Archiv der Kategorie: Ausreiten

Der Lutschi geht baden

Faxe und Lutschi waren zusammen im Gelände. Ich finde es ja unverantwortlich, das minderjährige spanische Mähnenwunder allein mit dem übergewichtigen Tinker draußen rumtoben zu lassen, aber wie so oft hat man mich nicht nach meiner Meinung gefragt. Faxe und Lutschi meinten, es wären ja Menschen dabei, da würde das schon passen. Nur war einer dieser Menschen die Frau, und über deren mangelndes Urteilsvermögen habe ich keine Zweifel. Aber sei’s drum. Sie wollten sich partout ins Abenteuer stürzen und genau das haben sie auch getan.

Es fängt damit an, dass sich der Lutschi draußen grundsätzlich nur in Zeitlupe bewegt, vor allem beim Bergaufgehen. Mit der Erklärung, solche Höhenunterschiede habe er in Spanien nicht überwinden müssen und sein Körper sei nicht zum Bergsteigen gemacht. Unter uns: Wir sprechen von maximal 50 Höhenmetern pro Stunde. Sogar der dicke Tinker Faxe schafft das in zügigem Tempo, ohne dabei schneller schnaufen zu müssen. Faxe meint, bestimmt läge es daran, dass die Frau so schwer ist und der Lutschi sich daran erst gewöhnen muss. Damit hat er zwar Recht, das erklärt aber nicht, wieso der Lutschi beim Spazierengehen genau so schleicht.

Ich habe da ja eine andere Theorie. Meiner Meinung nach denkt das spanische Mähnenwunder bei jedem Schritt darüber nach, wie es heimlich Gras essen kann. Nun ist der Lutschi aber nicht der Allerschlaueste, weshalb das Denken einfach länger dauert.

Bergab (unglaubliche 50 Höhenmeter pro Stunde, ihr erinnert euch) kommt die Schwerkraft dazu, weshalb zum Nachdenken auch noch das Ausbalancieren kommt. Auch das braucht seine Zeit. Faxe sagt, einmal wäre er tief und fest eingeschlafen, als er auf den Lutschi gewartet hat.

Manchmal befällt den Lutschi aber auch ein Geschwindigkeitsrausch und er hält mit Faxe mit. (Mit Rücksicht auf Lutschis Ausbildungsstand und die schwachen Nerven der Frau finden die Ausritte grundsätzlich im Schritt statt.) Das ist oft der Fall, wenn das Ziel eine besonders grüne Wiese ist.

Beim letzten Ausritt ging es aber nicht zu einer Wiese, sondern in den Wald. Wenn man da ein Stückchen hineinreitet, kommt man zu einem See. Die Böschung ist sehr flach, so dass man gut ins Wasser kann. Hier wollte die Frau herausfinden, ob der Lutschi wasserdicht ist. Um es vorwegzunehmen: Ja, ist er. Während Faxe sich damit begnügte, mit dem Bein im Wasser herumzuplantschen, hat sich der Lutschi hingelegt. Mit Frau und Sattel und allem Zipp und Zapp. Er sagt, es wäre so warm gewesen und das Wasser hätte richtig gut getan. In Spanien wäre er auch oft baden gegangen und die Frau hätte da mal eine wirklich großartige Idee gehabt.

Leider waren – im Gegensatz zum Lutschi – die Reitstiefel der Frau nicht wasserdicht, so dass die gleich das Zetern angefangen und den ganzen Heimweg lang nicht aufgehört hat, während der Lutschi, seinem Naturell als Siesta-Pferd entsprechend, jeden Schritt mit der gebotenen Muße in Angriff nahm.

Faxe kennt das ja schon, aber für den Lutschi war es eine neuartige Erfahrung. Er sagt, er hätte seinen Wortschatz gewaltig erweitert. Und vielleicht hat ja auch die Frau was gelernt 🙂

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Vom Reiten und Wandern im Urlaub

Gerade eben stand ich noch tiefenentspannt in meiner Chill Out Area auf der Weide. Die Fellpflege mit Stuti Rosa Faxe war sehr zu meiner Zufriedenheit verlaufen, und die Herbstsonne schien mir angenehm auf den Pelz, als sich eine vertraute Stimme den Weg in meine Gehörgänge bahnte. Die Frau! Schwer bepackt mit Möhren, einem schlechten Gewissen und allerlei Leckereien! Große Wiedersehensfreude bei allen Beteiligten!

