Archiv der Kategorie: Krimiautor Pfridolin

Kommissar Pfridolin bleibt am Ball (Teil 6)

Was bisher geschah:
Faxe und ich stellen fest, dass der Springreiter Ralph Reissmann kopfüber im Misthaufen steckt.
Ich mache ein wohlverdientes Nickerchen in der Box und werde unsanft geweckt, weil die Frau ausreiten will. Kiki, die Reitlehrerin, sucht Ralph, weil sie mit ihm verabredet ist. Faxes Besitzerin und die Frau können ihr da nicht helfen.
Während Kiki unterwegs ist, werden wichtige Gespräche geführt: über Ralph und darüber, wie er seine Pferde behandelt (nämlich schlecht) und über Kiki und ihre toll ausgebildeten Schulpferde (den Gesprächsteil fand ich langweilig). Ich bin übrigens nicht so ein spießiger Streber – das liegt aber aber auch daran, dass ich meine Erziehung der Frau verdanke 😉
Dann machen Faxe und ich einen Ausritt, bei dem wir feststellen, dass Melanie in den neuen Einstaller verliebt ist und Faxe deshalb abnehmen muss. Bei der Rückkehr in den Stall werden wir von der Polizei angehalten.

„Sie können hier nicht durch“, sagte ein Polizist, der uns zu Fuß entgegen kam.
„Müssen wir aber. Unsere Pferde stehen hier. Was ist hier überhaupt los?“, fragte die Frau.
„Wir ermitteln in einem Mordfall. Und was Sie müssen oder nicht, sage ich Ihnen schon.“ Was für ein unsympathischer Kerl. Klein, garstig und mit zu hohem Blutdruck. Er wechselte gerade die Gesichtsfarbe von hellrot zu tiefdunkelrot.
„Guten Tag erst mal. Wir müssten aber bitte wirklich hier durch. Die Pferde wohnen hier. Wenn Sie uns nicht glauben, können Sie jeden fragen, der da vorn steht“, versuchte es Melanie.
Ein zweiter Polizist kam dazu. Er sah ganz freundlich aus und machte einen vernünftigen Eindruck.
„Guten Tag!“, lächelte er Melanie und Dana an. „Ich sehe schon, sie müssen hier durch. Die Pferde wollen nach Hause, das sieht sogar ein Blinder“ – kleiner Seitenhieb zu dem Giftzwerg, der böse guckte, sich aber nicht zu widersprechen traute. Das lag wahrscheinlich daran, dass der nette Polizist ranghöher als der Giftzwerg war – wie bei uns in der Wallachherde halt. Wir Pferde kennen uns mit sowas aus.
„Gehen Sie bitte in einem ganz großen Bogen um die Absperrung herum. Wir werden Sie später auch noch befragen.“
Faxe und ich wurden langsam zappelig und waren froh, als es endlich weiterging. Soviel Aufregung ist gar nicht gut für unsereinen. Außerdem hatten wir mächtig Hunger. Unsere Reite-rinnen ritten wie befohlen in einem großen Bogen um die Absperrung herum, was wir recht zügig hinter uns brachten. Quasi im starken Schritt steuerten wir auf unsere Stallgasse zu. Erst mal was essen, der Rest würde sich dann finden, da waren Faxe und ich uns einig. Dann würden wir herausfinden, weshalb die Menschen so aufgeregt waren.
Dana und Melanie waren anscheinend neugieriger als wir. Vielleicht hatten sie aber auch nur mehr Hunger. Bei Menschen weiß man das nie. So schwer wie sich die Frau in letzter Zeit anfühlte, hatte sie bestimmt immer doppelt Heu gegessen. Sie sollte es mal mit einem Heunetz versuchen. Dann wüsste sie, wieviel Spaß es macht, mit seinem Essen zu kämpfen. Heunetze wehren sich nämlich. So schnell wie heute hatten uns die beiden nämlich noch nie abgesattelt und gefüttert. Formalitäten wie Beine abspritzen und Box ausmisten fiel anscheinend auch aus. Wenigstens die Hufe haben sie kontrolliert, ob da auch keine Steine drinhingen. Und dann waren sie weg. In die Futterkammer? Zum Misthaufen? Wer weiß das schon.
„Weißt du, Pfridolin“, mümmelte Faxe über ein paar Halme Heu hinweg, „ein Gutes hat das Ganze ja: Hier ist wenigstens Ruhe.“
Wahre Worte. Faxe hat bisweilen eine philosophische Ader und eine große innere Ruhe. Ich habe allerdings auch schon mitbekommen, dass andere das für raffiniert getarnte Faulheit halten. Ich ging hinaus auf meinen Paddock, um über den Nachmittag nachzudenken. Mein anderer Boxennachbar, Companero, der Spanier, stand auch draußen und guckte sich die Landschaft an.
Währenddessen war Dana, Melanie im Schlepptau, zum Misthaufen gelaufen.
„Hallo Marie, was ist denn bloß los? Wer ist tot?“
Marie stand am weitesten vom Misthaufen entfernt, hatte somit die schlechteste Sicht, war aber gleichzeitig am leichtesten zu erreichen.
„Ich glaube, es ist Ralph. Plötzlich war die Polizei da und ein Krankenwagen auch. Wir durften hier nicht mehr entlang gehen und uns hat keiner was gesagt. Ich habe gehört, im Mist-haufen wäre eine Leiche gewesen, angeblich Ralph, und Kiki hätte ihn gefunden. Sie ist im Haus und der Notarzt ist mit reingegangen. Vielleicht gibt er ihr ein Beruhigungsmittel.“
