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Der Lutschi geht baden

Faxe und Lutschi waren zusammen im Gelände. Ich finde es ja unverantwortlich, das minderjährige spanische Mähnenwunder allein mit dem übergewichtigen Tinker draußen rumtoben zu lassen, aber wie so oft hat man mich nicht nach meiner Meinung gefragt. Faxe und Lutschi meinten, es wären ja Menschen dabei, da würde das schon passen. Nur war einer dieser Menschen die Frau, und über deren mangelndes Urteilsvermögen habe ich keine Zweifel. Aber sei’s drum. Sie wollten sich partout ins Abenteuer stürzen und genau das haben sie auch getan.

Es fängt damit an, dass sich der Lutschi draußen grundsätzlich nur in Zeitlupe bewegt, vor allem beim Bergaufgehen. Mit der Erklärung, solche Höhenunterschiede habe er in Spanien nicht überwinden müssen und sein Körper sei nicht zum Bergsteigen gemacht. Unter uns: Wir sprechen von maximal 50 Höhenmetern pro Stunde. Sogar der dicke Tinker Faxe schafft das in zügigem Tempo, ohne dabei schneller schnaufen zu müssen. Faxe meint, bestimmt läge es daran, dass die Frau so schwer ist und der Lutschi sich daran erst gewöhnen muss. Damit hat er zwar Recht, das erklärt aber nicht, wieso der Lutschi beim Spazierengehen genau so schleicht.

Ich habe da ja eine andere Theorie. Meiner Meinung nach denkt das spanische Mähnenwunder bei jedem Schritt darüber nach, wie es heimlich Gras essen kann. Nun ist der Lutschi aber nicht der Allerschlaueste, weshalb das Denken einfach länger dauert.

Bergab (unglaubliche 50 Höhenmeter pro Stunde, ihr erinnert euch) kommt die Schwerkraft dazu, weshalb zum Nachdenken auch noch das Ausbalancieren kommt. Auch das braucht seine Zeit. Faxe sagt, einmal wäre er tief und fest eingeschlafen, als er auf den Lutschi gewartet hat.

Manchmal befällt den Lutschi aber auch ein Geschwindigkeitsrausch und er hält mit Faxe mit. (Mit Rücksicht auf Lutschis Ausbildungsstand und die schwachen Nerven der Frau finden die Ausritte grundsätzlich im Schritt statt.) Das ist oft der Fall, wenn das Ziel eine besonders grüne Wiese ist.

Beim letzten Ausritt ging es aber nicht zu einer Wiese, sondern in den Wald. Wenn man da ein Stückchen hineinreitet, kommt man zu einem See. Die Böschung ist sehr flach, so dass man gut ins Wasser kann. Hier wollte die Frau herausfinden, ob der Lutschi wasserdicht ist. Um es vorwegzunehmen: Ja, ist er. Während Faxe sich damit begnügte, mit dem Bein im Wasser herumzuplantschen, hat sich der Lutschi hingelegt. Mit Frau und Sattel und allem Zipp und Zapp. Er sagt, es wäre so warm gewesen und das Wasser hätte richtig gut getan. In Spanien wäre er auch oft baden gegangen und die Frau hätte da mal eine wirklich großartige Idee gehabt.

Leider waren – im Gegensatz zum Lutschi – die Reitstiefel der Frau nicht wasserdicht, so dass die gleich das Zetern angefangen und den ganzen Heimweg lang nicht aufgehört hat, während der Lutschi, seinem Naturell als Siesta-Pferd entsprechend, jeden Schritt mit der gebotenen Muße in Angriff nahm.

Faxe kennt das ja schon, aber für den Lutschi war es eine neuartige Erfahrung. Er sagt, er hätte seinen Wortschatz gewaltig erweitert. Und vielleicht hat ja auch die Frau was gelernt 🙂

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Die große, weite Welt

Unser spanisches Mähnenwunder behauptet, es wäre ein Reitpferd. Im Gelände wäre es auch schon gewesen, jawohl. Und zwar mit der Frau. Mit unserer gemeinsamen, überängstlichen Besitzerin? Glaub ich nicht. Doch, sagt Faxe, er wäre auch dabei gewesen.