Zugegeben, ohne Arbeit auf der Wiese rumstehen und grasen war nicht sooo schlimm, aber mit der Frau ist es viel unterhaltsamer. Vor allem hat man mehr zu erzählen 😉

Ein bisschen habe ich sie nämlich schon vermisst, während langsam die Staubschicht auf meinem Sattel wuchs. Die Frau hatte anscheinend vergessen, den Sattelschoner drauf zu tun. Bei den ganzen Reisevorbereitungen ist das wohl ein wenig in den Hintergrund getreten. Dabei wollte sie nur ein paar Tage wegfahren. Andere treiben so einen Aufwand vor einer Weltreise. Aber man kann ja nicht an alles denken 😉

Gut sieht sie aus – total entspannt und super gelaunt! Fast hätte ich sie nicht wiedererkannt 😉 Sie will auch erstmal gar nix von mir, sondern führt mich nur breitbeinig wie John Wayne von der Koppel. Wie ich wenig später erfahre, hat sie tatsächlich wieder dieses Wanderreiten gemacht, und zwar diesmal mit mehr Reiten als Wandern. Die anderen Pferdebesitzerinnen und –besitzer stehen neidisch und beeindruckt um sie herum, als sie in Abenteurerpose von ihrer Expedition in die Wildnis berichtet. Sogar ich bin beeindruckt und hätte ihr fast die verwegene Geländereiterin abgenommen. Und ich kenne sie schließlich 😉

Faxe murmelt etwas von Karl May, den kenn ich aber nicht. Die Frau erzählt weiter: Ein wenig Muskelkater hätte sie schon, aber eigentlich fast gar nicht. Als trainierte Reiterin hätte man mit sowas ja grundsätzlich kein Problem. Die Reitstunde morgen hat sie aber trotzdem abgesagt. Die in ein paar Tagen sicherheitshalber auch. Ich muss Faxe nachher mal fragen, was der Mann daran so komisch findet.

Dann hat die Frau weitererzählt. Der Mann durfte aber auch mal was sagen, wenn er dazwischengekommen ist 😉 Sie sprechen nämlich noch miteinander – sogar nach dem Urlaub. Faxe meint, das wäre nicht selbstverständlich.

Die Frau ist ja sehr nett und ich mag sie wirklich, aber 24 Stunden können ganz schön lang sein. Ich sehe sie sonst ja nur nachmittags oder abends, aber der arme Mann muss sie sicherlich die ganze restliche Zeit herumschleppen. Ihm scheint es aber Freude zu machen. Ich habe nämlich noch nie gesehen, dass er sie beißen will. Oder weglaufen 🙂 Und das, obwohl sie ihn vom Futter her ziemlich knapp hält. Sie selbst hat aber im Urlaub anscheinend wieder doppelt Heu bekommen.

Zum Thema Gepäck meinte der Mann, ihm würde ja eigentlich eine Zahnbürste reichen. Ab in die Satteltasche und fertig. Die Frau findet das natürlich unhygienisch und unzivilisiert. Der Mann gibt zu bedenken, dass das Trossfahrzeug mit ihren zwei Schrankkoffern aber schon ganz schön voll gewesen wäre. Die Frau gibt ihm da Recht, weist aber darauf hin, dass es ja so wunderbar gewesen wäre, sich abends zum Essen umzuziehen. So wunderbar, wirklich. Alle hätten das gemacht, alle. Außer der Rittführerin und dem Mann.

Der Mann steht dazu, unzivilisiert und unhygienisch zu sein und bleibt dabei, dass das Abendessen in Reitklamotten (ungeduscht!!!) genauso lecker gewesen wäre wie beispielsweise im Taucheranzug oder im Smoking. Angeblich hätte der Mann aber doch vom umfangreichen gemeinsamen Gepäck profitiert und wäre zwischendurch ganz froh gewesen, wenn er mal was Sauberes anziehen durfte. Bevor sich Unfrieden anbahnen kann (und weil ich ja wissen will, wie es weiterging), lenke ich auf konstruktive Art und Weise ab – ich beiße in das umfangreiche Hinterteil meiner Boxennachbarin Else.

