau wie im Schulterherein – entgegen der Bewegungsrichtung gestellt und gebogen.

Ich höre im Halbschlaf zu und schrecke hoch, als wir uns in Bewegung setzen. Ausgangspunkt wäre diesmal der zweite Hufschlag, höre ich. Damit ich mir nämlich nicht die Nase stoße, wenn die Frau in ihrer ungeschickten Art meine äußere Schulter Richtung Bande führt. Dadurch, dass ich jetzt nach außen gestellt und gebogen bin, wäre übrigens meine äußere Schulter zur inneren geworden, erklärt Frau Reitlehrerin, während sie von unten hilft.

Der Frau raucht der Kopf. Ich dagegen habe super geschlafen und freue mich aufs Paddock, wo ich den Mädels erzählen werde, dass ich der neue Dressurstar bin. Muskulös und mit dem gewissen Etwas. Und dem Grundsatz „In der Ruhe liegt die Kraft“. 🙂

Mehr zum Thema Hilfengebung bei Travers und Renvers findet ihr übrigens bei Franziska in ihrem sehr lesenswerten Blog Pferdialog.

Schulterherein

Seitengangsalat (Teil 1)

Je mehr seitwärts, desto besser – so oder so ähnlich stellt sich die Frau die Seitengänge vor. Wir haben nämlich wieder Reitunterricht gehabt und Seitengänge geübt. Also nur die Frau, ich kann die ja schon alle: Mit dem Kopf zur Bande über die eigenen Beine stolpern, mit dem Hintern zur Bande über die eigenen Beine stolpern und dabei jeweils in unterschiedliche Richtungen gucken und Kuddelmuddel auf der Diagonalen.

Das ist aber eigentlich nur was für Fortgeschrittene – ich frage mich, wieso Frau Reitlehrerin die Frau da ins Spiel bringt. Aber egal – für mich ist es sehr entspannend, weil Frau Reitlehrerin viel erklärt, die Frau wenig versteht und ich demzufolge rumstehen und schlafen kann.

Die Frau strebt ja für gewöhnlich nach Höherem, und das Wort Piaffe kommt oft in ihren Wunschvorstellungen vor. Fast ebenso häufig ist allerdings das Wort Traversale. Dann hat sie noch von Travers und Renvers gehört. Manchmal frage ich mich, wo sie sowas herhat und wann sie endlich anfängt, dieses „Fühlen“ zu lernen, von dem Frau Reitlehrerin so oft spricht 😉 Jedenfalls möchte sie mehr über Schulterherein und Renvers erfahren.

Wir stapfen also in die Reithalle, ich mit weißen Bandagen, die Frau mit frisch geputzten Stiefeln. Bandagiert werden ist eigentlich ganz lustig, weil die Frau so ungeschickt ist. Man hat viel zu lachen dabei. Ist aber letztlich egal, weil Frau Reitlehrerin not amused ist. Erstmal, weil die Bandagen so schlampig angebracht sind, und dann, weil die Dinger wohl gar nicht gut für meine Beine sind – Stichwort Hitzestau. Gut, dass die Frau noch nicht auf mir drauf sitzt, da geht das Abwickeln gleich viel schneller 😉

Na ja, und dann geht’s los. Die Frau hievt sich auf meinen Rücken. Bei meinem Gardemaß von 1,65 m nimmt sie dafür eine Aufsteighilfe, wofür ich ihr sehr dankbar bin. Es gibt ja immer noch Leute, die so aufs Pferd hüpfen und es sportlich finden, dabei ihrem Reitkumpel den Sattel einmal quer über die Wirbelsäule zu ziehen.

