Archiv der Kategorie: Allgemein

Der Blog zieht um!

Faxe und ich packen Umzugskisten, weil der Blog umzieht. Der Lutschi darf auch mithelfen, Ab dem 18.06.2015 findet ihr uns unter

http://www.pfridolinpferd.com

Natürlich ziehen Else und Stuti mit um. Die Frau und der Mann auch. Sogar Companero und Konrad kommen mit, obwohl die ja manchmal echt nervig sein können 😉

Es kann sein, dass in der ersten Zeit noch nicht alles so richtig rund läuft, weil Faxe für die IT zuständig ist und er sich nicht so damit auskennt, aber er würde das natürlich nie zugeben. Ich weiß auch noch nicht, ob ihr noch mal eure Email angeben müsst, um dem Blog weiterhin zu folgen, aber das finden wir gemeinsam heraus. Ich freu mich schon aufs neue Zuhause – seid ihr dabei? 🙂 ❤

Advertisements
Pferde auf der Weide

Ein Herz und eine Seele oder: Mein Weg zu Else

Die Pferdeflüsterei hat eine ganz tolle Aktion gestartet, und ich darf mitmachen, weil mich Dani von Fair Riding Corp nominiert hat. Und zwar geht es darum, dass man seinen Weg zum Pferd beschreibt, und wer könnte das besser als ich. Schließlich mach ich den jeden Tag mehrmals in verschiedene Richtungen, oft auch sehr schnell 😉

Also eigentlich heißt es „Wie werde ich mit meinem Pferd ein Herz und eine Seele“, aber ich hab ja leider kein eigenes. Zuerst dachte ich noch, ich würde ein eigenes Pony kriegen, aber dann hat die Frau stattdessen den Lutschi gekauft. Der ist zwar auch ganz unterhaltsam, weil er nicht so schlau aus der Wäsche guckt, aber er ist halt nicht mein eigenes Pferd. Das ist Else zwar auch nicht, aber immerhin haben wir eine On-Off-Beziehung, und das geht ja schon mal in die richtige Richtung.

Das mit Else hat sich ganz zufällig ergeben, weil sie in die Box neben meiner eingezogen ist, und zwar ohne mich vorher zu fragen. Dann hat sie sich eingebildet, ich wäre ohne sie völlig hilflos und sie müsste alles haarklein mit mir besprechen. So etwa:
„Pfridolin, meinst du wirklich, du solltest das noch essen?“
„Ja, das sollte ich. Es sieht lecker aus.“
„Aber sooooviel Kraftfutter! Wozu ist das gut?“
„Es macht mich kräftig. “
„Und dick.“
„Selber dick.“
Na ja, und dann gab ein Wort das andere. Wie bei so nem alten Ehepaar.

Es gab aber auch schöne Zeiten, zum Beispiel, wenn ich sie in den Hintern gezwickt habe und sie nicht schnell genug war, um sich zu wehren. Das war damals, in unserer romantischen Phase. Mittlerweile ist sie verdammt schnell geworden. Ihr Sinn für Humor hat sich leider nicht in demselben Maß entwickelt ^^

Nun hat Else ja beileibe nicht nur schlechte Seiten. Sie fand meine grausam verhunzte schief geschnittene Mähne abscheulich, mich selbst aber süß. Das ist vielleicht ein zweifelhaftes Kompliment, aber jemand mit meinem Frisurenproblem darf nicht wählerisch sein. Außerdem gibt es ganz schön viel Else, weil sie nicht gerade klein oder schmal ist. Das ist auch gut, weil man sich wahlweise dahinter verstecken in ihrem Windschatten aufhalten oder in ihrem Schatten grasen kann. Unglücklicherweise hat sie mal viel Sport getrieben und weiß also, dass es so etwas wie Muskeln gibt. Die vermisste sie sehr schnell bei mir, was zu unsachlichen und ungerechtfertigten Kommentaren über meine Figur führte. Schließlich bin ich ein barockes Dressurpferd, das muss einen tiefen Schwerpunkt haben.

Dann lernte sie Konrad, den Totilas für Arme das Sportpferd kennen, und ab da war es ganz vorbei. Ständig hat sie an mir und meinem Body rumgemeckert. Und wenn sie nix gesagt hat, hat sie geschnarcht. Oder hungrig mit ihrem Heunetz gekämpft, weil sie selbst nicht die Allerschlankste und die meiste Zeit auf Diät ist. Das kann einem schon die Laune verderben, und meine gleich mit 😉

Aber nun ist ja wieder Frühling und ich fühle mich sehr romantisch, wenn ich an Else denke. Bin ja schließlich ein Fast-Hengst, hehe. Außerdem hat mich Else letztens so verträumt angeguckt. Das kann nur eins bedeuten: Sie liebt mich.