Plötzlich sind sich beide wieder einig und beteuern unisono, so etwas hätte es auf dem Ritt nicht gegeben. Da wären die Pferde ganz wunderbar erzogen gewesen und hätten in den Pausen auch sehr brav nebeneinander am Anbindebalken gestanden, ohne sich anzugiften oder heimlich die Knoten in den Stricken aufzumachen. Die Pferde dort seien ja auch ausgelastet gewesen, ergänzt die Frau. Trainiert und ausgelastet, sagt sie und jammert leise, wenn sie sich bewegt. Das Gehen und auch das Sitzen scheinen ihr irgendwie unangenehm zu sein. Ich glaube, ich hab sowas auch schon mal gehabt. Es heißt Muskelkater und man bekommt es, wenn man nicht ganz so sportlich ist, wie man denkt. Manche Leute meinen zum Beispiel, nur weil sie zuhause mal ’ne Stunde reiten, wären sie total durchtrainiert und könnten problemlos tagelang im Sattel bleiben. Genau in dieser Sekunde erinnert der Mann die Frau daran, dass sie es war, die während des Rittes nicht soviel laufen und stattdessen mehr reiten wollte. Weil sie anscheinend nur die schicken, aber leider unbequemen Reitschuhe eingepackt hat 🙂 Und sicherheitshalber noch ein paar schicke, unbequeme Schuhe zum Wechseln 🙂

Jetzt mache ich mir Sorgen, ob ich vielleicht auch so ein wohlerzogenes Wanderreitpferd werden soll. Ausreiten finde ich ja prima, aber dieses tagelange Rumschleppen hört sich schon ein bisschen anstrengend an. Aber Faxe hat mich beruhigt. Hier bei uns wäre das Ausreitgelände nicht so verlockend, dass die Frau ihre Ängste vor Treckern, LKWs und Außerirdischen überwinden würde. Und bis der Muskelkater weg ist, hat sie schon 5 neue Ideen für unsere reiterliche Zukunft gehabt und wieder verworfen 😉

Aber toll entspannt ist sie.

Frua mit bodenlangem Regenmantel auf dem Weg zur Koppel

Outdoor Special

Heute hab ich mich fast ein bisschen erschrocken, als die Frau im Mega-Outdoor-Outfit auf unsere Koppel gestapft kam. Schließlich ist Fußball-WM und Deutschland darf anscheinend immer noch mitspielen. Nicht wie Konrad auf unserer Weide, der wegen seiner sehr hässlichen Ekzemerdecke und seiner Doofheit von Faxe und mir gemobbt wird. Und weil er mir Else ausgespannt hat. Mit Gummistiefeln und ihrem riesigen Regenmantel, ungefähr so, als wollte sie bis ins Taka-Tuka-Land reiten (falls es da ganzjährig wie aus Eimern schüttet). Weil ich die Frau aber kenne, weiss ich, dass es mit so einer Ausrüstung maximal bis auf den Reitplatz geht 😉 Glücklicherweise stellte sich auch schnell heraus, dass sie sich nur für den weiten Weg zur Wiese und zurück so verkleidet hatte. Das kann ich verstehen, auf 500 Meter Wegstrecke kann viel passieren.

Wir haben ja jetzt so abwechslungsreiches Wetter. 5 Minuten Regen, 5 Minuten Sonne und 5 Minuten unentschieden. Das macht die Frau fertig. Dauernd zieht sie sich an und aus und um. Wenn der Mann herausfindet, dass sie letzte Woche 2 neue Regenjacken gekauft hat („Die war runtergesetzt!“ beziehungsweise „Die Farbe steht mir ganz toll!“) und eine neue Regenhose (sie hatte vergessen, dass die alte im Kofferraum liegt), gibt’s vielleicht wieder Gemecker.