Endlich oben angekommen, ist erstmal Schritt angesagt – ihr kennt das. Frau Reitlehrerin fragt währenddessen, was die Frau so alles über das Schulterherein weiß. Nicht viel, aber das will sie nicht zugeben 😉 Stattdessen murmelt sie etwas vom „Aspirin der Reitkunst“. Frau Reitlehrerin kennt aber ihre Pappenheimer und zeigt sicherheitshalber, wohin mein Kopf zeigen soll (ins Bahninnere), wo meine Vorderbeine langlaufen sollen (die Vorhand wird einen Schritt hereingeführt und geht quasi auf dem eineinhalbten Hufschlag geradeaus. Nicht auf dem zweiten – das wäre zuviel Abstellung) und wo meine Hinterbeine sind (die gehen auf dem ersten Hufschlag geradeaus). Die Banane auf dem Foto demonstriert es sehr schön, wenn auch ohne Beine. Bei den Pferdebeinen ist es nämlich so, dass man von vorn gesehen im Schulterherein nur drei Beine sieht, weil das äußere Vorderbein das innere Hinterbein verdeckt. Die Frau nickt und tut so, als wäre ihr das natürlich alles klar gewesen.

Jetzt setzt Frau Reitlehrerin noch einen drauf und erklärt der Frau, dass sie selbst für das Schulterherein ihre Schultern nach innen nehmen müsste, weil vom Grundsatz her das Pferd (= ich) der Bewegung des Reiters (= die Frau) folgen würde. Also erstmal in Innenstellung einen Schritt vom Hufschlag abwenden und dann geradeaus die lange Seite runter. Und mir nicht mir den Hals krumm ziehen und geradeaus weiterreiten wie sonst 😉

Die Frau und ich machen dann mal das, was sich die Frau vorstellt. Frau Reitlehrerin merkt an, dass der Pfridolin nicht auf den dritten, vierten und fünften Hufschlag abwandern sollte, sondern mit der Hinterhand auf dem ersten Hufschlag bleiben. Weniger innerer Zügel, mehr äußerer Zügel! Die Frau giftet leise, man könnte es Frau Reitlehrerin ja nie recht machen und fällt ins andere Extrem – noch etwas mehr seitliche Abstellung und ich würde umfallen. Frau Reitlehrerin erklärt, die richtige Lösung läge möglicherweise irgendwo dazwischen. Ich finde sie ganz schön diplomatisch 🙂

Mittlerweile hängt die Frau wieder wie eine Trauerweide auf mir. Ich lasse entsprechend auch alles hängen. Weil ich etwas größer bin als sie, fällt das auf und führt zur vorübergehenden Sitzkorrektur. Die Frau mag jetzt nicht mehr und behauptet, ich wäre einfach zu störrisch für so komplizierte Lektionen. Das findet Frau Reitlehrerin gar nicht, übernimmt von unten die Zügel und lässt mich an der nächsten langen Seite schulterhereinen, was das Zeug hält, während die Frau obendrauf sitzt und staunt, wie sich das anfühlt.

Frau Reitlehrerin lobt mich und erklärt, es wären eigentlich nur kleine Hilfen, aber die müssten halt zueinander passen. Ganz wichtig wäre der äußere Zügel, der die Bewegung weich abfängt, damit ich der Frau nicht über die Schulter weglaufe. Ach, staunt die. Sie hätte immer gedacht, das müsste so sein. Viel seitwärts wäre gut. Frau Reitlehrerin verneint. Es bräuchte gar nicht viel seitliche Abstellung. Dann wäre auch der gymnastische Wert höher.

Da hat sie allerdings Recht – ich finde das Ganze ziemlich kompliziert und mache nur mit, weil ich nachher Else und Stuti sehe und sie mit meiner sportlichen Figur beeindrucken will 😉

Als nächstes kommt Renvers, weil man das aus dem Schulterherein entwickeln kann. Behauptet jedenfalls Frau Reitlehrerin. Beim Renvers zeigt mein Kopf immer noch ins Bahninnere und mein Popo zur Bande.