Ich werde mich also ganz unauffällig an sie heranpirschen, ihr tief in die Augen schauen und sie gekonnt um den Finger Huf wickeln. Zweierlei kommt mir dabei zugute: Wir stehen auf derselben Weide und Else trägt tagsüber eine Fressbremse. Mit anderen Worten: Sie kann mich nicht beißen 😉 Das vereinfacht meine Annäherungsversuche kolossal, zumal ich mir vorgenommen habe, sie nicht auf das Ding in ihrem Gesicht anzusprechen. Vielleicht kann ich auch punkten, wenn ich ihr beim Ausziehen und/oder Zerstören helfe? Das ist sicher sehr romantisch und nächstenlieb, weil es eine gute Tat ist. Die Wiese ist groß genug, so dass man uns nicht so schnell findet. Und die zerstörte Fressbremse auch nicht. Sollen auch gar nicht gut für die Zähne sein, die Dinger, hab ich gehört. Das wäre dann schon meine zweite gute Tat. Da kann Else doch gar nicht anders als mit mir ein Herz und eine Seele sein, oder? 😉

Was mich jetzt aber doch mal interessieren würde: Wie war eigentlich dein Weg zum Pferd, liebe Miri von Mein Faible?

P.S. Wer schon alles dabei war:
Christina von Herzenspferd
Dani von Fair Riding Corp
Tanja von Tash Horse Experience
Akki von Fü(h)rpferd

Irgendwas ist immer

Der Lutschi geht jetzt auch regelmäßig mit der Frau spazieren. Das ist ganz praktisch, weil wir sie so abwechselnd gymnastizieren können. Wenn ich in der letzten Zeit mit ihr draußen war und sie hinter mir hergezogen habe, fand ich sie nämlich ungewöhnlich schlapp und lustlos. Sie war immer so schnell außer Atem und hat auch nicht mehr gemeckert, sondern nur so bellende Geräusche von sich gegeben wie Faxe, als er das weiße Pulver essen musste.

Da müssen wir also dringend ran und was für die Kondition tun. Der Lutschi ist zwar noch jung und unerfahren, aber immer noch besser als eine Führmaschine gar nix. Mit anderen Worten: Das kriegt er hin.

Zuerst war er ja auch Feuer und Flamme. Spazierengehen wäre viel toller als dieses Rumschleppen und auch gar nicht anstrengend. Man könnte ganz viel rumstehen und in der Gegend rumgucken und würde dafür auch noch gelobt. Lustig, nicht? Weiß doch jeder, dass das Wichtigste bei so einem Spaziergang der Heimweg ist und dass man den in möglichst hohem Tempo hinter sich bringen muss, weil es umso schneller Abendessen gibt. Da sieht man mal wieder, dass der Lutschi keine Ahnung hat.

Aber nicht nur das spanische Mähnenwunder war begeistert, nein, die Frau auch. Der Lucero wäre ja so brav und würde gar nicht drängeln. Soooo entspannt wäre das. Kein Gerenne auf dem Heimweg, und dabei so cool und unerschrocken. Für mich ganz klar ein weiteres Indiz für seinen mangelnden Verstand. Vielleicht liegt es aber auch an diesen Stirnzotteln? Da kann man doch nicht durchgucken, geschweige denn Gefahren erkennen! Komischerweise geht die Frau da aber nicht mit der Schere ran.

Egal. Faxe und ich sehen es jedenfalls gern, wenn die Frau den Lutschi auf der Weide einfängt und mit ihm zu so einer Wanderung aufbricht. Wie eine Elefantenmutter mit ihrem Jungen. Nur hat die anfängliche Begeisterung inzwischen stark nachgelassen.

Der Lutschi beschwert sich nämlich mittlerweile darüber, dass er unterwegs kein Gras essen darf und hinter der Frau hergehen muss, wenn der Weg zu schmal fürs Nebeneinander wird. Er sagt, er wollte die Welt sehen und nicht den dicken Hintern das elfenhafte Hinterteil der Frau. Die Frau wiederum meckert darüber, dass der Lutschi so langsam wäre und immer hinter ihr herschleichen würde. Wenn ich mit ihr spazieren gehe, bin ich aber angeblich wieder zu schnell, was auch Gemecker gibt, und zwar von der lauten Sorte. Wenn sie dafür nicht schon zu sehr außer Puste ist.