Ich erinnere mich. Das war der entsetzlich langweilige Nachmittag, den ich allein mit dem langweiligen Bonito auf dem langweiligen Paddock verbracht habe. Weil nämlich der Mann länger arbeiten musste und nicht mit mir ins Gelände gehen konnte. Mit dem Mann macht ausreiten nämlich noch mehr Spaß als mit der Frau. Die Frau gruselt sich ja immer so und ich muss sie dann beschützen. Vor Menschen, Tieren, Autos, Fahrrädern, tückischen Büschen – ihr wisst, was ich meine. Das ist aufregend und manchmal auch anstrengend. Dem Mann ist sowas egal. Der sitzt auf mir rum, ist tiefenentspannt und muss nicht mal vor Lkws gerettet werden. Er stirbt auch nicht vor Angst, wenn ich mal eine flottere Gangart wähle. Wenn also einer prädestiniert ist, dem Lutschi zu erklären, wie das in der großen, weiten Welt funktioniert, dann bin das ja wohl ich. Mit anderen Worten: Ich werde diskriminiert. Alle haben Spaß außer mir. Und natürlich Bonito, an dem ich meine schlechte Laune ausgelassen habe.

So lustig wäre das gar nicht gewesen, meint Faxe. Er hätte nämlich Frau Reitlehrerin tragen müssen, während der Lutschi die angstschlotternde Frau auf dem Rücken hatte. Mit Frau Reitlehrerin wäre das ein völlig anderes Reitgefühl gewesen. Er wollte nicht ins Detail gehen, erwähnte aber, er habe nicht mehr beim Gehen essen dürfen. Das ist für einen vollschlanken Tinker natürlich ein traumatisches Erlebnis.

Von wegen Gras To Go. Nur noch gehen. Nicht lustig 😦

Lustig wäre aber gewesen, wie sich die Frau mit grünlicher Gesichtsfarbe auf Lutschis Rücken begeben habe. Nun ist der Lutschi aber so ein Unschuldslamm, dass er das nicht ausgenutzt hat, sondern brav mit ihr durch diverse Bauernhöfe durch und sogar an Nordic Walkern vorbeimarschiert ist, ohne sich zu mucksen. Frau Reitlehrerin hat die ganze Zeit beruhigend auf die Frau eingeredet, und die hat sich aus Versehen sogar entspannt. Faxe meint, die beiden hätten gelacht. Sicherlich über den Lutschi, der gar nicht richtig bergauf und bergab laufen kann, weil er noch so unbalanciert ist.

Angeblich hat der feurige Spanier sogar Fahrräder und Autos mit gleichbleibend guter Laune hingenommen. Sicher waren es auch nur ganz kleine Autos und sehr langsame Fahrräder. Für Anfänger halt 😉

Der Lutschi meint, er hätte vor gar nix Angst gehabt, weil er nämlich ne coole Socke wäre und im Gelände sowieso nur langweilige Dinge passieren würden. Nur komisch, dass die furchtlose coole Socke zuhause immer ganz hektisch wird, sobald der Frontlader vorbeifährt. Ich wette, der Lutschi konnte in Wirklichkeit beim Ausritt nicht um Faxes dicken Hintern herumgucken und weiß gar nicht, wo er war und was da so alles passiert ist 😉

Faxe beim Ausritt

Der Krimi geht weiter: Wir machen einen Ausritt – die Polizei ist auch dabei (Teil 5)

Was bisher geschah:
Faxe und ich stellen fest, dass der Springreiter Ralph Reissmann kopfüber im Misthaufen steckt.
Ich mache ein wohlverdientes Nickerchen in der Box und werde unsanft geweckt, weil die Frau ausreiten will. Kiki, die Reitlehrerin, sucht Ralph, weil sie mit ihm verabredet ist. Faxes Besitzerin und die Frau können ihr da nicht helfen.
Während Kiki unterwegs ist, werden wichtige Gespräche geführt: über Ralph und darüber, wie er seine Pferde behandelt (nämlich schlecht) und über Kiki und ihre toll ausgebildeten Schulpferde (den Gesprächsteil fand ich langweilig). Ich bin übrigens nicht so ein spießiger Streber – das liegt aber aber auch daran, dass ich meine Erziehung der Frau verdanke 😉
Dann machen Faxe und ich einen Ausritt, bei dem wir feststellen, dass Melanie in den neuen Einstaller verliebt ist und Faxe deshalb abnehmen muss.