Er hat nämlich jetzt die Macht, weil er neuerdings kochen kann. Er hat es notgedrungen gelernt, weil die einzige warme Mahlzeit, die sie unfallfrei zubereiten kann, mein Mash ist. Dummerweise isst die Frau sehr gern gut, so dass er sie jetzt mit ihrem Lieblingsfutter erpressen kann. Das hat seinem Selbstbewusstsein anscheinend gut getan und er kommt mir öfter mal zu Hilfe, wenn sie wieder im Rosa-Wahn ist. Aber das nur mal am Rande.

Mittlerweile hat die Frau auch eine hübsche Kollektion von diversen Regen- und Strohhüten. Mein persönlicher Favorit ist der Cowboyhut aus Stroh. Sieht lustig aus und schmeckt. Dazu eine quietschbunte, undichte Regenjacke (richtig geraten, das ist die mit der schönen Farbe) und die raschelige Regenhose, mit der sie wie ein Michelin-Männchen watschelt. Der Burner 😉

Das hat anscheinend was mit diesem Zwiebellook zu tun, wo man die Kleidung in verschiedenen Schichten übereinander trägt. Ich finde, sie setzt das gekonnt um. Faxe und mir sind jedenfalls die Tränen gekommen, vor Lachen. Stuti kann ich grade nicht mehr sehen, die ist sensibler als wir und schnell weggelaufen 😉

Ordnung muss sein oder: Wenn ich es aufräume, find ich es ja nie wieder!

Die Frau hat ein Problem. Eigentlich ja nicht nur eins ;), aber jetzt hat sie ein neues. Und zwar ist unsere Sattelkammer so körmelig, dass der Stallbesitzer Auf- und Ausräumen angeordnet hat. Selbst der Mann meint, dass die Frau es ein bisschen mit dem Kauf von Pferdezubehör übertreibt und stattdessen das Geld in Möhren für mich investieren sollte. Und das finde ich sehr mutig von ihm, denn er muss mehr Zeit mit der Frau verbringen als ich 😉

Ich persönlich finde es praktisch, wenn ich im Winter oder bei fiesem Wetter eine Decke habe. Ich krieg ja so schnell Rücken. Auch die Fliegendecke, die mich so cool rittermäßig aussehen lässt, hat ihre Vorteile. Und eine Abschwitzdecke brauchen wir auch, weil die Frau sich im Unterricht immer so doll anstrengt und schwitzt 😉

Aber 9 Winterdecken in diversen Farbschattierungen mit unterschiedlichen Füllungen plus die 13 aus den Vorjahren, die zum Wegwerfen zu schade sind, weil sie ja eigentlich noch gut sind (aber halt die falsche Farbe haben), brauche ich vielleicht doch nicht. Auf jeden Fall nicht das ganze Jahr über griffbereit in einer kleinen Sattelkammer, deren Tür glücklicherweise nach innen aufgeht. Ansonsten würde die Frau ja erschlagen, wenn die Deckenstapel beim Türöffnen über ihr zusammenbrechen 😉 Die Frau sagt, der Keller zuhause wäre voll mit Pferdesachen, da würden die nicht mehr reinpassen. Der Mann hat mal ganz vorsichtig vorgeschlagen, doch einfach in eine Lagerhalle umzuziehen. Da war was los 😉

Die Frau kann jetzt nicht mehr schlafen. Sie rechnet anscheinend stündlich mit einem Wintereinbruch und macht sich Sorgen, dass sie dann nicht schnell genug an eine Winterdecke für mich kommt. Außerdem hat sie Angst vor den ganzen Sachen, die sie beim Aufräumen findet und davor, dass der Mann merkt, dass sie einfach was Neues kauft, wenn sie wieder irgendwas verschlampt hat wieder irgendwas verschwunden ist. So ganz unter uns: Sie ist schon ziemlich schusselig. Da hätt ich an ihrer Stelle auch Angst, dass ich irgendwann nicht mehr nach Hause finde, so wie bei unseren planlosen Ausritten 😉

Und dann ist da noch das Problem mit den bunten Schabracken. Ich finde, wir brauchen die nicht. Auch den Sattel nicht. Reiten wird ja generell überbewertet. Doch, sagt die Frau. Dunkelbraun wäre eine tolle Farbe, da passt alles drauf. Das stimmt aber gar nicht. Ich habe eine Rosa- und Pink-Allergie. Ich krieg von so Farben nämlich immer Depressionen. Bin schließlich fast ein Hengst 😉