Vielleicht sollten wir das Konditionstraining doch langsam wieder runterfahren? 😉

Lutschi an der Longe (mal wieder)

Unser spanischer Neuzugang Lucero alias Lutschi hat sich schon ganz gut eingelebt. Das Mähnenwunder kann ganz schnell weglaufen, wenn Faxe, Bonito und ich es ärgern. Außerdem ist es wunderbar wendig, weshalb das Nachlaufen nicht so schnell langweilig wird. Was wir tun, ist aber nicht nur gemein, sondern hilft der Frau auch im Umgang. Wenn nämlich wir ihn nicht erziehen würden, müsste sie das selbst machen, und da kann man sich ja leicht vorstellen, dass da nix Vernünftiges bei rauskommt.

Lutschi hat uns erzählt, dass die Frau weiterhin versucht, ihn zu longieren. Anscheinend gibt sie die Hoffnung nicht auf, dass er entweder sehr schnell ihre Sprache lernt oder sie Körpersprache. Eher lernt der Lutschi chinesisch als sie Körpersprache, aber das ist ja nur meine Meinung. Sie schafft es ja noch nicht mal, sich die drei Kommandos zu merken, die der Lutschi kennt.

Der Lutschi meint, Longieren wäre voll anstrengend, weil er immer sehr schnell vor der Frau weglaufen müsste. Die würde immer total aggressiv die Arme bewegen oder mit der Longe herumfuchteln, so dass er mehrfach auf extrem schweißtreibende Art durchgestartet wäre. Da sie ihn leider dabei am Kopf festhalten würde, wäre das sehr unangenehm, was er erst Recht zum Davonlaufen fände. Er nimmt die Frau also allem Anschein nach Ernst. Ich glaube, der Lutschi muss noch viel lernen 😉

Nun ist er ja nicht sehr helle, aber die Frau bekanntlich noch viel weniger. Deshalb haben wir gemeinsam überlegt, was sich da wohl in Wirklichkeit abgespielt haben könnte. Natürlich ist mir als erstem eingefallen, was das zu bedeuten hat – ich bin halt der Schlaueste auf dem Paddock und anderswo.

Ich kenne ja die legendäre Ungeschicklichkeit der Frau und habe durch geschickte Fragetechnik herausgefunden, dass sich die Frau allem Anschein nach wiederholt in der Longe verheddert und versucht hat, das Chaos mit ausladenden Armbewegungen zu entwirren. Sie hat nämlich die einzigartige Fähigkeit, alles, was ihr in die Finger fällt, im selben Moment in ein Knotenknäuel zu verwandeln. Schubkarre fahren liegt ihr eindeutig mehr als Longieren, das ist nämlich ein Sport für Grobmotoriker. Und wenn sie dann gleichzeitig noch atmen und die Schulter, die zum Pferdekopf zeigt, nach hinten nehmen soll und die andere nach vorn (wegen der Körpersprache), ist sie verloren. Von wegen multitaskingfähig. Ich konnte schon mehrfach beobachten, wie sie in eine Schlaufe ihrer ungeordneten Longe getreten ist und auf mich zugestolpert kam, so dass ich mit einem schnellen Schritt nach außen ausweichen musste. Ich bin ja schließlich ein sensibles Fluchttier und will nicht mit fliegenden Elefanten kollidieren 😉 Der Lutschi sagte, sowas hätte sie bei ihm auch gemacht und er wäre sehr beeindruckt gewesen, als sie mit großer Geschwindigkeit auf ihn zugeschossen sei.

Ich habe ihm dann mal erklärt, wie man sich bei sowas verhält. Zunächst einmal gilt unabdingbar der Grundsatz „Ruhe bewahren“. Die Frau kennt nämlich an der Longe nicht wirklich viele Möglichkeiten der Kommunikation. Eigentlich läuft bei ihr alles auf zwei Kommandos hinaus: Schneller oder langsamer. Darauf kann man eingehen, man muss es aber nicht 😉 Sie kann das nämlich auf die Schnelle gar nicht wechseln, wenn man Blödsinn macht oder sich einfach taub stellt, weil sie ja so mit dem Longenknäuel in ihrer Hand beschäftigt ist. Sie guckt einen dann mit einem Auge kritisch an, was den Lutschi anscheinend total beeindruckt hat, mit dem anderen Auge schielt sie aber auf die verfitzelte Longe in ihrer verkrampften kleinen Hand. Wenn man jetzt ein bisschen vom Kurs abweicht (nur mal so als Idee), kriegt sie das normalerweise gar nicht mit. Und ruck-zuck ist man auf dem Hufschlag und kann da rumquengeln. Was die Frau im Übrigen meist noch nicht einmal bemerkt. Faxe hat es sogar schon mal geschafft, sich an der Longe zu wälzen. Die Frau hat währenddessen laut überlegt, welche ihrer Schultern denn jetzt wohin zeigen müssen. Wir haben sehr gelacht.