„Wieso denn das?“, flüsterte ich zurück.
„Sie macht dann Diät und ich muss auch schlank sein. Ich kenn das schon.“
„Schöne Scheiße. Hoffentlich ist das schnell vorbei!“

Das meinte ich wirklich ernst. Faxe war mein allerbester Kumpel. Dem sollte es immer gut gehen. Außerdem wollte er mich immer zwicken, wenn er Hunger und deshalb schlechte Laune hatte. Das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen und wer bekam dann den ganzen Ärger? Ich natürlich. „Böser Pfridolin, sei nicht so garstig zu dem armen Faxe“ und so weiter.

Ich tröstete ihn und mich mit dem Hinweis, dass es Weidesaison war, so dass es nicht allzu hart für ihn werden würde. Außerdem wollte er sich von Blacky hinsichtlich seiner Ausbruchstechnik beraten lassen, so dass er nicht auf das ihm zugewiesene Stückchen Koppel angewiesen wäre.

„Oooooh Gras!“, meinte Faxe. Dana und Melanie waren aber wirklich recht unkonzentriert gewesen. Faxe rupfte im Gehen an den Grasbüscheln herum und meinte mit vollem Mund, man wisse ja nie, wann es das nächste Mal etwas zu essen gäbe. Vor allem jetzt, wo Melanie so komisch drauf wäre, ergänzte er trübsinnig. Ich steckte noch voller guter Vorsätze und rupfte deshalb nur sehr dezent die Halme ab, die mir quasi direkt ins Maul wuchsen.

„Hey Jungs, nicht immer essen, wenn wir quatschen“, mahnte Melanie. Faxes Blick sagte: „Siehst du, es geht schon los.“

„Wie wär‘s mit einem kleinen Trab?“ fragte Dana. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen und als der Boden weich und der Weg breit genug war, kam auch noch ein mittelgroßer Galopp dazu. Heute war die Frau aber wirklich mutig! Diese Beruhigungskräuter aus der Futterkammer scheinens echt zu bringen. Oder es liegt an Faxe und Melanie, die gewohnheitsmäßig so dermaßen tiefenentspannt sind, dass das auf sie abfärbt.

Also ging es im Galopp weiter. Das war toll! Ich machte kleine, weiche Freudenhüpfer, damit die Frau merkte, dass ich sehr glücklich war, ihr das zeigen wollte und nicht wollte, dass sie in Sitznot gerät. Sie lachte und streichelte meinen Hals. Komisch, nicht? Manche Reiter hauen ihren Pferden mit der Hand auf den Hals, wenn sie sie loben wollen. Als ob wir den Unterschied zwischen Streicheln und Hauen nicht kennen würden.

Da war der weiche Weg auch schon zu Ende und wir parierten durch zum Schritt. Weiter ging es über grüne Hügel und blühende Büsche. Die Sonne sank und die Luft war so schön, dass man sich darin hätte wälzen mögen. Glücklich und entspannt bummelten wir durch Felder und Wiesen und waren auch schon fast zuhause, als Faxe mich fragte: „Hörst du das auch?“
„Was?“
„Na, den ganzen Krach. Hör doch mal. Am Stall ist irgendwas los. Viele aufgeregte Menschen, die laut miteinander sprechen.“
„Jetzt, wo du es sagst. Bin doch tatsächlich vor lauter Entspannung ein bisschen weggedöst. Wann Melanie und Dana es wohl merken?“
„Sollen wir es Ihnen sagen?“, schlug Faxe, für seine Verhältnisse ungewohnt dynamisch, vor, und deutete ein unternehmungslustiges Tänzeln mit Tendenz zum Wegspringen an. Für das menschliche Auge war das wahrscheinlich nicht wahrnehmbar, weil er sich aus Prinzip selten schneller als ein Sack Möhren bewegte, aber ich wusste, was er meinte.
„Nö, ich tu jetzt so, als wäre ich ein braves Pferd. Dann gibt es hinterher mehr Leckerlis.“ Die Frau ist nämlich leicht zu beeinflussen und meistens Wachs in meinen Händen. Äh Hufen.