Renvers

Renvers

Im Gegensatz zum Schulterherein werde ich aber in Bewegungsrichtung gestellt und gebogen. Also theoretisch. Wenn die Frau alles richtig macht. Sicherheitshalber hat Frau Reitlehrerin das auch mal eben von unten demonstriert. Die Frau staunt Bauklötze, was ich alles kann. Frau Reitlehrerin erklärt jetzt noch, wozu diese ganzen Seitwärtsbewegungen gut sind. Für mehr Gleichgewicht, Geschmeidigkeit und Körperbeherrschung nämlich. Letzten Endes ginge es immer darum, mich auf beiden Händen gleich geschmeidig zu machen. Pffff, soll die Frau doch mal bei sich selbst anfangen.

Die Lektionen wären halt kein Selbstzweck, sondern letztlich ein Hilfsmittel. Das Pferd wäre nämlich nicht für die Lektionen da, sondern die Lektionen für das Pferd. Die Frau staunt wieder. Eigentlich interessiert sie sich ja für genau zwei Lektionen: Piaffe und Traversale. Den Rest hatte sie bisher als leidige Pflichtübungen angesehen, die man halt beherrschen muss, weil sie in Dressuraufgaben vorkommen. Mitnichten. Frau Reitlehrerin erklärt, dass zwischen den einzelnen Lektionen Zusammenhänge bestehen. Zum Beispiel macht Schulterherein ganz allgemein dicke Muskeln und sexy Bewegungen trainiert das Schulterherein die Tragkraft des inneren Hinterbeins und fördert so die Versammlung. Irgendwie läuft das dann später alles auf Piaffe und so hinaus. Zu dem Zeitpunkt hab ich aber nicht mehr zugehört, weil mir da schon die Augen zugefallen sind. Überhaupt krieg ich nachts zu wenig Schlaf, weil meine Boxennachbarin Else immer noch so doll schnarcht.

Beim Wort Piaffe schrecke ich wieder hoch und ahne Fürchterliches. Hoffentlich wird dieses Seitwärtsturnen nicht zur Gewohnheit – das ist nämlich ganz schön schwierig und ich bin ja eigentlich Freizeitpferd und keine Dressur-Elfe. Die Frau aber auch nicht.

Wenn Stuti und Else sowas allerdings toll finden, wäre ich aber jederzeit bereit, meine Einstellung zu ändern 😉

Lesetipp: Wenn ihr mehr über das Schulterherein, die Voraussetzungen dafür und die korrekte Hilfengebung erfahren wollt, seid ihr bei Dani von Fair Riding Corp richtig.

Faxe beim Ausritt

Der Krimi geht weiter: Wir machen einen Ausritt – die Polizei ist auch dabei (Teil 5)

Was bisher geschah:
Faxe und ich stellen fest, dass der Springreiter Ralph Reissmann kopfüber im Misthaufen steckt.
Ich mache ein wohlverdientes Nickerchen in der Box und werde unsanft geweckt, weil die Frau ausreiten will. Kiki, die Reitlehrerin, sucht Ralph, weil sie mit ihm verabredet ist. Faxes Besitzerin und die Frau können ihr da nicht helfen.
Während Kiki unterwegs ist, werden wichtige Gespräche geführt: über Ralph und darüber, wie er seine Pferde behandelt (nämlich schlecht) und über Kiki und ihre toll ausgebildeten Schulpferde (den Gesprächsteil fand ich langweilig). Ich bin übrigens nicht so ein spießiger Streber – das liegt aber aber auch daran, dass ich meine Erziehung der Frau verdanke 😉
Dann machen Faxe und ich einen Ausritt, bei dem wir feststellen, dass Melanie in den neuen Einstaller verliebt ist und Faxe deshalb abnehmen muss.

„Wieso denn das?“, flüsterte ich zurück.
„Sie macht dann Diät und ich muss auch schlank sein. Ich kenn das schon.“
„Schöne Scheiße. Hoffentlich ist das schnell vorbei!“

Das meinte ich wirklich ernst. Faxe war mein allerbester Kumpel. Dem sollte es immer gut gehen. Außerdem wollte er mich immer zwicken, wenn er Hunger und deshalb schlechte Laune hatte. Das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen und wer bekam dann den ganzen Ärger? Ich natürlich. „Böser Pfridolin, sei nicht so garstig zu dem armen Faxe“ und so weiter.