Mein Vorschlag: Sattel weg und eine Umschulung zum Frührentner. Dann meckert der Stallbesitzer auch nicht mehr über überfüllte Sattelkammern 😉

Faxe beim Ausritt

Hasenherz on tour

Letztens war Stallausritt. Offensichtlich ist die Frau nicht an Stutis Beruhigungskräuter rangekommen, denn ich durfte nicht mitmachen. Stuti schon. Else auch, Faxe, Konrad – irgendwie jeder außer mir. Dabei brauch gar nicht ich die Beruhigungskräuter, sondern die Frau.

Die hatte aber leider tausend Gründe, warum sie nicht mitmachen konnte. Sie hat es eigentlich ganz geschickt angefangen, als sie sich als Trossfahrer und allgemeines Bodenpersonal eingetragen hat. Es sollte nämlich unterwegs eine Pause mit Essen geben – darauf hatte sich Faxe besonders gefreut. Für die Menschen sollte es auch etwas geben, und dafür war die Frau zuständig. Ich weiß nicht, was an Gras falsch ist, aber Menschen wollen ja immer ihre Extrawürste. Da die anderen Menschen genauso gern essen und trinken wie die Frau, dabei aber schlanker geblieben sind, fanden anscheinend alle, dass das eine tolle Idee wäre.

Sie wurde sogar dafür bedauert, dass sie sich „aufgeopfert und für die Stallgemeinschaft auf die aktive Teilnahme am Ritt verzichtet hat“ – so jedenfalls die offizielle Version. Und das hatte rein gar nichts damit zu tun, dass sie schon Schnappatmung bekommt, wenn sie nur ans Ausreiten in einer größeren Gruppe denkt. Nein, nein, überhaupt nicht 😉

Stattdessen wurden weitere Gründe gesucht, warum sie leider nicht mitkonnte. Zum Beispiel, dass ich nicht trittsicher wäre – klar, die höchsten Berge am Stall sind um die 50 Meter hoch, da kann man schnell mal einen Höhenkoller kriegen. Auch meine zarte Gesundheit wurde erwähnt und ihre Sorge, dass ich einen so langen Ritt konditionell nicht überstehen würde. Hallo – die Rede war von 2 Stunden, nicht von 2 Jahren! Außerdem wäre ich zu wild (aha) und schlecht erzogen (wessen Schuld ist das bitte?) und die anderen Pferde wären viel zu langsam für mich (gerade eben war ich doch noch so schwach und hinfällig?)

Sie hat ja ein solches Hasenherzchen. Nur schade, dass sie das nicht zugibt und mich stattdessen bei den Kumpels in Verruf bringt und so meine Autorität in der Herde untergräbt. Also nicht, dass ich der Chuck Norris unter den Pferden bin, aber schon so mittleres Mittelfeld, und das würde ich auch ganz gern bleiben. Um die Gerüchte über meine schwächliche Konstitution und allgemeine Ängstlichkeit wieder aus der Welt zu kriegen, musste ich dieses Mal auf der Wiese richtig die Sau rauslassen, damit mich wenigstens Stuti und die Jungpferde ernst nehmen. Und mein von der Frau angeschafftes neues rosa Fliegenhäubchen ist auch nicht unbedingt imagefördernd.

Nur gut, dass Faxe sich bei uns in der Gegend auskennt und der Mann zur Not eine Landkarte lesen kann – wenn wir auf furchtlose Entdeckernaturen wie die Frau angewiesen wären, würden wir heute noch auf dem Parkplatz stehen und auf meine Reiterin warten, die vor lauter Aufregung noch 20 x aufs Klo muss… Vielleicht denkt die Frau auch, dass auf dem Platz rumreiten fast schon ein Ausritt ist, weil es unter freiem Himmel stattfindet. Also quasi in der Wildnis. Es würde mich nicht wundern 😉

P.S.: Das auf dem Foto ist übrigens Faxe. Das wundert euch jetzt nicht mehr, stimmts? 😉

Ein schöner Rücken und so

Die Frau hat echt gute Lungen. Und was für einen Wortschatz sie hat! Ich könnte ihr stundenlang dabei zugucken, wie sie versucht, mich einzufangen 🙂