Wir bogen in den kleinen Weg ein, der an unseren Weiden vorbei hinter der Reithalle zum Stall führte. Und da sah man es auch schon. Der Bereich um den Misthaufen war abgesperrt und voller Menschen. Ich hätte nicht gedacht, dass unser guter alter Misthaufen einmal so im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen würde. Ein Streifenwagen versperrte uns den Weg.
„Was ist denn da los?“ fragten Dana und Melanie wie aus einem Mund.

Fortsetzung folgt …

Berühmter Krimi-Autor Pfridolin Pferd immer noch auf Mörderjagd (Teil 4)

Was bisher geschah:
Faxe und ich stellen fest, dass der Springreiter Ralph Reissmann kopfüber im Misthaufen steckt.
Ich mache ein wohlverdientes Nickerchen in der Box und werde unsanft geweckt, weil die Frau ausreiten will. Kiki, die Reitlehrerin, sucht Ralph, weil sie mit ihm verabredet ist. Faxes Besitzerin und die Frau können ihr da nicht helfen.
Während Kiki unterwegs ist, werden wichtige Gespräche geführt: über Ralph und darüber, wie er seine Pferde behandelt (nämlich schlecht) und über Kiki und ihre toll ausgebildeten Schulpferde (den Gesprächsteil fand ich langweilig). Ich bin übrigens nicht so ein spießiger Streber – das liegt aber aber auch daran, dass ich meine Erziehung der Frau verdanke 😉

Faxe stand währenddessen wie ein Lämmchen und hatte seinen streberhaftesten Blick aufgesetzt. Das blieb noch nicht einmal der Frau verborgen. „Wenigstens du bist brav, nicht wahr, Faxe?“, lobte sie den Hochstapler, die Hand schon in der Hosentasche mit den Leckerlis. Faxe, der ein begnadeter Schauspieler ist, nickte sogar. Das hatte ihm Melanie mal in einer schwachen
Stunde beigebracht und er profitierte davon erheblich, vor allem in schwierigen Gesprächssituationen wie der augenblicklichen. „Wie süß“, Dana schmolz dahin. Melanie, herzlos, wie sie manchmal sein kann: „Ignorier ihn bloß, wenn er unaufgefordert seine Kunststückchen zeigt. Er gibt dann gar keine Ruhe mehr und hört nicht auf zu betteln.“ Mein flauschiger Freund ließ den Kopf hängen.

Tja, Faxe, netter Versuch. Hat aber trotzdem nicht geklappt. Aber niedlich gucken konnte ich auch. Ich ließ den Strick los und meinen ganzen Charme spielen. Wenn ich meinen allerunschuldigsten Augenaufschlag einsetzte und Dana so signalisierte, dass sie die tollste Besitzerin ist, die ich je hatte (das stimmt sogar – an Nr. 1 kann ich mich gar nicht mehr erinnern), sprang meistens ein Leckerli raus. Ich heftete meine Augen auf sie und legte all meine Gefühle in meinen Blick.

„Du armes, armes Pony. Keiner hat dich lieb, stimmt‘s?“

Ja genau, sagten meine Augen. Wo ich doch so ein toller, hübscher Kerl bin und mein Leben mit dir teile und du mein Mensch bist und überhaupt. Auch wenn ich immer so cool tat: Ich hatte Dana schon sehr, sehr lieb und es wäre ganz furchtbar, wenn sie mich nicht genauso lieb hätte. Das wusste sie auch und kraulte mich an meiner Lieblingsstelle und schon war das Leben wieder schön und meine kleine Welt in bester Ordnung.

„Wenn ihr beiden Süßen dann fertig seid mit Kuscheln, könnten wir ja eventuell irgendwann losreiten!“, meldete sich Melanie aus dem Hintergrund. Na gut. Ich setzte eine halbwegs diensteifrige Miene auf und die Frau nahte mit dem Sattelzeug.