Ansonsten behauptet der Lutschi, er wäre auch schon im Gelände gewesen. Mit der Frau. Wie so’n richtiges Reitpferd. Aber davon will er erst in ein paar Tagen erzählen. Wahrscheinlich hat er wieder nicht verstanden, was so um ihn rum passiert und will in der Zwischenzeit darüber nachdenken 😉

Lesetipp: Wie Pferde Menschen longieren, erklärt Herr Pony in der Ponyschule.

Wie Menschen Pferde richtig longieren, steht dagegen bei Christina von Herzenspferd.

Kommissar Pfridolin bleibt am Ball (Teil 6)

Was bisher geschah:
Faxe und ich stellen fest, dass der Springreiter Ralph Reissmann kopfüber im Misthaufen steckt.
Ich mache ein wohlverdientes Nickerchen in der Box und werde unsanft geweckt, weil die Frau ausreiten will. Kiki, die Reitlehrerin, sucht Ralph, weil sie mit ihm verabredet ist. Faxes Besitzerin und die Frau können ihr da nicht helfen.
Während Kiki unterwegs ist, werden wichtige Gespräche geführt: über Ralph und darüber, wie er seine Pferde behandelt (nämlich schlecht) und über Kiki und ihre toll ausgebildeten Schulpferde (den Gesprächsteil fand ich langweilig). Ich bin übrigens nicht so ein spießiger Streber – das liegt aber aber auch daran, dass ich meine Erziehung der Frau verdanke 😉
Dann machen Faxe und ich einen Ausritt, bei dem wir feststellen, dass Melanie in den neuen Einstaller verliebt ist und Faxe deshalb abnehmen muss. Bei der Rückkehr in den Stall werden wir von der Polizei angehalten.