Marie, Companeros und Blackys Besitzerin, war sehr nett und eine gute Freundin von Dana und mir.
„Ich kann’s noch gar nicht richtig glauben. Das kommt mir alles so unwirklich vor! Und Blacky ist auch verschwunden und ich kann ihn einfach nicht finden!“
„Nee, ne?“ sagte Dana und als nächstes „Na, na.“ Und dann nochmal: “Na, na, er wird schon wieder auftauchen. Er haut doch dauernd ab und ist abends wieder da, der Blacky.“
Marie schniefte: „Schon gut, das sind nur die Nerven.“
Dana hatte mittlerweile auch realisiert, was los war und war entsprechend angeschlagen, obwohl sie das natürlich niemals zugegeben hätte. Sie konnte es nicht glauben, dass jemand – wahrscheinlich Ralph – hier im Reitstall, in ihrer kleinen heilen Welt, ermordet wurde.
„Können wir vielleicht nochmal von vorn anfangen? Ralph wurde ermordet? Er ist richtig tot? Von einem richtigen Mörder ermordet? Hier, in unserem Stall?“
Marie kam nicht dazu, zu antworten, denn Melanie echote: „Ralp ist tot? Ich mochte ihn ja wirklich nicht, aber das ist jetzt doch ein Schock. Hatte er eigentlich Familie?“
Das war eine gute Frage, die die drei zumindestens zeitweise auf andere Gedanken brachte, aber beantworten konnten sie sie nicht.
„Weiß man, wie es passiert ist? Ermordet. Ermordet! Du meine Güte, das muss man sich mal vorstellen! Hier gibt’s einen Mörder!“ Dana war fassungslos. Sie las einfach zu viele Krimis und konnte sich spontan mindestens 25 Möglichkeiten vorstellen, wie Ralph zu Tode gekommen sein könnte.
Melanie kommentierte trocken „Da soll noch mal einer sagen, das Leben wäre kein Ponyhof. Wir haben jetzt auch mal Kontakt zur realen Welt. Am besten warten wir erst mal ab, bis uns die Polizei sagt, was los ist. Dann kannst du dich immer noch aufregen!“ und knuffte Dana spielerisch in die Seite. Das war taktisch ungeschickt, die lief nämlich allmählich zur Höchstform auf.
„Ja aber. Das kann doch nicht wahr sein! Jemand, den wir kennen, ist tot! Und es war Mord! Und wir stehen hier nur dumm rum! Wir müssen doch was tun können außer warten und seinen Namen falsch aussprechen!“
„Sieht nicht so aus“, bemerkte Melanie nüchtern. „Ich habe ihn immer Ralp genannt und werde das jetzt nicht ändern, bloß, weil er tot ist.“
„Wie furchtbar! Hier läuft ein Mörder frei rum! Wer weiß, was noch alles passiert! Habt ihr gar keine Angst?“ regte sich Dana weiter auf.
„Nö. Weil: dafür ist die Polizei da. Die wird schon wissen, was sie tut. Und mal ganz ehrlich: Ich glaube, niemand wird Ralp eine Träne hinterherweinen. Wenn er es tatsächlich ist.“
„Ja schon“, lenkte Dana ein und Marie ergänzte: „Vielleicht war es ja auch ein Unfall.“
„Ausgeschlossen! Der fiese kleine Polizist von vorhin hat ja ausdrücklich von einem Mord gesprochen. Das hast du doch auch gehört, Melanie!“
„Jetzt beruhigt euch doch mal, Mädels! Keiner weiß was genaues, also muss sich auch niemand aufregen.“ Der Neue war plötzlich aufgetaucht und stand genau hinter Dana, so dass sie sich umdrehen musste, um ihn böse anzufunkeln.
„Ah ja. Aber du weißt hier Bescheid, oder wie? Und wo wir grade beim Thema sind: Könntest du uns eventuell mal die Tageszeit sagen und uns erklären, wieso du hier mit einem Mal der coole Frauenversteher bist?“, fauchte Dana. Um nach einer kurzen Pause hinzuzufügen: „Und außerdem WILL ich mich aufregen!“

Fortsetzung folgt…

Faxe beim Ausritt

Der Krimi geht weiter: Wir machen einen Ausritt – die Polizei ist auch dabei (Teil 5)

Was bisher geschah:
Faxe und ich stellen fest, dass der Springreiter Ralph Reissmann kopfüber im Misthaufen steckt.
Ich mache ein wohlverdientes Nickerchen in der Box und werde unsanft geweckt, weil die Frau ausreiten will. Kiki, die Reitlehrerin, sucht Ralph, weil sie mit ihm verabredet ist. Faxes Besitzerin und die Frau können ihr da nicht helfen.
Während Kiki unterwegs ist, werden wichtige Gespräche geführt: über Ralph und darüber, wie er seine Pferde behandelt (nämlich schlecht) und über Kiki und ihre toll ausgebildeten Schulpferde (den Gesprächsteil fand ich langweilig). Ich bin übrigens nicht so ein spießiger Streber – das liegt aber aber auch daran, dass ich meine Erziehung der Frau verdanke 😉
Dann machen Faxe und ich einen Ausritt, bei dem wir feststellen, dass Melanie in den neuen Einstaller verliebt ist und Faxe deshalb abnehmen muss.