Kapitel 2

„Was hältst du eigentlich von dem Neuen?“, fragte die Frau, nachdem wir uns in Marsch gesetzt hatten. Nach einem Blick auf die Uhr war das Satteln und Aufsitzen dann doch relativ zügig vor sich gegangen. Dana und Melanie hatten anscheinend einen längeren Ausritt vor.

Faxe und mir das recht. Miteinander ausreiten war nicht halb so anstrengend wie Gymnastik im Viereck oder auf dem Springplatz. Dem Leistungssport hatten wir vier uns glücklicherweise gemeinschaftlich verweigert. Ok, die Gymnastikeinheiten waren zwar anstrengend, hörten aber auf, sobald wir richtig gut waren. Deshalb gaben wir uns natürlich auch Mühe. Nicht immer, aber doch häufiger. Es war ja nicht so, dass unsere Reiterinnen gottbegnadete Naturtalente waren. Nee nee, wir hatten es mit bürogeschädigten Steifftieren zu tun. Auf jeden Fall war es toll, dass Kiki uns für jeden positiven Ansatz belohnte und unsere Besitzerinnen anmeckerte, wenn sie uns behinderten.

Schlecht war nur, dass sie uns auch immer durchschaute, wenn wir nur so taten, als ob.

Mittlerweile waren wir im Schritt am Feldrand angekommen. Ich war immer noch glücklich, dass die Frau mich doch ganz doll lieb hatte, so wie ich war, und hatte mich absolut vorbildlich benommen. Außerdem war ich neugierig.

„Welcher Neue?“
„Na, der Neue halt. Der gestern hierhin gekommen ist. Der Westernreiter mit der Fuchsstute.“
„Ach, der steht jetzt hier? Ich hatte nur mitbekommen, dass eine neue Stute angekommen ist. Dunkelbraun und riesengroß, eine richtige Wuchtbrumme.“
„Ja, schlank ist die nicht. War wohl im Sport und hat seitdem etwas Speck angesetzt. Wer dazu gehört, weiß ich nicht.“
„Er heißt Björn und hat die Stute für seine Tochter gekauft. Die studiert aber jetzt und hat keine Zeit mehr für das Tier. Also reitet Papa mit ihr spazieren. Das sagt jedenfalls die Gerüchteküche. Gesehen hab ich ihn noch nicht. Und zu der anderen neuen Stute gehört dieser Westernreiter? Der, der letztens zum Training beim Cowgirl hier war?“
„Ja genau.“

Das Cowgirl hieß Marianne, genannt Mary, und war schon lange kein Girl mehr. Dafür aber sehr nett, laut und mit einer dreckigen Lache gesegnet, die ihresgleichen suchte. Und ganz davon abgesehen, eine gefragte Westerntrainerin.

„Geritten ist er ja nett. Aber sonst….“
„Direkt hässlich fand ich ihn nicht“, bemerkte Melanie.
„Aber die Zähne kriegt er nicht auseinander“, urteilte Dana. „Wenigstens die Tageszeit sollte er einem schon sagen können.“
„Vielleicht ist er schüchtern. Ich find ihn auf jeden Fall gar nicht so verkehrt.“
„Ha ha, der und schüchtern. Arrogant schon eher. Hast du die Chaps gesehen, die der anhatte? Mit Fransen! Also ehrlich! Wer sowas anzieht, ist doch mega von sich überzeugt. Einfach nur peinlich.“
„Vielleicht ist er nett und hat die Dinger mal geschenkt bekommen.“

Melanie hatte einen seltsamen Gesichtsausdruck, den ich nicht so recht einschätzen konnte. Faxe schon eher: „Hilfe, sie ist verliebt“, flüsterte er mir zu. „Dann muss ich wieder abnehmen.“

Vom Reiten und Wandern im Urlaub

Gerade eben stand ich noch tiefenentspannt in meiner Chill Out Area auf der Weide. Die Fellpflege mit Stuti Rosa Faxe war sehr zu meiner Zufriedenheit verlaufen, und die Herbstsonne schien mir angenehm auf den Pelz, als sich eine vertraute Stimme den Weg in meine Gehörgänge bahnte. Die Frau! Schwer bepackt mit Möhren, einem schlechten Gewissen und allerlei Leckereien! Große Wiedersehensfreude bei allen Beteiligten!