„Sie können hier nicht durch“, sagte ein Polizist, der uns zu Fuß entgegen kam.
„Müssen wir aber. Unsere Pferde stehen hier. Was ist hier überhaupt los?“, fragte die Frau.
„Wir ermitteln in einem Mordfall. Und was Sie müssen oder nicht, sage ich Ihnen schon.“ Was für ein unsympathischer Kerl. Klein, garstig und mit zu hohem Blutdruck. Er wechselte gerade die Gesichtsfarbe von hellrot zu tiefdunkelrot.
„Guten Tag erst mal. Wir müssten aber bitte wirklich hier durch. Die Pferde wohnen hier. Wenn Sie uns nicht glauben, können Sie jeden fragen, der da vorn steht“, versuchte es Melanie.
Ein zweiter Polizist kam dazu. Er sah ganz freundlich aus und machte einen vernünftigen Eindruck.
„Guten Tag!“, lächelte er Melanie und Dana an. „Ich sehe schon, sie müssen hier durch. Die Pferde wollen nach Hause, das sieht sogar ein Blinder“ – kleiner Seitenhieb zu dem Giftzwerg, der böse guckte, sich aber nicht zu widersprechen traute. Das lag wahrscheinlich daran, dass der nette Polizist ranghöher als der Giftzwerg war – wie bei uns in der Wallachherde halt. Wir Pferde kennen uns mit sowas aus.
„Gehen Sie bitte in einem ganz großen Bogen um die Absperrung herum. Wir werden Sie später auch noch befragen.“
Faxe und ich wurden langsam zappelig und waren froh, als es endlich weiterging. Soviel Aufregung ist gar nicht gut für unsereinen. Außerdem hatten wir mächtig Hunger. Unsere Reite-rinnen ritten wie befohlen in einem großen Bogen um die Absperrung herum, was wir recht zügig hinter uns brachten. Quasi im starken Schritt steuerten wir auf unsere Stallgasse zu. Erst mal was essen, der Rest würde sich dann finden, da waren Faxe und ich uns einig. Dann würden wir herausfinden, weshalb die Menschen so aufgeregt waren.
Dana und Melanie waren anscheinend neugieriger als wir. Vielleicht hatten sie aber auch nur mehr Hunger. Bei Menschen weiß man das nie. So schwer wie sich die Frau in letzter Zeit anfühlte, hatte sie bestimmt immer doppelt Heu gegessen. Sie sollte es mal mit einem Heunetz versuchen. Dann wüsste sie, wieviel Spaß es macht, mit seinem Essen zu kämpfen. Heunetze wehren sich nämlich. So schnell wie heute hatten uns die beiden nämlich noch nie abgesattelt und gefüttert. Formalitäten wie Beine abspritzen und Box ausmisten fiel anscheinend auch aus. Wenigstens die Hufe haben sie kontrolliert, ob da auch keine Steine drinhingen. Und dann waren sie weg. In die Futterkammer? Zum Misthaufen? Wer weiß das schon.
„Weißt du, Pfridolin“, mümmelte Faxe über ein paar Halme Heu hinweg, „ein Gutes hat das Ganze ja: Hier ist wenigstens Ruhe.“
Wahre Worte. Faxe hat bisweilen eine philosophische Ader und eine große innere Ruhe. Ich habe allerdings auch schon mitbekommen, dass andere das für raffiniert getarnte Faulheit halten. Ich ging hinaus auf meinen Paddock, um über den Nachmittag nachzudenken. Mein anderer Boxennachbar, Companero, der Spanier, stand auch draußen und guckte sich die Landschaft an.
Währenddessen war Dana, Melanie im Schlepptau, zum Misthaufen gelaufen.
„Hallo Marie, was ist denn bloß los? Wer ist tot?“
Marie stand am weitesten vom Misthaufen entfernt, hatte somit die schlechteste Sicht, war aber gleichzeitig am leichtesten zu erreichen.
„Ich glaube, es ist Ralph. Plötzlich war die Polizei da und ein Krankenwagen auch. Wir durften hier nicht mehr entlang gehen und uns hat keiner was gesagt. Ich habe gehört, im Mist-haufen wäre eine Leiche gewesen, angeblich Ralph, und Kiki hätte ihn gefunden. Sie ist im Haus und der Notarzt ist mit reingegangen. Vielleicht gibt er ihr ein Beruhigungsmittel.“
Marie, Companeros und Blackys Besitzerin, war sehr nett und eine gute Freundin von Dana und mir.
„Ich kann’s noch gar nicht richtig glauben. Das kommt mir alles so unwirklich vor! Und Blacky ist auch verschwunden und ich kann ihn einfach nicht finden!“
„Nee, ne?“ sagte Dana und als nächstes „Na, na.“ Und dann nochmal: “Na, na, er wird schon wieder auftauchen. Er haut doch dauernd ab und ist abends wieder da, der Blacky.“
Marie schniefte: „Schon gut, das sind nur die Nerven.“
Dana hatte mittlerweile auch realisiert, was los war und war entsprechend angeschlagen, obwohl sie das natürlich niemals zugegeben hätte. Sie konnte es nicht glauben, dass jemand – wahrscheinlich Ralph – hier im Reitstall, in ihrer kleinen heilen Welt, ermordet wurde.
„Können wir vielleicht nochmal von vorn anfangen? Ralph wurde ermordet? Er ist richtig tot? Von einem richtigen Mörder ermordet? Hier, in unserem Stall?“
Marie kam nicht dazu, zu antworten, denn Melanie echote: „Ralp ist tot? Ich mochte ihn ja wirklich nicht, aber das ist jetzt doch ein Schock. Hatte er eigentlich Familie?“
Das war eine gute Frage, die die drei zumindestens zeitweise auf andere Gedanken brachte, aber beantworten konnten sie sie nicht.
„Weiß man, wie es passiert ist? Ermordet. Ermordet! Du meine Güte, das muss man sich mal vorstellen! Hier gibt’s einen Mörder!“ Dana war fassungslos. Sie las einfach zu viele Krimis und konnte sich spontan mindestens 25 Möglichkeiten vorstellen, wie Ralph zu Tode gekommen sein könnte.
Melanie kommentierte trocken „Da soll noch mal einer sagen, das Leben wäre kein Ponyhof. Wir haben jetzt auch mal Kontakt zur realen Welt. Am besten warten wir erst mal ab, bis uns die Polizei sagt, was los ist. Dann kannst du dich immer noch aufregen!“ und knuffte Dana spielerisch in die Seite. Das war taktisch ungeschickt, die lief nämlich allmählich zur Höchstform auf.
„Ja aber. Das kann doch nicht wahr sein! Jemand, den wir kennen, ist tot! Und es war Mord! Und wir stehen hier nur dumm rum! Wir müssen doch was tun können außer warten und seinen Namen falsch aussprechen!“
„Sieht nicht so aus“, bemerkte Melanie nüchtern. „Ich habe ihn immer Ralp genannt und werde das jetzt nicht ändern, bloß, weil er tot ist.“
„Wie furchtbar! Hier läuft ein Mörder frei rum! Wer weiß, was noch alles passiert! Habt ihr gar keine Angst?“ regte sich Dana weiter auf.
„Nö. Weil: dafür ist die Polizei da. Die wird schon wissen, was sie tut. Und mal ganz ehrlich: Ich glaube, niemand wird Ralp eine Träne hinterherweinen. Wenn er es tatsächlich ist.“
„Ja schon“, lenkte Dana ein und Marie ergänzte: „Vielleicht war es ja auch ein Unfall.“
„Ausgeschlossen! Der fiese kleine Polizist von vorhin hat ja ausdrücklich von einem Mord gesprochen. Das hast du doch auch gehört, Melanie!“
„Jetzt beruhigt euch doch mal, Mädels! Keiner weiß was genaues, also muss sich auch niemand aufregen.“ Der Neue war plötzlich aufgetaucht und stand genau hinter Dana, so dass sie sich umdrehen musste, um ihn böse anzufunkeln.
„Ah ja. Aber du weißt hier Bescheid, oder wie? Und wo wir grade beim Thema sind: Könntest du uns eventuell mal die Tageszeit sagen und uns erklären, wieso du hier mit einem Mal der coole Frauenversteher bist?“, fauchte Dana. Um nach einer kurzen Pause hinzuzufügen: „Und außerdem WILL ich mich aufregen!“