„Wieso denn das?“, flüsterte ich zurück.
„Sie macht dann Diät und ich muss auch schlank sein. Ich kenn das schon.“
„Schöne Scheiße. Hoffentlich ist das schnell vorbei!“

Das meinte ich wirklich ernst. Faxe war mein allerbester Kumpel. Dem sollte es immer gut gehen. Außerdem wollte er mich immer zwicken, wenn er Hunger und deshalb schlechte Laune hatte. Das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen und wer bekam dann den ganzen Ärger? Ich natürlich. „Böser Pfridolin, sei nicht so garstig zu dem armen Faxe“ und so weiter.

Ich tröstete ihn und mich mit dem Hinweis, dass es Weidesaison war, so dass es nicht allzu hart für ihn werden würde. Außerdem wollte er sich von Blacky hinsichtlich seiner Ausbruchstechnik beraten lassen, so dass er nicht auf das ihm zugewiesene Stückchen Koppel angewiesen wäre.

„Oooooh Gras!“, meinte Faxe. Dana und Melanie waren aber wirklich recht unkonzentriert gewesen. Faxe rupfte im Gehen an den Grasbüscheln herum und meinte mit vollem Mund, man wisse ja nie, wann es das nächste Mal etwas zu essen gäbe. Vor allem jetzt, wo Melanie so komisch drauf wäre, ergänzte er trübsinnig. Ich steckte noch voller guter Vorsätze und rupfte deshalb nur sehr dezent die Halme ab, die mir quasi direkt ins Maul wuchsen.

„Hey Jungs, nicht immer essen, wenn wir quatschen“, mahnte Melanie. Faxes Blick sagte: „Siehst du, es geht schon los.“

„Wie wär‘s mit einem kleinen Trab?“ fragte Dana. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen und als der Boden weich und der Weg breit genug war, kam auch noch ein mittelgroßer Galopp dazu. Heute war die Frau aber wirklich mutig! Diese Beruhigungskräuter aus der Futterkammer scheinens echt zu bringen. Oder es liegt an Faxe und Melanie, die gewohnheitsmäßig so dermaßen tiefenentspannt sind, dass das auf sie abfärbt.

Also ging es im Galopp weiter. Das war toll! Ich machte kleine, weiche Freudenhüpfer, damit die Frau merkte, dass ich sehr glücklich war, ihr das zeigen wollte und nicht wollte, dass sie in Sitznot gerät. Sie lachte und streichelte meinen Hals. Komisch, nicht? Manche Reiter hauen ihren Pferden mit der Hand auf den Hals, wenn sie sie loben wollen. Als ob wir den Unterschied zwischen Streicheln und Hauen nicht kennen würden.

Da war der weiche Weg auch schon zu Ende und wir parierten durch zum Schritt. Weiter ging es über grüne Hügel und blühende Büsche. Die Sonne sank und die Luft war so schön, dass man sich darin hätte wälzen mögen. Glücklich und entspannt bummelten wir durch Felder und Wiesen und waren auch schon fast zuhause, als Faxe mich fragte: „Hörst du das auch?“
„Was?“
„Na, den ganzen Krach. Hör doch mal. Am Stall ist irgendwas los. Viele aufgeregte Menschen, die laut miteinander sprechen.“
„Jetzt, wo du es sagst. Bin doch tatsächlich vor lauter Entspannung ein bisschen weggedöst. Wann Melanie und Dana es wohl merken?“
„Sollen wir es Ihnen sagen?“, schlug Faxe, für seine Verhältnisse ungewohnt dynamisch, vor, und deutete ein unternehmungslustiges Tänzeln mit Tendenz zum Wegspringen an. Für das menschliche Auge war das wahrscheinlich nicht wahrnehmbar, weil er sich aus Prinzip selten schneller als ein Sack Möhren bewegte, aber ich wusste, was er meinte.
„Nö, ich tu jetzt so, als wäre ich ein braves Pferd. Dann gibt es hinterher mehr Leckerlis.“ Die Frau ist nämlich leicht zu beeinflussen und meistens Wachs in meinen Händen. Äh Hufen.

Wir bogen in den kleinen Weg ein, der an unseren Weiden vorbei hinter der Reithalle zum Stall führte. Und da sah man es auch schon. Der Bereich um den Misthaufen war abgesperrt und voller Menschen. Ich hätte nicht gedacht, dass unser guter alter Misthaufen einmal so im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen würde. Ein Streifenwagen versperrte uns den Weg.
„Was ist denn da los?“ fragten Dana und Melanie wie aus einem Mund.