Ich tröstete ihn und mich mit dem Hinweis, dass es Weidesaison war, so dass es nicht allzu hart für ihn werden würde. Außerdem wollte er sich von Blacky hinsichtlich seiner Ausbruchstechnik beraten lassen, so dass er nicht auf das ihm zugewiesene Stückchen Koppel angewiesen wäre.

„Oooooh Gras!“, meinte Faxe. Dana und Melanie waren aber wirklich recht unkonzentriert gewesen. Faxe rupfte im Gehen an den Grasbüscheln herum und meinte mit vollem Mund, man wisse ja nie, wann es das nächste Mal etwas zu essen gäbe. Vor allem jetzt, wo Melanie so komisch drauf wäre, ergänzte er trübsinnig. Ich steckte noch voller guter Vorsätze und rupfte deshalb nur sehr dezent die Halme ab, die mir quasi direkt ins Maul wuchsen.

„Hey Jungs, nicht immer essen, wenn wir quatschen“, mahnte Melanie. Faxes Blick sagte: „Siehst du, es geht schon los.“

„Wie wär‘s mit einem kleinen Trab?“ fragte Dana. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen und als der Boden weich und der Weg breit genug war, kam auch noch ein mittelgroßer Galopp dazu. Heute war die Frau aber wirklich mutig! Diese Beruhigungskräuter aus der Futterkammer scheinens echt zu bringen. Oder es liegt an Faxe und Melanie, die gewohnheitsmäßig so dermaßen tiefenentspannt sind, dass das auf sie abfärbt.

Also ging es im Galopp weiter. Das war toll! Ich machte kleine, weiche Freudenhüpfer, damit die Frau merkte, dass ich sehr glücklich war, ihr das zeigen wollte und nicht wollte, dass sie in Sitznot gerät. Sie lachte und streichelte meinen Hals. Komisch, nicht? Manche Reiter hauen ihren Pferden mit der Hand auf den Hals, wenn sie sie loben wollen. Als ob wir den Unterschied zwischen Streicheln und Hauen nicht kennen würden.

Da war der weiche Weg auch schon zu Ende und wir parierten durch zum Schritt. Weiter ging es über grüne Hügel und blühende Büsche. Die Sonne sank und die Luft war so schön, dass man sich darin hätte wälzen mögen. Glücklich und entspannt bummelten wir durch Felder und Wiesen und waren auch schon fast zuhause, als Faxe mich fragte: „Hörst du das auch?“
„Was?“
„Na, den ganzen Krach. Hör doch mal. Am Stall ist irgendwas los. Viele aufgeregte Menschen, die laut miteinander sprechen.“
„Jetzt, wo du es sagst. Bin doch tatsächlich vor lauter Entspannung ein bisschen weggedöst. Wann Melanie und Dana es wohl merken?“
„Sollen wir es Ihnen sagen?“, schlug Faxe, für seine Verhältnisse ungewohnt dynamisch, vor, und deutete ein unternehmungslustiges Tänzeln mit Tendenz zum Wegspringen an. Für das menschliche Auge war das wahrscheinlich nicht wahrnehmbar, weil er sich aus Prinzip selten schneller als ein Sack Möhren bewegte, aber ich wusste, was er meinte.
„Nö, ich tu jetzt so, als wäre ich ein braves Pferd. Dann gibt es hinterher mehr Leckerlis.“ Die Frau ist nämlich leicht zu beeinflussen und meistens Wachs in meinen Händen. Äh Hufen.

Wir bogen in den kleinen Weg ein, der an unseren Weiden vorbei hinter der Reithalle zum Stall führte. Und da sah man es auch schon. Der Bereich um den Misthaufen war abgesperrt und voller Menschen. Ich hätte nicht gedacht, dass unser guter alter Misthaufen einmal so im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen würde. Ein Streifenwagen versperrte uns den Weg.
„Was ist denn da los?“ fragten Dana und Melanie wie aus einem Mund.

Fortsetzung folgt …