Fortsetzung folgt…

Die Frau ist närrisch

Jetzt geht das wieder los mit diesem Karneval. Die Frau hört im Auto Karnevalslieder, und zwar so laut, dass ich das auf dem Paddock locker mithören kann. Und weil die Frau so ist, wie sie ist, singt sie die nächsten 2 Stunden das jeweils letzte Lied, dass sie auf der Fahrt in den Stall gehört hat. Zu ihrem festen Repertoire zählen Viva Colonia, das Altbierlied (wegen der kulturellen Vielfalt), Mer losse d‘r Dom in Kölle sowie eine Perle der Dichtkunst namens „Hömma samma womma nochma biertrinken gehen, biertrinken gehen, biertrinken gehen?“

Da guckt ihr, was? Hab ich auch zuerst. Aber weil wir Pferde ja so empfänglich für Schwingungen sind (Faxe nennt das ganz banal Körperchemie), gehe ich gern darauf ein und lasse mich von ihrer unvernünftig guten Laune anstecken – auch wenn das bedeutet, dass ich verkleidet werde.

Früher war bei uns im Stall immer Kostümreiten. Ich werde nie vergessen, wie Faxe einmal im Tinkerbell-Kostüm den ersten Preis gewonnen hat. Mit Elfenflügelchen! Er spricht nicht gern darüber, aber damals war er ziemlich stolz auf seinen Gewinn. Die Frau und ich waren in dem Jahr Robin Hood, was aber niemand erkannt hat. Froschgrüne Leggings und ein Kinder-Bogenschieß-Set sind eben kein Kostüm, aber auf mich hört ja keiner. Wenigstens der angeklebte Bart war überzeugend.

Im Jahr darauf hat die Frau ihre Mutter dazu angestiftet, mir ein großes grünes Drachenkostüm zu schneidern – aber ich greife vor.

Kostümreiten kennt ihr, oder? Reiten halt. Mit Kostüm. Gern auch paarweise nebeneinander, mit Karnevalsmusik. Man muss sich das so vorstellen: Ich im Biene-Maja-Kostüm und Else als rosa berüschtes 700 –Kilo-Barbiepony daneben. Hinter uns Konrad, mit lauter Wattebäuschen als Wolke vekleidet, daneben Companero, der Schimmel, zum Kleinen Onkel umgeschminkt. Konrads Reiterin hatte sich mit viel Mühe und Flügelchen zum Engel gestylt. Pippi Langstrumpf daneben war ein schöner Kontrast.

Konrad hat angegeben wie nur was, wie unheimlich schick und elegant sein Kostüm wäre und wie gülden doch das Engelshaar seiner Besitzerin leuchten würde. Mit Straß-Heiligenschein. Aber Konrad ist ja immer so. Entweder er hat gerade bei irgendeinem Turnier ein Stoff-Schleifchen gewonnen und erzählt uns, er wäre ein zweiter Totilas oder er hat ein „maßgefertigtes Spezial-Stirnband“ bekommen. Sein Maß ist in diesem Fall WB (wie Warmblut), weil Rosa auch so eins hat und ihre Besitzerin das erwiesenermaßen im Katalog bestellt hat 😛

Das Kostümreiten hat aber trotzdem Spaß gemacht, weil unsereiner bekanntlich auf schlichte Rhythmen abfährt und kein Ohr für die Texte hat. Die Schwingungen, ihr versteht 😉 Unsere ReiterInnen hatten Spaß und wir auch. Else und ich sogar ein bisschen mehr als erlaubt – und damit wären wir wieder beim Drachenkostüm. Das war im Jahr nach dem Biene-Maja-Kostüm und im Vergleich dazu exorbitant. Ich war begeistert. Hey, ich meine – Drache! Cooler geht’s doch nicht mehr, oder? Also kein Wunder, dass mich Else die ganze Zeit so merkwürdig angeguckt hat.