Fortsetzung folgt …

Berühmter Krimi-Autor Pfridolin Pferd immer noch auf Mörderjagd (Teil 4)

Was bisher geschah:
Faxe und ich stellen fest, dass der Springreiter Ralph Reissmann kopfüber im Misthaufen steckt.
Ich mache ein wohlverdientes Nickerchen in der Box und werde unsanft geweckt, weil die Frau ausreiten will. Kiki, die Reitlehrerin, sucht Ralph, weil sie mit ihm verabredet ist. Faxes Besitzerin und die Frau können ihr da nicht helfen.
Während Kiki unterwegs ist, werden wichtige Gespräche geführt: über Ralph und darüber, wie er seine Pferde behandelt (nämlich schlecht) und über Kiki und ihre toll ausgebildeten Schulpferde (den Gesprächsteil fand ich langweilig). Ich bin übrigens nicht so ein spießiger Streber – das liegt aber aber auch daran, dass ich meine Erziehung der Frau verdanke 😉

Faxe stand währenddessen wie ein Lämmchen und hatte seinen streberhaftesten Blick aufgesetzt. Das blieb noch nicht einmal der Frau verborgen. „Wenigstens du bist brav, nicht wahr, Faxe?“, lobte sie den Hochstapler, die Hand schon in der Hosentasche mit den Leckerlis. Faxe, der ein begnadeter Schauspieler ist, nickte sogar. Das hatte ihm Melanie mal in einer schwachen
Stunde beigebracht und er profitierte davon erheblich, vor allem in schwierigen Gesprächssituationen wie der augenblicklichen. „Wie süß“, Dana schmolz dahin. Melanie, herzlos, wie sie manchmal sein kann: „Ignorier ihn bloß, wenn er unaufgefordert seine Kunststückchen zeigt. Er gibt dann gar keine Ruhe mehr und hört nicht auf zu betteln.“ Mein flauschiger Freund ließ den Kopf hängen.

Tja, Faxe, netter Versuch. Hat aber trotzdem nicht geklappt. Aber niedlich gucken konnte ich auch. Ich ließ den Strick los und meinen ganzen Charme spielen. Wenn ich meinen allerunschuldigsten Augenaufschlag einsetzte und Dana so signalisierte, dass sie die tollste Besitzerin ist, die ich je hatte (das stimmt sogar – an Nr. 1 kann ich mich gar nicht mehr erinnern), sprang meistens ein Leckerli raus. Ich heftete meine Augen auf sie und legte all meine Gefühle in meinen Blick.

„Du armes, armes Pony. Keiner hat dich lieb, stimmt‘s?“

Ja genau, sagten meine Augen. Wo ich doch so ein toller, hübscher Kerl bin und mein Leben mit dir teile und du mein Mensch bist und überhaupt. Auch wenn ich immer so cool tat: Ich hatte Dana schon sehr, sehr lieb und es wäre ganz furchtbar, wenn sie mich nicht genauso lieb hätte. Das wusste sie auch und kraulte mich an meiner Lieblingsstelle und schon war das Leben wieder schön und meine kleine Welt in bester Ordnung.

„Wenn ihr beiden Süßen dann fertig seid mit Kuscheln, könnten wir ja eventuell irgendwann losreiten!“, meldete sich Melanie aus dem Hintergrund. Na gut. Ich setzte eine halbwegs diensteifrige Miene auf und die Frau nahte mit dem Sattelzeug.

Kapitel 2

„Was hältst du eigentlich von dem Neuen?“, fragte die Frau, nachdem wir uns in Marsch gesetzt hatten. Nach einem Blick auf die Uhr war das Satteln und Aufsitzen dann doch relativ zügig vor sich gegangen. Dana und Melanie hatten anscheinend einen längeren Ausritt vor.

Faxe und mir das recht. Miteinander ausreiten war nicht halb so anstrengend wie Gymnastik im Viereck oder auf dem Springplatz. Dem Leistungssport hatten wir vier uns glücklicherweise gemeinschaftlich verweigert. Ok, die Gymnastikeinheiten waren zwar anstrengend, hörten aber auf, sobald wir richtig gut waren. Deshalb gaben wir uns natürlich auch Mühe. Nicht immer, aber doch häufiger. Es war ja nicht so, dass unsere Reiterinnen gottbegnadete Naturtalente waren. Nee nee, wir hatten es mit bürogeschädigten Steifftieren zu tun. Auf jeden Fall war es toll, dass Kiki uns für jeden positiven Ansatz belohnte und unsere Besitzerinnen anmeckerte, wenn sie uns behinderten.

Schlecht war nur, dass sie uns auch immer durchschaute, wenn wir nur so taten, als ob.

Mittlerweile waren wir im Schritt am Feldrand angekommen. Ich war immer noch glücklich, dass die Frau mich doch ganz doll lieb hatte, so wie ich war, und hatte mich absolut vorbildlich benommen. Außerdem war ich neugierig.