Zugegeben, ohne Arbeit auf der Wiese rumstehen und grasen war nicht sooo schlimm, aber mit der Frau ist es viel unterhaltsamer. Vor allem hat man mehr zu erzählen 😉

Ein bisschen habe ich sie nämlich schon vermisst, während langsam die Staubschicht auf meinem Sattel wuchs. Die Frau hatte anscheinend vergessen, den Sattelschoner drauf zu tun. Bei den ganzen Reisevorbereitungen ist das wohl ein wenig in den Hintergrund getreten. Dabei wollte sie nur ein paar Tage wegfahren. Andere treiben so einen Aufwand vor einer Weltreise. Aber man kann ja nicht an alles denken 😉

Gut sieht sie aus – total entspannt und super gelaunt! Fast hätte ich sie nicht wiedererkannt 😉 Sie will auch erstmal gar nix von mir, sondern führt mich nur breitbeinig wie John Wayne von der Koppel. Wie ich wenig später erfahre, hat sie tatsächlich wieder dieses Wanderreiten gemacht, und zwar diesmal mit mehr Reiten als Wandern. Die anderen Pferdebesitzerinnen und –besitzer stehen neidisch und beeindruckt um sie herum, als sie in Abenteurerpose von ihrer Expedition in die Wildnis berichtet. Sogar ich bin beeindruckt und hätte ihr fast die verwegene Geländereiterin abgenommen. Und ich kenne sie schließlich 😉

Faxe murmelt etwas von Karl May, den kenn ich aber nicht. Die Frau erzählt weiter: Ein wenig Muskelkater hätte sie schon, aber eigentlich fast gar nicht. Als trainierte Reiterin hätte man mit sowas ja grundsätzlich kein Problem. Die Reitstunde morgen hat sie aber trotzdem abgesagt. Die in ein paar Tagen sicherheitshalber auch. Ich muss Faxe nachher mal fragen, was der Mann daran so komisch findet.

Dann hat die Frau weitererzählt. Der Mann durfte aber auch mal was sagen, wenn er dazwischengekommen ist 😉 Sie sprechen nämlich noch miteinander – sogar nach dem Urlaub. Faxe meint, das wäre nicht selbstverständlich.

Die Frau ist ja sehr nett und ich mag sie wirklich, aber 24 Stunden können ganz schön lang sein. Ich sehe sie sonst ja nur nachmittags oder abends, aber der arme Mann muss sie sicherlich die ganze restliche Zeit herumschleppen. Ihm scheint es aber Freude zu machen. Ich habe nämlich noch nie gesehen, dass er sie beißen will. Oder weglaufen 🙂 Und das, obwohl sie ihn vom Futter her ziemlich knapp hält. Sie selbst hat aber im Urlaub anscheinend wieder doppelt Heu bekommen.

Zum Thema Gepäck meinte der Mann, ihm würde ja eigentlich eine Zahnbürste reichen. Ab in die Satteltasche und fertig. Die Frau findet das natürlich unhygienisch und unzivilisiert. Der Mann gibt zu bedenken, dass das Trossfahrzeug mit ihren zwei Schrankkoffern aber schon ganz schön voll gewesen wäre. Die Frau gibt ihm da Recht, weist aber darauf hin, dass es ja so wunderbar gewesen wäre, sich abends zum Essen umzuziehen. So wunderbar, wirklich. Alle hätten das gemacht, alle. Außer der Rittführerin und dem Mann.

Der Mann steht dazu, unzivilisiert und unhygienisch zu sein und bleibt dabei, dass das Abendessen in Reitklamotten (ungeduscht!!!) genauso lecker gewesen wäre wie beispielsweise im Taucheranzug oder im Smoking. Angeblich hätte der Mann aber doch vom umfangreichen gemeinsamen Gepäck profitiert und wäre zwischendurch ganz froh gewesen, wenn er mal was Sauberes anziehen durfte. Bevor sich Unfrieden anbahnen kann (und weil ich ja wissen will, wie es weiterging), lenke ich auf konstruktive Art und Weise ab – ich beiße in das umfangreiche Hinterteil meiner Boxennachbarin Else.