Die Frau hatte sich extra in ein Prinzessinnenkleid geworfen (mit Krönchen!) und wir fielen schon beim Warmreiten auf. Nun bin ich ja ein ausgesprochen attraktives Pferd und durch das Kostüm konnte man nicht sehen, wie die Frau meine Mähne wieder verunstaltet hatte. Die Mädels waren also hin und weg. Ich wollte hingehen und mich mit ihnen verabreden, sie hat mich aber nicht gelassen. Wer hat sich das eigentlich ausgedacht, dass der Reiter bestimmen darf, was gemacht wird? Na, auf jeden Fall gabs da schon erste, leichte Diskussionen zwischen den einzelnen Reitern und ihren Pferden.

Dann gings los und die Frau und ich nahmen ihren Platz neben Else und ihrer Reiterin ein. Else hatte spontan beschlossen, dass sie Angst vor Drachen hat. Ich wollte ihr beistehen und erklären, dass das nur ein Kostüm ist, aber sie war KOM-PLETT hysterisch und hat alle anderen aufgemischt. Ich konnte da nichts für, ich war halt nur zufällig mit dabei.

Dass ich mit flatterndem Drachenkostüm auf die anderen zugaloppiert bin und sie in die Flucht getrieben habe, ist übrigens nicht wahr, ich habe lediglich Else verfolgt, um sie zu beschützen. Und einzig und allein wegen dieses läppischen Vorfalls dürfen wir nicht mehr beim Kostümreiten mitmachen. Nur, weil Else so ängstlich ist.

Ich weiß aber, wie man damit umgehen muss und habe einen genialen Plan. Dieses Jahr Karneval geh ich nämlich als Schecke. Ich hab schon eine hübsche, schlammige Wälzstelle gefunden 🙂 Und dann sing ich Else so lange Karnevalslieder vor, bis sie mich romantisch findet. Wünscht mir Glück!

Berühmter Krimi-Autor Pfridolin Pferd immer noch auf Mörderjagd (Teil 4)

Was bisher geschah:
Faxe und ich stellen fest, dass der Springreiter Ralph Reissmann kopfüber im Misthaufen steckt.
Ich mache ein wohlverdientes Nickerchen in der Box und werde unsanft geweckt, weil die Frau ausreiten will. Kiki, die Reitlehrerin, sucht Ralph, weil sie mit ihm verabredet ist. Faxes Besitzerin und die Frau können ihr da nicht helfen.
Während Kiki unterwegs ist, werden wichtige Gespräche geführt: über Ralph und darüber, wie er seine Pferde behandelt (nämlich schlecht) und über Kiki und ihre toll ausgebildeten Schulpferde (den Gesprächsteil fand ich langweilig). Ich bin übrigens nicht so ein spießiger Streber – das liegt aber aber auch daran, dass ich meine Erziehung der Frau verdanke 😉

Faxe stand währenddessen wie ein Lämmchen und hatte seinen streberhaftesten Blick aufgesetzt. Das blieb noch nicht einmal der Frau verborgen. „Wenigstens du bist brav, nicht wahr, Faxe?“, lobte sie den Hochstapler, die Hand schon in der Hosentasche mit den Leckerlis. Faxe, der ein begnadeter Schauspieler ist, nickte sogar. Das hatte ihm Melanie mal in einer schwachen
Stunde beigebracht und er profitierte davon erheblich, vor allem in schwierigen Gesprächssituationen wie der augenblicklichen. „Wie süß“, Dana schmolz dahin. Melanie, herzlos, wie sie manchmal sein kann: „Ignorier ihn bloß, wenn er unaufgefordert seine Kunststückchen zeigt. Er gibt dann gar keine Ruhe mehr und hört nicht auf zu betteln.“ Mein flauschiger Freund ließ den Kopf hängen.

Tja, Faxe, netter Versuch. Hat aber trotzdem nicht geklappt. Aber niedlich gucken konnte ich auch. Ich ließ den Strick los und meinen ganzen Charme spielen. Wenn ich meinen allerunschuldigsten Augenaufschlag einsetzte und Dana so signalisierte, dass sie die tollste Besitzerin ist, die ich je hatte (das stimmt sogar – an Nr. 1 kann ich mich gar nicht mehr erinnern), sprang meistens ein Leckerli raus. Ich heftete meine Augen auf sie und legte all meine Gefühle in meinen Blick.