„Welcher Neue?“
„Na, der Neue halt. Der gestern hierhin gekommen ist. Der Westernreiter mit der Fuchsstute.“
„Ach, der steht jetzt hier? Ich hatte nur mitbekommen, dass eine neue Stute angekommen ist. Dunkelbraun und riesengroß, eine richtige Wuchtbrumme.“
„Ja, schlank ist die nicht. War wohl im Sport und hat seitdem etwas Speck angesetzt. Wer dazu gehört, weiß ich nicht.“
„Er heißt Björn und hat die Stute für seine Tochter gekauft. Die studiert aber jetzt und hat keine Zeit mehr für das Tier. Also reitet Papa mit ihr spazieren. Das sagt jedenfalls die Gerüchteküche. Gesehen hab ich ihn noch nicht. Und zu der anderen neuen Stute gehört dieser Westernreiter? Der, der letztens zum Training beim Cowgirl hier war?“
„Ja genau.“

Das Cowgirl hieß Marianne, genannt Mary, und war schon lange kein Girl mehr. Dafür aber sehr nett, laut und mit einer dreckigen Lache gesegnet, die ihresgleichen suchte. Und ganz davon abgesehen, eine gefragte Westerntrainerin.

„Geritten ist er ja nett. Aber sonst….“
„Direkt hässlich fand ich ihn nicht“, bemerkte Melanie.
„Aber die Zähne kriegt er nicht auseinander“, urteilte Dana. „Wenigstens die Tageszeit sollte er einem schon sagen können.“
„Vielleicht ist er schüchtern. Ich find ihn auf jeden Fall gar nicht so verkehrt.“
„Ha ha, der und schüchtern. Arrogant schon eher. Hast du die Chaps gesehen, die der anhatte? Mit Fransen! Also ehrlich! Wer sowas anzieht, ist doch mega von sich überzeugt. Einfach nur peinlich.“
„Vielleicht ist er nett und hat die Dinger mal geschenkt bekommen.“

Melanie hatte einen seltsamen Gesichtsausdruck, den ich nicht so recht einschätzen konnte. Faxe schon eher: „Hilfe, sie ist verliebt“, flüsterte er mir zu. „Dann muss ich wieder abnehmen.“

Kommissar Pfridolin immer noch auf Verbrecherjagd (Teil 3)

Was bisher geschah:
Faxe und ich stellen fest, dass der Springreiter Ralph Reissmann kopfüber im Misthaufen steckt.
Ich mache ein wohlverdientes Nickerchen in der Box und werde unsanft geweckt, weil die Frau ausreiten will. Kiki, die Reitlehrerin, sucht Ralph, weil sie mit ihm verabredet ist. Faxes Besitzerin und die Frau können ihr da nicht helfen.

„Will Kiki sich noch ein Pferd kaufen oder meinst du, es ist für Ralp?“, fragte Melanie.
„Du sollst nicht immer Ralp sagen. Auch wenn er ein garstiger Kerl ist, wird es trotzdem Ralf ausgesprochen.“
„Aber Ral-p-h geschrieben und ja, ich kann ihn nicht leiden. Ich könnte ihn noch ganz anders nennen.“
„Wer kann ihn schon leiden. Ich hoffe nur, er kauft sich nicht noch ein Pferd! Er kümmert sich ja um die vier, die er jetzt hat, schon nicht vernünftig. Guck dir nur mal Cassidy an, der sieht aus wie Haut und Knochen. Und der arme kleine Fabio muss dringend zum Schmied, der kann ja mit den langen Hufen gar nicht mehr vernünftig laufen, geschweige denn springen.“
„Dann hat er wenigstens einen Grund, ihn wieder zu verprügeln. Ich hasse diesen Kerl! Am liebsten würde ich ihm den Hals umdrehen und ihm seine Tiere wegnehmen. Die beiden Stuten sehen auch traurig aus, mit dem alten Satteldruck.“
„Alter Satteldruck? Von wegen. Hast du dir mal Quadrigas Rücken angeguckt? Die hat offene Stellen und er reitet sie noch“, empörte sich die Frau.
„Dieses Schwein“, waren wir uns alle einig.

„Vielleicht braucht Kiki ja noch ein Schulpferd“, überlegte die Frau weiter. „Daisy wurde verkauft, Karlchen ist noch in der Ausbildung und John-Boy geht nicht mehr im Schulbetrieb mit.“
„Warum eigentlich nicht?“
„Ich glaube, er ist jetzt in Rente.“
„Was? So alt sieht der doch gar nicht aus?“
„Der ist schon 25, soweit ich weiß. Ist halt super ausgebildet und erzogen und immer richtig geritten worden, der alte Herr. Dann bleibt man auch in Schuss, nicht wahr, Pfridolin?“

Diesen Seitenhieb fand ich überflüssig. Dana und Melanie sprachen schließlich gerade über John-Boy, den Johannes Heesters des Hofs. Er hielt sich für unwiderstehlich, baggerte alles an, was nicht bei drei über den Zaun gehüpft war und hatte einen befremdlichen, senilen Charme, dem Frauen reihenweise zum Opfer fielen. Unnötig zu erwähnen, dass männliche Wesen dagegen komplett immun waren. Ich dagegen war ein attraktiver Wallach im besten Alter, der trotz großartiger innerer Werte einfach keinen Erfolg beim anderen Geschlecht hatte. Ich führte das unter anderem darauf zurück, dass die Frau mir ständig irgendwelche Zacken in die Mähne schnippelte und mich auch sonst verunstaltete, wo es nur ging. Und dafür, dass die Frau nicht reiten konnte, konnte ich ja schließlich nichts.