Es fing damit an, dass sie mir erklärte, meine Hinterhand müsste aktiver werden und ich müsste dort mehr Muskulatur haben. Fand ich zwar nicht, aber Else, meine andere Freundin (ja genau, meine ZWEITE Freundin 😉 ), hat neuerdings nur noch Augen für so einen Angebertyp von Sportpferd, und ich mache mir Sorgen, dass Stuti ihn vielleicht auch toll finden könnte 😦

Los ging es. Die kleine Frau, die uns der Frau Reitunterricht gibt, ließ uns in jeder Stunde mindestens eine Million Übergänge reiten. Später kamen dann noch Stangen und Cavaletti dazu. Anstrengend, sage ich euch 😦

Ungefähr nach der dritten Reitstunde, als ich fand, ich sähe schon ganz schön muskulös und sportlich aus, sagte die kleine Frau, bergauf und bergab klettern im Gelände wäre auch super für Rücken und Hinterhand. Bevor ich noch dazu kam, mich zu freuen, fing die Frau schon an, so hektisch zu schnaufen wie Faxe, als er einmal schlimm allergisch war. Die Frau traut sich nämlich nur ins Gelände, wenn sie vorher an Stutis Beruhigungskräutern war 😉 Sonst fällt sie vor Angst fast runter.

Faxe hat bei seiner Allergie neulich eine Spritze und weißes Pulver bekommen. Ich glaube, die Frau auch, denn heute war ihre Lunge wieder toll in Ordnung 😉 Ich habe unseren Trainingsplan nämlich kurzerhand um Bergauf- und Bergabklettern auf der Weide ergänzt und bin nicht gekommen, als mich gerufen hat.

Von hier oben auf dem Hügel kann man ganz toll weit gucken und die Frau dabei beobachten, wie sie bergauf klettert und dabei schimpft. Insgeheim freut sie sich sicherlich, dass sie auf die Art auch ihre Hinterhand trainiert. Sie kann das aber manchmal nicht so zeigen 😉

Der Weg ist das Ziel

In meinem Fall ist das der Weg nach Hause 🙂 Ich kann gar nicht verstehen, warum die Frau so ein Bohei ums Ausreiten oder Spazierengehen macht. Ich weiß, wo ich wohne, die Frau hat den Stall zusammen mit mir ausgesucht, mir gefällt es da, und wenn das arme verwirrte Wesen, das meine monatlichen Rechnungen bezahlt, meint, ihre Erinnerung sei diesbezüglich getrübt, dann helfe ich ihr gern auf die Sprünge. Ich will ja nicht, dass sie mich aus Versehen irgendwo an der Leitplanke anbindet, bloß weil sie den Heimweg nicht findet. Womöglich mit einem Schild um den Hals „Zuhause gesucht“ :/

Ja, zugegeben, ich war einmal SEHR böse auf dem Nachhauseweg, weshalb die Frau jetzt gefühlte 30 Jahre Erziehungsdefizit in 3 Monaten aufholen will. Das macht aber keinen Spaß.

Vor allem nicht, seit sie das böse Gebiss entdeckt hat. Wenn ich damit beim Spazierengehen dynamisch rumhüpfe, um ihr den Heimweg zu zeigen, tut das weh und ich muss ganz viele zusätzliche Kringel laufen und mindestens 5.000 Mal rückwärtsgehen. Manchmal bin ich mir aber nicht sicher, ob das taktische Manöver der Frau sind, weil sie sich verlaufen hat und hofft, so per Zufall den Stall wiederzufinden… 🙂 Und dann muss ich mich auch noch ihrem Tempo anpassen, weil sie sich mit ihren kurzen Beinchen einfach nicht vernünftig bewegen kann. Jede dreibeinige Schnecke ist schneller!

Wobei: Langsam gehen heißt ja für meinereinen „Gras to go“. Fortbewegung und Nahrungsaufnahme in einer fließenden, einheitlichen Bewegung, die der Gehgeschwindigkeit der Frau perfekt angepasst ist. Mit anderen Worten: Man wird ordentlich satt dabei 🙂