Plötzlich sind sich beide wieder einig und beteuern unisono, so etwas hätte es auf dem Ritt nicht gegeben. Da wären die Pferde ganz wunderbar erzogen gewesen und hätten in den Pausen auch sehr brav nebeneinander am Anbindebalken gestanden, ohne sich anzugiften oder heimlich die Knoten in den Stricken aufzumachen. Die Pferde dort seien ja auch ausgelastet gewesen, ergänzt die Frau. Trainiert und ausgelastet, sagt sie und jammert leise, wenn sie sich bewegt. Das Gehen und auch das Sitzen scheinen ihr irgendwie unangenehm zu sein. Ich glaube, ich hab sowas auch schon mal gehabt. Es heißt Muskelkater und man bekommt es, wenn man nicht ganz so sportlich ist, wie man denkt. Manche Leute meinen zum Beispiel, nur weil sie zuhause mal ’ne Stunde reiten, wären sie total durchtrainiert und könnten problemlos tagelang im Sattel bleiben. Genau in dieser Sekunde erinnert der Mann die Frau daran, dass sie es war, die während des Rittes nicht soviel laufen und stattdessen mehr reiten wollte. Weil sie anscheinend nur die schicken, aber leider unbequemen Reitschuhe eingepackt hat 🙂 Und sicherheitshalber noch ein paar schicke, unbequeme Schuhe zum Wechseln 🙂

Jetzt mache ich mir Sorgen, ob ich vielleicht auch so ein wohlerzogenes Wanderreitpferd werden soll. Ausreiten finde ich ja prima, aber dieses tagelange Rumschleppen hört sich schon ein bisschen anstrengend an. Aber Faxe hat mich beruhigt. Hier bei uns wäre das Ausreitgelände nicht so verlockend, dass die Frau ihre Ängste vor Treckern, LKWs und Außerirdischen überwinden würde. Und bis der Muskelkater weg ist, hat sie schon 5 neue Ideen für unsere reiterliche Zukunft gehabt und wieder verworfen 😉

Aber toll entspannt ist sie.

Ein schwarzes Pferd mit offenem Maul. Es sieht aus, als würde es lachen.

Die ??

Um uns schon mal auf unsere Tätigkeit im Krimi vorzubereiten, haben Faxe und ich jetzt als fünftes Standbein eine freiberufliche Ermittlertätigkeit aufgenommen. Wir nennen uns dabei „die zwei Fragezeichen“. So eine kriminalistische Tätigkeit will nämlich gelernt sein, das kann man nicht einfach so. Ich selbst bin ja glücklicherweise ein Naturtalent und kann eigentlich alles, was ich will, aber Faxe fehlt eindeutig die praktische Erfahrung und vor allem die sachkundige Anleitung durch das Naturtalent.

Welcher Krimi, fragt ihr. Das könnte ich mich auch fragen, wenn ich nicht genau wüsste, dass tief in mir drinnen gerade ein kreativer Prozess stattfindet und mit Macht nach außen drängt. Mit anderen Worten: Ich muss es nur noch aufschreiben. Faxe lästert immer, man sähe mich nie schreiben, aber der hat ja keine Ahnung, wie wir Künstler arbeiten.

Ich muss also das Ergebnis meiner schöpferischen Tätigkeit nur noch zu Papier bringen, aber das geht ja Ratzfatz, und dann bricht der Geld- und Möhrensegen über mich herein. Dann müssen Faxe, Else und Stuti immer nett zu mir sein, jawohl 🙂 Stuti ist ja immer nett, die kann gar nicht anders ❤ , aber für Else wird das eine gewaltige Umstellung.

Bis dahin haben Faxe und ich uns auf das Wiederfinden verschwundener Gegenstände spezialisiert. Zum Beispiel wissen wir jetzt, wo verlorene Hufeisen hingehen. Wenn die sich einmal verirren und nicht mehr bei ihrem Pferd sind, halten sie sich meistens auf dem matschigen Wegstück beim hinteren Wäldchen auf. Oder verlorene Longierpeitschen: Die sind im Longierpeitschen-Nirvana, das direkt hinter dem Longierzirkel beginnt. Ihr seht also: Mit dem Ermitteln kennen wir uns aus. Getreu dem Motto „Wat nix kost‘, is‘ auch nix“ sind wir (natürlich) teuer. Wir wollen uns ja nicht mit Kleinkram abrackern, sondern mindestens Kunstschätze suchen.