Ein wenig pikiert war ich aber doch. Was sollten diese Sticheleien in Richtung Figur und Muskulatur? Hatte mich Dana nicht mehr lieb? Ließ meine Ausstrahlung nach? Musste ich etwa – ich wollte gar nicht daran denken – ARBEITEN, um ihre Gunst wieder zu erringen? So richtig mit Schweiß? Faxe grinste schadenfroh. „Das hört sich aber gar nicht gut an, Alter!“

Ich war beunruhigt und suchte den Blick der Frau. „Ja, da kannst du ruhig gucken, Pfridolin! Es gibt auch nette, fleißige und wohlerzogene Ponies. Nicht nur so verzogene und verwöhnte Viecher wie dich!“, sagte sie.

Was meinte sie denn jetzt damit? Wollte sie etwa mir die Schuld an ihren Erziehungsdefiziten geben? Da konnte ich doch nichts für, wenn sie solche Fehler machte. Also ehrlich. Ich knabberte demonstrativ an meinem Anbindestrick, um ihr zu zeigen, dass sie natürlich auch vergessen hatte, mir das beizeiten abzugewöhnen.

Fortsetzung folgt …

Der Krimi – Kommissar Pfridolin ermittelt weiter (Teil 2)

Hier gehts zu Teil 1.

Irgendwann erhob ich mich dann majestätisch und nahm anmutig die Möhre entgegen, die die Frau mir anbot. Sie erklärte mir mit glänzenden Augen, dass wir ausreiten wollten.

Ich bin ja generell ein großer Freund von Ausflügen, aber bisher war die Freude immer ziemlich einseitig gewesen, vor allem, wenn die Frau meine Entscheidungen hinsichtlich Streckenführung und Geschwindigkeit kritisiert hatte. Wahrscheinlich war sie wieder an den Beruhigungskräutern in der Futterkammer, davon wird man nämlich verwegen und entspannt.

Soso, wir wollen ausreiten. Und wer soll mich vor den Gespenstern und wilden Tieren da draußen beschützen – du etwa?, dachte ich und vernahm erleichtert, dass Faxe und seine Besitzerin mitkommen würden. Prima, dann würde der Dicke zuerst gefressen 🙂

Man muss das verstehen, in der Natur geht es grausam zu. Faxe würde genauso denken und bei einer panischen Flucht –ok, wir sprechen von Faxe. Faxe würde, falls sich seine Reiterin beim gemächlichen Wegtraben vor einer Gefahr nicht mehr im Sattel halten könnte, erst noch ihre sämtlichen Jacken- und Hosentaschen auf eventuelle Leckerli untersuchen, bevor er die wilde Flucht fortsetzt. Und zwar gemächlich von Grasbüschel zu Grasbüschel. So böse ist es draußen in der Wildnis.

Inzwischen war auch Melanie, Faxes Besitzerin, im Stall angekommen und schleppte Putzzeug und Sattel zu Faxes Box. Glücklicherweise ahnte sie nichts von Faxes und meinen Gedanken und hielt uns für harmlose, flauschige Freunde (Faxe) beziehungsweise sympathische Freizeitpferde (mich). „Hey Dana, bist du schon lange da? Oder wohnst du jetzt in der Box? Ist für ein Doppelzimmer eigentlich groß genug, wenn du ein bisschen abnimmst“, lästerte sie. Damit konnte sie nur Dana gemeint haben. Ich bin nämlich ein Barockpferd, das muss einen tiefen Schwerpunkt haben. Von wegen dick.

Die Frau zog sich den Schuh aber nicht an und machte Melanie freundlicherweise darauf aufmerksam, dass auch Faxe nicht der Schlankste war. „Ich weiß. Er kriegt auch eigentlich kaum Futter. Aber manchmal guckt er so traurig, dass ich ihm gar nicht widerstehen kann. Er ist einfach unglaublich leichtfuttrig. Bei ihm setzt alles sofort an“, versuchte sich Melanie zu rechtfertigen.

Ja, Faxe war ein Meister des traurigen Blicks. Jeder Golden Retriever wäre neidisch auf ihn gewesen. Außerdem konnte er Boxen- und andere Türen öffnen, Knoten lösen und sogar ein bisschen lesen, was ganz praktisch war, wenn man Säcke aufreißen wollte und nicht sicher war, ob da Hafer oder Zement drin war. Glücklicherweise hatte er einen widerstandsfähigen Magen und bisher weder Kolik oder Hufrehe gehabt. Nach seinen ersten erfolgreichen Aus- und Einbruchsversuchen hatte sich unsere Futterkammer allerdings in einen Hochsicherheitstrakt verwandelt. Schade.

Während Dana und Melanie uns vor unseren Boxen anbanden und putzten (Jaaaa, kratz mich da – nein, mehr rechts – jetzt weiter oben!), kam Kiki, die Reitlehrerin, in die Stallgasse. Sie war für einen Menschen erschreckend pfiffig und verstand sogar sehr viel von dem, was Faxe und ich sagten. „Hat einer von euch vielleicht Blacky gesehen? Oder Ralph?“ Hatten Melanie und die Frau natürlich nicht, die waren ja grade erst in den Stall gekommen und hatten sich vorschriftsmäßig nur um ihre Pferde gekümmert.