„Du armes, armes Pony. Keiner hat dich lieb, stimmt‘s?“

Ja genau, sagten meine Augen. Wo ich doch so ein toller, hübscher Kerl bin und mein Leben mit dir teile und du mein Mensch bist und überhaupt. Auch wenn ich immer so cool tat: Ich hatte Dana schon sehr, sehr lieb und es wäre ganz furchtbar, wenn sie mich nicht genauso lieb hätte. Das wusste sie auch und kraulte mich an meiner Lieblingsstelle und schon war das Leben wieder schön und meine kleine Welt in bester Ordnung.

„Wenn ihr beiden Süßen dann fertig seid mit Kuscheln, könnten wir ja eventuell irgendwann losreiten!“, meldete sich Melanie aus dem Hintergrund. Na gut. Ich setzte eine halbwegs diensteifrige Miene auf und die Frau nahte mit dem Sattelzeug.

Kapitel 2

„Was hältst du eigentlich von dem Neuen?“, fragte die Frau, nachdem wir uns in Marsch gesetzt hatten. Nach einem Blick auf die Uhr war das Satteln und Aufsitzen dann doch relativ zügig vor sich gegangen. Dana und Melanie hatten anscheinend einen längeren Ausritt vor.

Faxe und mir das recht. Miteinander ausreiten war nicht halb so anstrengend wie Gymnastik im Viereck oder auf dem Springplatz. Dem Leistungssport hatten wir vier uns glücklicherweise gemeinschaftlich verweigert. Ok, die Gymnastikeinheiten waren zwar anstrengend, hörten aber auf, sobald wir richtig gut waren. Deshalb gaben wir uns natürlich auch Mühe. Nicht immer, aber doch häufiger. Es war ja nicht so, dass unsere Reiterinnen gottbegnadete Naturtalente waren. Nee nee, wir hatten es mit bürogeschädigten Steifftieren zu tun. Auf jeden Fall war es toll, dass Kiki uns für jeden positiven Ansatz belohnte und unsere Besitzerinnen anmeckerte, wenn sie uns behinderten.

Schlecht war nur, dass sie uns auch immer durchschaute, wenn wir nur so taten, als ob.

Mittlerweile waren wir im Schritt am Feldrand angekommen. Ich war immer noch glücklich, dass die Frau mich doch ganz doll lieb hatte, so wie ich war, und hatte mich absolut vorbildlich benommen. Außerdem war ich neugierig.

„Welcher Neue?“
„Na, der Neue halt. Der gestern hierhin gekommen ist. Der Westernreiter mit der Fuchsstute.“
„Ach, der steht jetzt hier? Ich hatte nur mitbekommen, dass eine neue Stute angekommen ist. Dunkelbraun und riesengroß, eine richtige Wuchtbrumme.“
„Ja, schlank ist die nicht. War wohl im Sport und hat seitdem etwas Speck angesetzt. Wer dazu gehört, weiß ich nicht.“
„Er heißt Björn und hat die Stute für seine Tochter gekauft. Die studiert aber jetzt und hat keine Zeit mehr für das Tier. Also reitet Papa mit ihr spazieren. Das sagt jedenfalls die Gerüchteküche. Gesehen hab ich ihn noch nicht. Und zu der anderen neuen Stute gehört dieser Westernreiter? Der, der letztens zum Training beim Cowgirl hier war?“
„Ja genau.“

Das Cowgirl hieß Marianne, genannt Mary, und war schon lange kein Girl mehr. Dafür aber sehr nett, laut und mit einer dreckigen Lache gesegnet, die ihresgleichen suchte. Und ganz davon abgesehen, eine gefragte Westerntrainerin.

„Geritten ist er ja nett. Aber sonst….“
„Direkt hässlich fand ich ihn nicht“, bemerkte Melanie.
„Aber die Zähne kriegt er nicht auseinander“, urteilte Dana. „Wenigstens die Tageszeit sollte er einem schon sagen können.“
„Vielleicht ist er schüchtern. Ich find ihn auf jeden Fall gar nicht so verkehrt.“
„Ha ha, der und schüchtern. Arrogant schon eher. Hast du die Chaps gesehen, die der anhatte? Mit Fransen! Also ehrlich! Wer sowas anzieht, ist doch mega von sich überzeugt. Einfach nur peinlich.“
„Vielleicht ist er nett und hat die Dinger mal geschenkt bekommen.“

Melanie hatte einen seltsamen Gesichtsausdruck, den ich nicht so recht einschätzen konnte. Faxe schon eher: „Hilfe, sie ist verliebt“, flüsterte er mir zu. „Dann muss ich wieder abnehmen.“