Ein weiteres Beispiel, um unsere überzogenen Honorarforderungen zu rechtfertigen: Letztens haben wir im Unterricht gehört, dass Stutis Reiterin öfter mal die Bügel verliert. Wir haben also jetzt beide gut aufgepasst (ich musste Faxe allerdings wiederholt korrigieren und darauf aufmerksam machen, worauf es ankommt – merke: bei einer Observation braucht man ausreichend Proviant) und schlussendlich festgestellt, dass der Bügel gar nicht verloren war, sondern der Fuß der Reiterin sich einfach nicht merken konnte, wo er abgeblieben war. Menschen, ne. Wenn sie nicht so putzig und unterhaltsam wären, wären sie wahrscheinlich längst ausgestorben.

Wenn euch also die Mona Lisa oder das Bernsteinzimmer abhandengekommen ist, wisst ihr ja jetzt, wen ihr mit der Suche beauftragen könnt 😉

Frua mit bodenlangem Regenmantel auf dem Weg zur Koppel

Outdoor Special

Heute hab ich mich fast ein bisschen erschrocken, als die Frau im Mega-Outdoor-Outfit auf unsere Koppel gestapft kam. Schließlich ist Fußball-WM und Deutschland darf anscheinend immer noch mitspielen. Nicht wie Konrad auf unserer Weide, der wegen seiner sehr hässlichen Ekzemerdecke und seiner Doofheit von Faxe und mir gemobbt wird. Und weil er mir Else ausgespannt hat. Mit Gummistiefeln und ihrem riesigen Regenmantel, ungefähr so, als wollte sie bis ins Taka-Tuka-Land reiten (falls es da ganzjährig wie aus Eimern schüttet). Weil ich die Frau aber kenne, weiss ich, dass es mit so einer Ausrüstung maximal bis auf den Reitplatz geht 😉 Glücklicherweise stellte sich auch schnell heraus, dass sie sich nur für den weiten Weg zur Wiese und zurück so verkleidet hatte. Das kann ich verstehen, auf 500 Meter Wegstrecke kann viel passieren.

Wir haben ja jetzt so abwechslungsreiches Wetter. 5 Minuten Regen, 5 Minuten Sonne und 5 Minuten unentschieden. Das macht die Frau fertig. Dauernd zieht sie sich an und aus und um. Wenn der Mann herausfindet, dass sie letzte Woche 2 neue Regenjacken gekauft hat („Die war runtergesetzt!“ beziehungsweise „Die Farbe steht mir ganz toll!“) und eine neue Regenhose (sie hatte vergessen, dass die alte im Kofferraum liegt), gibt’s vielleicht wieder Gemecker.

Er hat nämlich jetzt die Macht, weil er neuerdings kochen kann. Er hat es notgedrungen gelernt, weil die einzige warme Mahlzeit, die sie unfallfrei zubereiten kann, mein Mash ist. Dummerweise isst die Frau sehr gern gut, so dass er sie jetzt mit ihrem Lieblingsfutter erpressen kann. Das hat seinem Selbstbewusstsein anscheinend gut getan und er kommt mir öfter mal zu Hilfe, wenn sie wieder im Rosa-Wahn ist. Aber das nur mal am Rande.

Mittlerweile hat die Frau auch eine hübsche Kollektion von diversen Regen- und Strohhüten. Mein persönlicher Favorit ist der Cowboyhut aus Stroh. Sieht lustig aus und schmeckt. Dazu eine quietschbunte, undichte Regenjacke (richtig geraten, das ist die mit der schönen Farbe) und die raschelige Regenhose, mit der sie wie ein Michelin-Männchen watschelt. Der Burner 😉

Das hat anscheinend was mit diesem Zwiebellook zu tun, wo man die Kleidung in verschiedenen Schichten übereinander trägt. Ich finde, sie setzt das gekonnt um. Faxe und mir sind jedenfalls die Tränen gekommen, vor Lachen. Stuti kann ich grade nicht mehr sehen, die ist sensibler als wir und schnell weggelaufen 😉