„Ach, ist unser Ausbrecherkönig wieder unterwegs?“ Blacky, das schneeweiße Minishetty, hatte einen ausgeprägten Freiheitsdrang. Wegen seiner geringen Größe passte es unter den meisten Weidezäunen durch, ohne sich zu bücken. Faxe war zwar auch gelenkig, wenn es um Grashalme auf der anderen Seite des Zauns ging, aber Blacky war einfach unschlagbar und sein heimliches Vorbild. „Ja, dem war es wohl zu langweilig auf der Wiese. Vielleicht hat Ralph ihn ja gefunden.“ „Sein spezieller Freund? Ich glaube nicht, dass sich Blacky von Ralph einfangen lässt. Er scheint ihn nicht zu mögen“, erwiderte Dana. „Das wundert mich gar nicht, und es beruht auf Gegenseitigkeit. Ralph kann es schon nicht verstehen, dass sich jemand so ein Tier anschafft. Noch dazu eins, das zu nix gut ist, wie er immer sagt.“

Ein Sturm der Entrüstung folgte. Dana und Melanie fanden Blacky nämlich großartig. Er gehörte Marie, die auch Companero, meinen spanischen Boxennachbarn, ihr Eigen nannte. Sie hatte ihn von einer Tierschutzorganisation bekommen, die ihn völlig abgemagert und krank aus schlechter Haltung gerettet hatte. Jetzt genoss er das Leben in vollen Zügen. Marie hatte angefangen, ihm Kunststücke beizubringen, und wollte ihn später am langen Zügel ausbilden. Dana und Melanie stellten sich das spektakulär vor – Companero, der spanische Schimmel, und Blacky, das kleine weiße Minishetty, in prunkvoller barocker Zäumung. Wenn der kleine Kerl denn mal da bliebe, wo man ihn hinstellte.

„Schon gut, war doch nur Spaß. Ich finde ihn ja genauso toll wie ihr“, rechtfertigte sich Kiki. „Apropos finden: Wo stecken die beiden denn nur? Ralph und ich waren ja eigentlich verabredet und wollten ein Pferd angucken fahren. Ich such dann mal weiter.“ Sie verschwand um die Ecke.

Fortsetzung folgt 🙂

Kommissar Pfridolin macht Ernst – der Krimi

Kapitel 1

„Guck mal, was ist das denn? Sieht ja voll eklig aus“, sagte ich zu meinem Kumpel Faxe, als uns Oleg, der russische Stallhelfer, von der Weide führte. Für meinen Geschmack viel zu früh, aber „Immer schön auf die Figur achten!“, sagt Dana, meine Besitzerin. Ich nenne sie „die Frau“, weil sie mir meistens eh nicht zuhört, und da ist es dann auch egal. Ich bin übrigens Pfridolin, ein Hannoveraner Wallach im besten Alter. Faxe ist ein Tinker und mein bester Kumpel, auch wenn er mir intellektuell natürlich nicht das Wasser reichen kann. Aber er ist toll flauschig. Das ist auch irgendwie schön und besonders.

Das Eklige war nicht nur der Misthaufen, an dem wir gerade vorbeikamen, sondern vielmehr der Mensch, der kopfüber darin steckte. Mitten im mistigsten Pferdemist. Ralph Reißmann oder RR oder auch Ralph Reißhand ob seiner brutalen Reitweise – man konnte ihn nennen wie man wollte, dadurch wurde es nicht besser. Ein Unsympath durch und durch. Von Beruf Springreiter, der seine Pferde brutal behandelte und auch schon mal vergaß, sie zu füttern. Ich erkannte ihn an seiner Kleidung und natürlich am Geruch, obwohl ich mich aus Prinzip immer bemühe, neben dem Misthaufen möglichst flach zu atmen. Faxe wunderte sich auch.

„Menschen. Was für kranke Ideen die immer haben. Warum macht er das wohl?“ „Warte, ich guck mal, ob ich mehr erkennen kann“, sagte ich und reckte meinen Hals. „Ooooh Gras!“ sagte Faxe, der sich leicht ablenken ließ, und machte sich daran, die drei Hälmchen am Wegesrand zu rupfen.

Alexej, der mit Companero und Konrad hinter uns herkam, musste stehen bleiben. Alexej war Olegs Kollege. Er lachte viel, konnte aber auch toll ausländisch fluchen, und genau das tat er in diesem Moment. Companero, der spanische Schimmel, hatte nämlich die Gelegenheit genutzt, um Konrad zu zwicken, weshalb der jetzt aufgeregt herumhampelte. Ich konnte Companero verstehen – Konrad war eine ganz furchtbare Nervensäge mit einem derart aufgeblähten Ego, dass Totilas neben ihm wie ein Kinderpony wirkte. Konrad war von Beruf Dressurpferd, konnte alles und hatte auch schon alles gewonnen- jedenfalls, wenn man seinen Erzählungen Glauben schenkte. Was wir aus gutem Grund nicht mehr taten.

Jetzt mal unter uns: wie wahrscheinlich war es denn, dass unser doofer, eingebildeter Konrad tatsächlich Dressurweltmeister war? Eben. Sowas glaubten nur die unerfahrenen Jungpferde, unter denen er einige Fans hatte. Gut, er war echt groß und hatte einen super trainierten Body, aber er war definitiv keine Intelligenzbestie.

Ich spähte weiter Richtung Misthaufen, während Faxe sich darum kümmerte, den Wegrand von Gras zu befreien. Olegs Arme wurden lang und länger. Er schimpfte. Das war ja mal wieder typisch für die Menschen – die kriegen nie was mit. Da kann unsereiner noch so sehr kommunizieren, sie sind halt begriffsstutzig. Ich hatte inzwischen festgestellt, dass Ralph Reißmann halb unter dem Pferdemist verborgen war und eher tot als lebendig aussah. Tja. Sollte er mal
gucken, wie er damit klarkam. Faxe und ich setzten uns wieder in Bewegung – es gab ja anscheinend nichts weiter zu sehen. Alexej rief Companero zur Ordnung, und unsere kleine Herde trottete in Richtung Stall.

In der Box angekommen, machte ich es mir erst einmal gemütlich. Gleich würde bestimmt die Frau aufkreuzen, um mich zu reiten oder gar zu longieren. Bis dahin wollte ich eins sein mit dem Universum und ein wenig meditieren.

„Boah, hast du geschnarcht“, sagte eine Stimme direkt neben meinem Ohr. Die Frau. Wenn ich‘s nicht besser gewusst hätte, wäre ich panisch hochgesprungen, aber mittlerweile kenne ich sie und weiß, dass sie meistens ziemlich harmlos ist. Lieb und eigentlich ganz nett, aber oft ein bisschen schwer von Kapee. Wie die Menschen halt so sind. Im Zeugnis würde stehen: „Sie hat sich stets bemüht“, aber mich fragt ja keiner. Also duldete ich es, dass sie mich aus meiner Meditation riss und sich sogar auf meinen Rücken setzte, während ich lag. Das war ein ganz großer Vertrauensbeweis meinerseits und zeigt, was für ein gutmütiger Kerl ich doch bin. Faxe lästerte von nebenan irgendwas über „zu faul zum Aufstehen“, was ich aber souverän ignorierte.

Fortsetzung folgt – wenn ihr mögt 🙂

Ein schwarzes Pferd mit offenem Maul. Es sieht aus, als würde es lachen.

Die ??

Um uns schon mal auf unsere Tätigkeit im Krimi vorzubereiten, haben Faxe und ich jetzt als fünftes Standbein eine freiberufliche Ermittlertätigkeit aufgenommen. Wir nennen uns dabei „die zwei Fragezeichen“. So eine kriminalistische Tätigkeit will nämlich gelernt sein, das kann man nicht einfach so. Ich selbst bin ja glücklicherweise ein Naturtalent und kann eigentlich alles, was ich will, aber Faxe fehlt eindeutig die praktische Erfahrung und vor allem die sachkundige Anleitung durch das Naturtalent.

Welcher Krimi, fragt ihr. Das könnte ich mich auch fragen, wenn ich nicht genau wüsste, dass tief in mir drinnen gerade ein kreativer Prozess stattfindet und mit Macht nach außen drängt. Mit anderen Worten: Ich muss es nur noch aufschreiben. Faxe lästert immer, man sähe mich nie schreiben, aber der hat ja keine Ahnung, wie wir Künstler arbeiten.

Ich muss also das Ergebnis meiner schöpferischen Tätigkeit nur noch zu Papier bringen, aber das geht ja Ratzfatz, und dann bricht der Geld- und Möhrensegen über mich herein. Dann müssen Faxe, Else und Stuti immer nett zu mir sein, jawohl 🙂 Stuti ist ja immer nett, die kann gar nicht anders ❤ , aber für Else wird das eine gewaltige Umstellung.

Bis dahin haben Faxe und ich uns auf das Wiederfinden verschwundener Gegenstände spezialisiert. Zum Beispiel wissen wir jetzt, wo verlorene Hufeisen hingehen. Wenn die sich einmal verirren und nicht mehr bei ihrem Pferd sind, halten sie sich meistens auf dem matschigen Wegstück beim hinteren Wäldchen auf. Oder verlorene Longierpeitschen: Die sind im Longierpeitschen-Nirvana, das direkt hinter dem Longierzirkel beginnt. Ihr seht also: Mit dem Ermitteln kennen wir uns aus. Getreu dem Motto „Wat nix kost‘, is‘ auch nix“ sind wir (natürlich) teuer. Wir wollen uns ja nicht mit Kleinkram abrackern, sondern mindestens Kunstschätze suchen.

Ein weiteres Beispiel, um unsere überzogenen Honorarforderungen zu rechtfertigen: Letztens haben wir im Unterricht gehört, dass Stutis Reiterin öfter mal die Bügel verliert. Wir haben also jetzt beide gut aufgepasst (ich musste Faxe allerdings wiederholt korrigieren und darauf aufmerksam machen, worauf es ankommt – merke: bei einer Observation braucht man ausreichend Proviant) und schlussendlich festgestellt, dass der Bügel gar nicht verloren war, sondern der Fuß der Reiterin sich einfach nicht merken konnte, wo er abgeblieben war. Menschen, ne. Wenn sie nicht so putzig und unterhaltsam wären, wären sie wahrscheinlich längst ausgestorben.

Wenn euch also die Mona Lisa oder das Bernsteinzimmer abhandengekommen ist, wisst ihr ja jetzt, wen ihr mit der Suche beauftragen könnt 😉